Nerd-Woche im Jugendzentrum vereint Technik, Wissenschaft und Spaß

„Wir sind keine Sonderlinge!“

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Ein Einblick in das kleine Technik-Labor des Jugendzentrums: Die Teilnehmer der Nerd-Woche samt Sozialarbeiter Andreas Wehberg arbeiten an einem 3 D-Drucker. Dafür mussten sie zunächst die englische Bauanleitung übersetzen.

Herscheid - Merkwürdige Geräusche, dunkel gekleidete Personen, gedimmtes Licht: Die Nacht auf Samstag war alles andere als gewöhnlich im Jugendzentrum.

Die Nerds sind los – und das schon während der gesamten ersten Herbstferienwoche. Doch was bedeutet es eigentlich, ein Nerd zu sein? Übersetzungen wie Sonderlinge oder Fachidioten weisen die Teilnehmer dieser Aktionswoche strikt zurück, und doch müssen sie bei diesen Begriffen lächeln. Denn dass sie spezielle Interessen haben, das können die Jungen wahrlich nicht leugnen. 

Schon ein Blick auf das Programm verdeutlicht diese These: Im Nerd-Kino wurde der neueste Star Wars-Film mit Namen „Solo“ gezeigt und beim Ausflug nach Lüdenscheid lieferten sich die Jungen Laserschlachten. 

Besonders stolz sind die Herscheider auf ihren selbstgebauten 3 D-Drucker. Den Bausatz haben die Jugendlichen in stundenlanger Detailarbeit im Keller des Jugendzentrums zusammengebastelt – und das trotz einer Bauanleitung in englischer Sprache. 

„Es gibt heutzutage kaum noch Berufe, die ohne Computer auskommen“, erzählt Andreas Wehberg. Der Herscheider Sozialarbeiter bezeichnet sich selbst als Nerd, der Spaß an Comics und Rollenspielen hat. 

Neben dem Spaß, der bei der Nerd-Woche an erster Stelle steht, gilt diese auch als Bereicherung und Förderung. So können die Herscheider Nerds mit Hilfe der Programmiersprache „Arduino“ und einem Computer über ihren Drucker „Marke Eigenbau“ dreidimensionale Spielfiguren ausdrucken. 

Neben Wissenschaft und Technik scheint den Jugendlichen auch der Umweltschutz am Herzen zu liegen. Sie betonen, dass ihre gedruckten Figuren „alle aus Polymilchsäure bestehen und die ist biologisch abbaubar.“ 

Unverzichtbarer Bestandteil der ungewöhnlichen Aktionswoche war das Rollenspiel „Descent“, welches den Beinamen „Die Höhle des Lindwurms“ trägt. Dabei schlüpften die Teilnehmer in unterschiedliche Rollen und Fantasiewelten. Ebenfalls beliebt: der „Escpape Room“ – ein fiktives Gefängnis, aus dem man nur ausbrechen kann, wenn man knifflige Rätsel löst. 

Die technische Affinität, auffällige Kleidung, die Vorliebe für Skurriles – all „das gehört zur Nerd-Kultur und die ist sehr vielseitig“, beschreibt Teilnehmer Yasin und seine Kumpels nicken. 

Früher wären Jugendliche mit derlei Hobbys vermutlich ausgelacht worden. Doch spätestens seit „The Big Bang Theory“ ist das Nerdsein salonfähig geworden. Die erfolgreiche TV-Serie handelt von zwei jungen Physikern, einem Astrophysiker und einem Ingenieur – und deren oftmals unverständlichen Problemen des Alltags. 

„Seitdem diese Serie so erfolgreich ist, werden Nerds nicht mehr belächelt“, weiß Andreas Wehberg zu berichten. Dass diese Kultur keine Modeerscheinung und offen für viele Altersgruppen ist, beweist der 50-Jährige selbst – denn der Mitarbeiter des Jugendzentrums bezeichnet sich als „Ober-Nerd“. 

Die eingangs beschriebene Szenerie bildet übrigens den Abschluss der Aktionswoche: Die lange LAN-Partynacht begann Freitag um 16 Uhr und endete am Samstag erst in den frühen Morgenstunden. Dabei spielten die 15 angemeldeten Jugendlichen über ein Netzwerk gegeneinander (altersgerechte) Computerspiele. 

„Das war eine Nacht der Kommunikation“, meint Andreas Wehberg. PC-Spiele sorgen bei solchen Zusammenkünften nicht etwa für Isolation, sondern für eine lebendige Gemeinschaft. 

Woran es bei der zweiten Herscheider Nerd-Woche übrigens mangelt, das sind weibliche Teilnehmer. „Die Anmeldung war offen für Mädchen“, bedauert Andreas Wehberg, dass diesmal ausschließlich Jungen mitmischen. Doch im nächsten Herbst soll es eine Wiederholung des Nerd-Programms geben – vielleicht dann ja auch mit weiblicher Beteiligung.

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