Ein Neuling im Football: Tobias Teusch will bei den Sauerland Mustangs durchstarten

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Herscheid - Football-Fans auf der ganzen Welt blicken mit Spannung auf den Super Bowl in der Nacht von Sonntag auf Montag. Auch Tobias Teusch ist inzwischen Fan der Sportart - und hat bei den Sauerland Mustangs selber damit begonnen. 

Das neueste Pferd im Stall heißt Tobias Teusch. Langer Kerl, 1,92 Meter groß, ewig lange Arme. Ein perfekter Typ, um Bälle aus der Luft zu pflücken, an die normalgroße Menschen nicht herankommen.

Das muss sich auch Cheftrainer Sascha Heitfeld gedacht haben, als sich der langgewachsene Triathlet aus Herscheid Ende November zum ersten Mal bei den Hagener Football-Spielern der Sauerland Mustangs vorstellte. „Trainier am besten mal bei den Wide Receivern mit“, sagte ihm der Coach – also bei den Jungs, die fürs Bällefangen zuständig sind. Seitdem gehört der 25-Jährige zur Mustangs-Herde.

Nun wird Tobias Teusch also auch auf dem Football-Feld stehen. So, wie er es sich im Oktober letzten Jahres vorgenommen hatte.


Seinerzeit saß er mit seiner Freundin Janine Kohls auf der Tribüne des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Berlin und verfolgte gespannt den German Bowl, das Spiel um die Meisterschaft in Deutschlands höchster Football-Liga. Janine hatte ihm die Tickets zum Geburtstag geschenkt, weil Tobias durch einen Kumpel Gefallen an der amerikanischen Sportart gefunden hatte. Da saß er dann auf der Tribüne in Berlin zwischen 15 000 jubelnden Zuschauern und dachte sich: „Auf diesem Platz möchte ich auch mal stehen.“ Er recherchierte, sprach mit Bekannten und stieß schließlich auf die Sauerland Mustangs aus Hagen.

Touchdown! Tobias hält den Football eng an seiner Brust und überquert die magische Linie an der Endzone. Es läuft im Training – auch wenn das Atmen nach den Sprints schwerfällt und das Laufen mit Schutzhelm und Protektoren für den Triathleten sehr ungewohnt ist.

Das Trainerteam der Mustangs hält große Stücke auf sein neues Talent. Tobias soll in der bevorstehenden Saison eine neue Waffe auf der Außenposition sein, dort also, wo sich die Wide Receiver jeden Spielzug freilaufen, um den Ball zu fangen und das Team somit näher an die Touchdown-Linie zu bringen.

Ganz so einfach ist das nicht. Die Trainer und Taktikfüchse des Vereins haben allein für die Offensive 143 Spielzüge entwickelt und aufgeschrieben, bei denen jeder der elf Feldspieler wissen muss, was er zu tun hat. Bei jedem Angriff ist Tobias’ Weg damit vorgezeichnet. Mal läuft er im Vollsprint über das Feld, mal bremst er nach zehn Metern ab und bietet sich an, mal soll er nur den Gegenspieler blocken, weil ein anderer Spieler den Ball fangen oder laufen soll.

Wie soll man sich das alles merken? Der Neuling hat sich dafür einen Wrist-Coach gekauft, der wie ein Schweißband um den Unterarm gezogen wird und an dem Sichtfenster eingenäht sind, unter denen Tobias für jeden Spielzug seinen Laufweg in Erinnerung rufen kann. Er hat schnell eingesehen: Zum Football gehören nicht nur die harten Zweikämpfe mit den Gegenspielern, sondern auch eine ganze Menge Taktik und Finesse. Nicht umsonst bezeichnen viele Experten diesen Sport auch als Rasenschach.

Von Position zu Position benötigen die Spieler verschiedene Fähigkeiten. Der Quarterback, der Spielgestalter, muss zum Beispiel stets den Überblick bewahren und den Ball präzise zu seinen Mitspielern werfen können. Der Running Back muss sich im besten Fall mit dem Ball durch die gegnerischen Reihen wuseln, die 130-Kilo-Kolosse aus der Offense Line versuchen ihr Gegenüber wie ein Sumo-Ringer aus dem Weg zu räumen. Und die Wide Receiver brauchen gute Hände, um die Bälle zu fangen. Deshalb trainieren die verschiedenen Spielertypen in Hagen auch zu Beginn jeder Übungseinheit unter sich, mit einem der insgesamt sieben Trainer aus dem Mustangs-Team, die sich bestens mit der jeweiligen Position auskennen.

Zwar spielen die Sauerländer „nur“ in der Verbandsliga und damit der fünften von sieben Ligen, aber die Ambitionen sind hoch. „Manche pumpen vor den wöchentlichen drei Trainingseinheiten noch im Fitnessstudio, aber man muss jetzt nicht sein ganzes Leben auf Football ausrichten“, beschreibt Tobias.

Er selbst könnte das auch gar nicht. Der Valberter arbeitet als Prozessbetreuer bei der Firma Kostal in Lüdenscheid, studiert nebenher Maschinenbau, besucht einen Tanzkurs mit seiner Freundin und dann sind da eben noch die Triathlon-Veranstaltungen, an denen er für das Verbandsliga-Team von Trispeed Herscheid auf Punktejagd geht. „Wenn man sich gut organisiert, dann klappt das schon“, ist Tobias zuversichtlich, alles unter einen Hut zu bekommen. Ihm kommt dabei entgegen, dass die Football-Saison vergleichsweise kurz ist. Zehn Spiele stehen während der Sommermonate auf dem Plan, los geht es wahrscheinlich am 28. April bei den Hamm Aces.

Tobias fiebert diesem Termin schon entgegen. Es wird sein erstes Pflichtspiel im Trikot der Mustangs. Noch aufregender dürfte dann die Heimpremiere auf der Kampfbahn Boehlerheide in Hagen werden, wenn die eigenen Cheerleader und hunderte Fans das Team nach vorne peitschen. „Es dürfte eine Wahnsinns-Atmosphäre sein“, glaubt Tobias, der sich schon ein paar Videos von Spielen der Mustangs angeschaut hat. „Das sieht auf jeden Fall mega cool aus.“

Noch cooler findet der junge Mann eine Nachricht, die ihn völlig unerwartet diese Woche erreicht hat. Die Mustangs haben Tobias ein so gutes Ballgefühl attestiert, dass sie ihn zum Quarterback ausbilden wollen. In ein, zwei Jahren soll er soweit sein, dass er bei Ausfällen der etatmäßigen Spielmacher die Fäden im Offensivspiel ziehen kann. Spielverständnis, Wurftechnik, Übersicht – all das braucht ein guter Quarterback. Und er muss die 143 Spielzüge so gut kennen wie kaum ein anderer. Tobias lacht: „Das könnte mit die größte Herausforderung an der ganzen Sache werden...“

Interview mit dem Sprecher der Mustangs

Max Unterharnscheidt ist nicht nur Sprecher der Sauerland Mustangs, sondern auch einer der Quarterbacks des Teams. Mit ihm sprach unser Redakteur Sebastian Schulz über den zu kleinen Kader des Teams, über die tolle Kulisse bei den Heimspielen und natürlich über den bevorstehenden Super Bowl, also das Spiel um die amerikanische Meisterschaft der Profi-Footballliga NFL und die größte Einzelsportveranstaltung des Planeten.

Herr Unterharnscheidt, erzählen Sie uns doch bitte zunächst etwas über die Geschichte der Sauerland Mustangs.

Die Mustangs sind ursprünglich eine Abteilung des TSV Fichte Hagen. Entstanden ist das Team, nachdem viele Spieler der „Lüdenscheid Lumberjacks“ zu den „Hagen Bullets“ kamen. Dieser Entwicklung wollte man gerecht werden und so wurde der Vereinsname geändert. Inzwischen haben wir eine schlagkräftige Truppe und konnten im Jahr 2017 den Aufstieg in die Verbandsliga feiern.

Aus wie vielen Spielern besteht der Kader?

Aktuell haben wir 60 Spieler. Der Großteil wohnt in Hagen, aber etwa 20 Spieler kommen auch aus Lüdenscheid und Umgebung.

Können Sie noch Verstärkung gebrauchen?

Auf jeden Fall. 60 Spieler sind eigentlich noch zu wenig für ein Football-Team, deshalb versuchen wir auch gerade, den Kader auszubauen. Am 13. und 18. Februar veranstalten wir jeweils ab 19.45 Uhr zum Beispiel zwei offene Trainingstage, bei denen jeder Interessierte auf unserer Trainingsanlage Am Volmewehr 4 in Hagen-Dahle vorbeischauen kann.

Welche Voraussetzungen muss ein Football-Spieler erfüllen?

Das Schöne am Football ist, dass es für jede Statur einen Platz auf dem Feld gibt. Die flinken Jungs eignen sich zum Beispiel gut als Receiver und die schweren Typen können in der Offense oder Defense Line spielen. Was das Alter angeht, sind die meisten zwischen Anfang 20 und Mitte 30. Unser ältester aktiver Spieler ist 52 – und er ist immer noch richtig gut!

Schauen sich viele Zuschauer die Heimspiele der Mustangs an?

Im Schnitt sind es 500 Leute, die richtig Stimmung machen. Zum Auftakt der letzten Saison waren es sogar 900 Zuschauer. Diese guten Zahlen liegen zum einen an unserer Spielstätte – ein Echtrasenplatz mit cooler Tribüne – und zum anderen an unseren Aktionen. Getränke, Burgerbude, Einlauf, Stadionsprecher, DJ, Hüpfburg für die Kinder – all das gehört bei uns zum Programm.

Football wird also nicht nur im Fernsehen immer beliebter, sondern auch hier im Sauerland...

Ja, das sieht man ja zum Beispiel auch an unserer bevorstehenden Liveübertragung des Super Bowl. In der Nacht von Sonntag auf Montag werden über 120 Leute in der Phänomenta in Lüdenscheid mit dabei sein und die Karten sind längst ausverkauft.

Und Ihr Tipp für das große Spiel zwischen den Los Angeles Rams und die New England Patriots?

Ich hoffe, dass es nicht die Patriots werden. Also für diesen Abend bin ich definitiv Fan der Los Angeles Rams.

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