Sanierung in drei Tagen

Neues Verfahren angewandt: Kanal wird als Schlauch eingezogen

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Die Verwaltungsratsmitglieder sahen sich das Bauverfahren an und ließen sich von Andreas Voit und Bauleiter Dirk Finder zeigen, wie das ausgehärtete Material des Kanals aussieht.

Herscheid – Vier Baustellen in zwei Wochen beenden, das ist für den Kanalbau ziemlich zügig. Dass das jetzt in Herscheid möglich ist, liegt an einer neuen Methode der Sanierung. 

Die Technik ist soweit fortgeschritten, dass die Straße nicht mehr aufgerissen werden muss, um einen neuen Kanal hineinzulegen – ein sogenanntes Schlauchline-Verfahren. Gerade am Schulplatz, wo sich die Verwaltungsratsmitglieder das Bauverfahren ansahen, ist dieses sinnvoll. 

Denn der Schulplatz wurde gerade erst neu gestaltet und die Oberfläche muss nicht für die Kanalarbeiten wieder zerstört werden. Diese Woche kann die gesamte Sanierungsmaßnahme fertiggestellt werden, informiert Dirk Fiedler, verantwortlicher Bauleiter im Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid-Herscheid (SELH). Damit sind die Arbeiten am Schulplatz, auf dem Gelände des Freibades, der Straße Im Uerp sowie Mittel- und Kampstraße gemeint. 

Ausgeführt werden die Arbeiten durch die Firma Arkil inpipe aus Bottrop. „Durch dieses Bauverfahren wird die Bauzeit pro Baustelle nicht nur von zwei Monaten auf rund drei Tage verkürzt, es ist auch um die Hälfte billiger, da die Straßenöffnung entfällt“, sagt Andreas Voit, Ansprechpartner für Herscheider Belange bei SELH. 

Die Kosten für 130 Meter Kanal mit einem Durchmesser von 250 Millimetern liegen bei 48 000 Euro. „Und auch die Anlieger werden nicht durch Lärm und Staub belästigt, es fallen keine Parkplätze weg, wodurch auch die angrenzenden Gewerbetreibenden beeinträchtigt würden – und es ist auch keine langfristige Wasserhaltung erforderlich“, zeigt Voit die weiteren Vorteile auf. 

Bei diesem Verfahren bleibt das alte Betonrohr in der Erde vorhanden und ein neues wird aus einem vorgefertigten Schlauch aus Glasfaser als Trägermaterial, gestärkt mit Polyesterharz, in den Kanal eingezogen. Dazu wurde zuvor eine Gleitfolie eingebracht, um den Schlauch nicht zu beschädigen. 

Im nächsten Schritt wird der eingezogene Schlauch mit Druckluft aufgeblasen, bevor er mit UV-Licht ausgehärtet wird. Dazu wird eine Lichterkette mit 6 UV-Birnen, an der zur Beobachtung auch eine Kamera angebracht ist, durch den neuen Kanal gezogen. Bei einem Kanaldurchmesser von 25 Zentimetern werden 60 Meter in einer Stunde ausgehärtet.

 Zum Schluss werden die bestehenden Anschlüsse an den Kanal mittels Robotertechnik wieder freigefräst und mit dem neuen Rohr verbunden. „Wir gehen davon aus, dass der Kanal mindestens 50 Jahre hält“, sagen Voit. 

„Ob ein solches Verfahren angewendet werden kann, hängt immer vom Altrohrzustand ab, ob dieses noch einigermaßen in Ordnung ist, und den örtlichen Gegebenheiten“, erklärt Voit. Am Rahlenberg sei die Methode zum Beispiel nicht möglich, da ein größerer Kanal benötigt wird. In diesem Fall müssen Straßen aufgerissen werden.

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