Königin mit Herzblut

Nach Krisensitzung erlöst Martina Schöttler die Herscheider Schützen

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Beim Festumzug präsentierte sich Königin Martina Schöttler den Zuschauern am Straßenrand.

Herscheid – Spannung am Schießstand gehört bei jedem Schützenfest mit dazu. Doch auf diesen Nervenkitzel hätte der Vorstand des Herscheider Schützenvereins vermutlich gern verzichtet. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde es keinen neuen Schützenkönig geben.

Keiner der 35 Schützen, die zuvor auf die Insignien angelegt hatten, ließ sich während der Schießpause in die Anwärterliste eintragen. Ein Szenario, mit dem niemand gerechnet hatte. Zwar hatten im Vorfeld einige Kandidaten ihren Königswunsch geäußert. Doch sie alle wollten erst im kommenden Jahr, wenn der Schützenverein seinen 70. Geburtstag feiern kann, den Vogel von der Stange schießen. Und auch spontane Bewerber um die Königsehre fanden sich nicht. 

Nach bangen Minuten des Wartens zog sich der engere Vorstand zu einer Krisensitzung zurück. Diese dauerte indes nicht lang: Entschlossenen Schrittes kehrte Martina Schöttler zurück in die Schützenhalle und ging zielgerichtet zum Schießstand. An ihre Seite gesellte sich ihr Gatte und zugleich Vereinsvorsitzender Dirk Schöttler an das zweite Gewehr. 

Das Paar lieferte sich jedoch kein Duell, sondern legte in Salven auf den Rumpf des Adlers an. Dieser ergab sich um 17.09 Uhr und sank aus dem Vogelfang in Richtung Hallenboden. Die Erleichterung war allen Beteiligten anzumerken: Herscheid hat eine neue Königin. 

Wenngleich sie diesen Ausgang des Schießens nicht eingeplant hatte, betonte Martina Schöttler kurz darauf, dass es keiner langen Überredung gebraucht habe, um sie für diesen Schritt zu begeistern: „Ich mache das nicht als Notlösung, sondern weil ich voll dahinterstehe.“ Die 55-Jährige ist Schützin durch und durch, hält dem Verein seit Jahrzehnten die Treue, und betreut als Schießwartin alle Schießwettbewerbe der Herscheider. Als Sportschützin hat sie bereits viele Erfolgs verbuchen können, doch die Anspannung diesmal sei immens gewesen: „Auf einen Vogel zu schießen ist eine ganz andere Sache, als auf Scheiben zu zielen.“ 

Nach unzähligen Umarmungen und Beglückwünschungen wurde Martina Schöttler während des Kommersabends als Nachfolgerin von Wolfgang Funke inthronisiert. In der Krönungsrede lobte der zweite Vorsitzende Volker Halbhuber (Bruder der neuen Majestät): „Ich bin stolz auf unsere Vereinsschießwartin und meine Schwester Martina Schöttler, die heute gezeigt hat, was es heißt, einen Verein mit Herzblut zu leben und zu lieben.“ 

Neben Martina Schöttler sorgt Niklas Reininghaus in den kommenden Monaten für eine Friedliner Dominanz im Schützenverein. Denn auch der neue Jungschützenkönig stammt aus dem Ortsteil Friedlin. Der 23-jährige Student hatte sich bewusst dazu entschieden, die Nachfolge von Pascal Funke anzutreten. Seine Freude über den entscheidenden Treffer war groß: „Erst denkt man, der Vogel will überhaupt nicht fallen.“ Umso größer sei die Erleichterung gewesen, als er sich mit seiner Königin Lea Arnold feiern lassen konnte.

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