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Nach Unfall der Organistin: Evangelische Gemeinde muss Osterfeiern umplanen

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Von: Dirk Grein

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Zwei Jahre lang konnte die Evangelische Kirchengemeinde die Oster-Gottesdienste nur digital feiern. Nach dem Wegfall der meisten Corona-Schutzvorgaben in der Kirche stehen nun unerwartet Veränderungen bevor.
Zwei Jahre lang konnte die Evangelische Kirchengemeinde die Oster-Gottesdienste nur digital feiern. Nach dem Wegfall der meisten Corona-Schutzvorgaben in der Kirche stehen nun unerwartet Veränderungen bevor. © Archivfoto: Grein

Die Oster-Gottesdienste der Evangelischen Kirchengemeinde Herscheid müssen kurzfristig geändert werden. Organistin Christiane Nockemann-Mätzig, die an den Planungen maßgeblich beteiligt war, kann nicht mitwirken: Sie liegt nach dem schweren Verkehrsunfall am Silberg im Krankenhaus.

Herscheid - Eine Nachricht, die die Kirchengemeinde erschüttert. Denn die Kirchenmusikerin ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Gottesdienste – als Orgelspielerin, Chorleiterin und Mitgestalterin der Liturgie. Wie schwer ihr Ausfall wiegt, wird an Ostern deutlich. Pfarrer Bodo Meier, der Genesungswünsche im Namen aller Gemeindeglieder aussprach, fasste es so zusammen: „Sie ist für uns nicht zu ersetzen.“

Aufgrund der Pandemie sei die Planung bewusst auf einen kleinen Mitarbeiterkreis beschränkt gewesen. Insbesondere bei der liturgisch anspruchsvollen Osternacht, die als Höhepunkt des Kirchenjahres gilt, hätte Nocke-mann-Mätzig die zentrale Rolle einnehmen sollen. Nach zwei Jahren ohne Präsenzangebote (wegen Corona) hatten sich alle auf diesen Gottesdienst gefreut.

Alternative für Osternacht gibt es nicht

Dieser hätte um 6 Uhr beginnen sollen, in stockfinsterer Kirche: Die Verbreitung des Osterlichtes auf die Kerzen der Besucher, die Dekoration des Altars und der Kirche, der Wechsel der Stola des Pfarrers, die Lesung aus dem Evangelium – all das mache die Auferstehungsbotschaft in diesem Gottesdienst spürbar, so Meier.

Auf dieses Erlebnis muss die Kirchengemeinde nun verzichten. Eine Alternative, etwa eine reduzierte Feier der Osternacht, würde dieser nicht gerecht werden. Nach zahlreichen Telefonaten verkündete der Pfarrer daher am Dienstagmorgen, dass die Feier der Osternacht in der Apostelkirche entfallen wird.

Oster-Gottesdienste in der Übersicht

Ohne die Osternacht lädt die Evangelische Kirchengemeinde Herscheid am Feiertags-Wochenende zu fünf Gottesdiensten ein: Gründonnerstag, 14. April, Gottesdienst um 19 Uhr mit Abendmahl. Karfreitag, 15. April, Gottesdienst um 10 Uhr mit Abendmahl, und um 15 Uhr Andacht zur Sterbestunde Christi. Ostersonntag, 17. April, Gottesdienst um 10 Uhr mit Abendmahl. Ostermontag, 18. April, Gottesdienst um 10 Uhr in der Friedhofskapelle.

Dies sei nicht die einzige Änderung: „Alle anderen Gottesdienste an Ostern werden ohne Musik der Orgel gefeiert“, betont Bodo Meier. Auch ein Einsatz des Kirchenchores sei nicht möglich.

Der Pfarrer bedauert, dass dadurch eine wichtige Symbolik der Gottesdienste nicht aufrechterhalten werden könne. Auf ihn und seine Kollegin Pfarrerin im Ruhestand Inge Rethemeier, die sich den Osterdienst aufteilen, warten somit ungewohnte Herausforderungen. Die Kirchenlieder müssen nun A capella, also ohne instrumentale Begleitung oder die des Chores, angestimmt werden.

Corona-Regeln: Maskenpflicht bleibt

Apropos Gesang: Dieser ist für die Besucher der Gottesdienste grundsätzlich wieder erlaubt. Allerdings gilt beim Besuch der Apostelkirche weiterhin durchgehend Maskenpflicht, darauf habe sich die Kirchengemeinde verständigt. Zudem werde darum gebeten, in der Kirche auf die Einhaltung von Mindestabständen zu achten.

Alle anderen Corona-Schutzvorgaben seien in der Kirche nicht mehr gültig, erklärt Bodo Meier. Weder werde am Eingang der Impfstatus erfragt noch gelte eine Besucherbegrenzung oder eine vorherige Anmeldepflicht. Vor dem Hintergrund der Pandemie feiere die Evangelische Kirchengemeinde „fast normale Gottesdienste“.

Eines werde an Ostern ebenfalls deutlich: die Bedeutung der Begegnung in Präsenz. In 2020 wurden die Gottesdienste in der Kirche aufgenommen und später im Internet veröffentlicht; im Vorjahr gab es Liveübertragungen ausgewählter Ostergottesdienste. Der Erfolg, gemessen an den Nutzerzahlen, sei überschaubar gewesen. Sei die Beteiligung an den Online-Angeboten anfangs noch gut gewesen, habe dieser zuletzt nicht mehr im Verhältnis zu dem dafür für notwendigen Aufwand gestanden, erklärt der Pfarrer.

Daher war die Vorfreude auf Ostern in Präsenz umso größer – getrübt wird diese durch den Unfall und die Verletzung der Organistin. Pfarrer Meier und seine Gemeinde hoffen, dass sie möglichst bald wieder ihren Platz an der Orgel einnehmen kann.

Bei dem Unfall am Silberg wurden insgesamt fünf Personen verletzt.

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