Stabilität gefährdet

Neues Kanalrohr: SELH investiert 120.000 Euro in Hüinghausen

Bauleiter Axel Späing zeigt die Seilwinde, mit der der Koloss gezogen wurde.
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Bauleiter Axel Späing zeigt die Seilwinde, mit der der Koloss gezogen wurde.

120 000 Euro hat der Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid-Herscheid (SELH) in die Hand genommen, um mit einem acht Tonnen schweren Schlauch und einer starken Seilwinde einen Abwasserkanal in Hüinghausen zu sanieren. Daran sind unter anderem viele Haushalte in der Weißen Ahe angeschlossen und der westliche Teil Hüinghausens.

Herscheid – Die technisch durchaus herausfordernde Baumaßnahme wurde durch Einnahmen aus der Abwassergebühr finanziert. Sie begann am Mittwochmorgen an der Elsetalstraße im Bereich der Firma Teckentrup und wird voraussichtlich noch bis Donnerstagnachmittag andauern. Erneuert wird ein Kanalrohr mit einem Innendurchmesser von 80 Zentimetern.

Dies ist notwendig, weil der SELH bei einer Kontrolle mit einer Videokamera festgestellt hatte, dass das bestehende Abwasserrohr zum Teil brüchig ist. „Die Statik ist deshalb stellenweise gefährdet“, erklärte Rainer Schmalenbach, Sachgebietsleiter für Bauplanung beim SELH.

Seine Kollegen Jonas Busch und Simon Holterhof führten die Detailplanung der Sanierung durch: Für die Erneuerung hätte das Rohr freigelegt werden können. Weil es jedoch unter dem Betriebsgelände der Firma Teckentrup entlang verläuft, entschied sich der SELH für die Sanierung im sogenannten Schlauchliner-Verfahren. Das geht schneller und es müssen keine Erdarbeiten durchgeführt werden. Das Verfahren sei zudem kostengünstiger, sagte Bauleiter Axel Späing.

Acht Tonnen bringt der Schlauch auf die Waage, den der Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid-Herscheid in Hüinghausen in einen Hauptabwasserkanal einziehen lassen hat.

Für die Sanierung mussten die Kanalrohre zunächst trockengelegt werden. Hierfür wurde eine sogenannte Blase – zu vergleichen mit einem Stöpsel, der ähnlich aussieht wie ein Gymnastikball – in das Rohr eingesetzt. Das Abwasser pumpten die Mitarbeiter nach oben und leiteten es durch Schläuche um den Baubereich herum.

„Wir mussten den Wetterbericht im Blick haben“, erläuterte Rainer Schmalenbach. Bei Regen wäre mehr Wasser im Kanal abzupumpen gewesen, was zu Problemen hätte führen können. Plan B wäre dann gewesen, das Abwasser in die Else zu leiten, was „wegen der starken Verdünnung kein Problem dargestellt hätte“, so Axel Späing.

Auf einem Parkplatz im Bereich des Rammberger Wegs brachten die Arbeiter eine Seilwinde in Stellung, die bis zu zehn Tonnen Zugkraft erzeugen kann. Sie sollte den neuen Schlauch mit seinem Gewicht von acht Tonnen in das bestehende Rohr ziehen. Das Stahlseil der Winde führten die Arbeiter durch den Kanal bis hin zum Ausgangspunkt an der Elsetalstraße.

Weil der Kanal nicht gerade verläuft, mussten für das Seil Umlenkrollen eingesetzt werden. Der Schlauch selbst wurde jedoch nur auf einem gerade verlaufenden Stück mit einer Länge von 100 Metern eingezogen. Um Beschädigungen am Schlauch zu vermeiden, wurde der Kanal zuvor mit einer Gleitfolie versehen.

Im Kanal mussten Umlenkrollen zum Einsatz kommen, damit der Schlauch mit einer starken Seilwinde eingezogen werden konnte.

Der eingezogene Schlauch werde an beiden Enden verschlossen und mit Luft aufgepumpt, erklärte Axel Späing. Er schmiege sich somit an die Innenwände der alten Rohre. Anschließend fährt ein Wagen mit acht starken UV-Lampen hindurch und härtet das spezielle Material aus. „Eine der UV-Birnen kostet 1000 Euro“, bezifferte ein Mitarbeiter der ausführenden Baufirma. Der Schlitten fährt mit einer Geschwindigkeit von 20 Zentimetern pro Minute durch den Kanal.

Daher kann die Maßnahme auch erst am Donnerstag abgeschlossen werden. Die Fachfirma aus Leipzig war extra mit einem Trupp von sieben Personen angereist, damit in zwei Schichten auch in der Nacht gearbeitet werden konnte. Wenn der Schlauch ausgehärtet ist, besteht ein neues, nahtloses Rohr-im-Rohr-System. Im Nachhinein müssen die Hausanschlüsse aufgefräst und die beiden Enden des Schlauches geöffnet werden. Dann kann das Abwasser wieder fließen.

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