Sorge um Honigbienen

Nach Faulbrut-Ausbruch: Fachleute rücken mit mobilen Krematorien in MK-Gemeinde an

Das Veterinäramt des Märkischen Kreises wird alle Bienenvölker in Herscheid auf die Amerikanische Faulbrut testen (Symbolfoto).
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Das Veterinäramt des Märkischen Kreises wird alle Bienenvölker in Herscheid auf die Amerikanische Faulbrut testen (Symbolfoto).

Die Gemeinde Herscheid ist Sperrgebiet. Nachdem die Amerikanische Faulbrut bei mindestens einem Bienenvolk in der Gemeinde aufgetreten ist, müssen die Imker neue Regeln beachten. Denn – ganz ähnlich wie für Corona – hat der Märkische Kreis eine Allgemeinverfügung erlassen. Es kommen auch Fachleute, um Bienen zu töten.

Herscheid – Wie Frank Esser, Vorsitzender des Herscheider Imkervereins berichtet, handelt es sich bei der Faulbrut „um eine relativ hartnäckige Krankheit, die sich ausbreitet“. Vergleichen könne man dies in der Tat mit einer Virusinfektion beim Menschen. Esser weiß von einem Imker aus Herscheid, bei dem ein Bienenvolk betroffen ist. „Seine anderen werden gerade getestet, aber es sieht nach derzeitigem Stand so aus, als wären diese Völker ebenfalls infiziert.“

Nach und nach sollen in den kommenden Tagen und Wochen alle Bienenvölker in Herscheid durch das Veterinäramt des Märkischen Kreises auf die Amerikanische Faulbrut getestet werden, berichtet Esser. Bei betroffenen Völkern werden radikale Maßnahmen durchgeführt: „Sie werden restlos vernichtet. Die Tiere selbst schwefelt man ab. Die Bienenstöcke und alles, was mit der Faulbrut in Kontakt gekommen ist, wird verbrannt“, erklärt er. Um dies sorgfältig zu erledigen, kämen Fachleute mit einer Art mobilem Krematorium zu den Imkern.

Dass die Ebbegemeinde zurzeit Sperrgebiet ist, hat zur Folge, dass keine Bienenvölker die Gemeinde verlassen dürfen. Von außerhalb dürfen auch keine Tiere eingefahren werden. Ist ein Imker also von der Faulbrut betroffen und seine Bienen werden entsorgt, wird er sich so schnell vermutlich keinen Ersatz beschaffen können. Allerdings: Wenn er sich im Herbst oder im nächsten Frühjahr ein neues Jungvolk anschafft, werde er daraus schon im selben Jahr wieder Honig ernten können, sagt Esser.

Der Wert eines Bienenvolks mit Bienenstock und Zubehör liegt übrigens bei rund 300 Euro, beziffert er. Den Schaden müsste die Tierseuchenkasse pauschal abdecken. Das ganze Geschehen sei natürlich trotzdem ärgerlich. Für Hobbyimker gestalte sich das aber weniger schlimm als für Berufsimker, denn sie sind für ihren Haupterwerb auf die Tiere angewiesen.

Der bereits produzierte Honig der Bienen darf weiter verkauft werden. „Die Krankheit ist für den Menschen ungefährlich. Der Honig kann bedenkenlos verzehrt werden“, betont Esser.

Was sagen die Imker selbst zu dem Vorgang? Sind sie in Sorge? Die Lage ist durchaus unterschiedlich. In Panik scheint aber niemand zu geraten. „Ich habe meine sechs Völker kontrolliert“, sagt Christine Walter und berichtet weiter: „Für mich sehen sie gesund aus. Aber das kann sich natürlich täglich ändern.“

Die Hobbyimkerin aus Danklin hofft, dass sich alle Imker aus Herscheid verantwortungsbewusst verhalten: Sie sind verpflichtet, sich beim Märkischen Kreis zu melden (Tel. 0 23 51/ 966 65 51; Mail: Veterinaer@maerkischer-kreis.de) und erhalten dann Informationen, was zu tun ist. An diesem Donnerstag fand zudem die Jahreshauptversammlung des Imkervereins statt, bei der intensiv über das Thema informiert wurde. Allerdings seien in dem Verein nicht alle Bienenbesitzer aus der Gemeinde vertreten, so Walter.

Woran lässt sich überhaupt erkennen, dass ein Bienenvolk von der Faulbrut betroffen ist? Das weiß Reinard Vedder: „Die Bienen werden schwach. Der Bienenstock verfärbt sich von innen dunkel und wenn man ihn öffnet, kann man einen fauligen Geruch wahrnehmen.“ Auch er habe derartiges bei seinen Völkern nicht feststellen können. Wirklich eingeschränkt sei er durch die Allgemeinverfügung des Kreises nicht. „Honig darf ich weiter verkaufen.“

Und die Gemeindegrenzen verlasse er mit seinen Tieren in der Regel ohnehin nicht. „Das machen eher die Berufsimker, die dann zum Beispiel Rapsfelder anwandern, um sortenreinen Rapshonig zu erhalten.“ Auch Vedder appelliert an die Bienenbesitzer, sich an die Allgemeinverfügung zu halten.

In einem Punkt sind sich Vedder und Walter einig: Einen Fall wie jetzt, haben sie bislang nicht erlebt. Das will etwas heißen, denn Christine Walter ist bereits seit 1993 im Imkerverein aktiv, Reinard Vedder seit rund zehn Jahren.

Noch nicht ganz so lange, nämlich seit rund zwei Jahren, befasst sich Julien Eichhoff mit der Imkerei. So wie die anderen berichtet er, dass die Nachricht am Mittwoch völlig unerwartet kam: „Ich bin davon total überrollt worden. Ich habe das noch nie erlebt und auch keine Erfahrung damit.“ Rein optisch zumindest seien an seinen Bienenvölkern keine Veränderungen festzustellen. Um nichts falsch zu machen, habe sich Eichhoff schon beim Veterinäramt gemeldet und dort einige Fragen gestellt.

Er ist durchaus von dem „Einreiseverbot“ für die Bienen betroffen: „Eines meiner Völker ist gerade ohne Königin und ich sollte eigentlich in den nächsten Tagen eine neue von einem Züchter aus Meinerzhagen bekommen.“ Ohne Königin ist das Bienenvolk nicht überlebensfähig.

Wie es weitergeht, das bleibt nun abzuwarten. Frank Esser jedenfalls kann sich vorstellen, dass die Völker, die jetzt nicht betroffen sind, im Frühjahr 2022 noch einmal abschließend getestet werden müssen. Fraglich ist auch, woher die Faulbrut überhaupt kommt. Hier hat Julien Eichhoff eine Vermutung: „Ein möglicher Übertragungsweg ist ausländischer Honig. Deswegen möchte ich darum bitten, Gläser von Supermarkt-Honig nur gespült ins Altglas zu geben. Honigreste an diesen Gläsern können die Sporen der Faulbrut enthalten und von den heimischen Bienen unbemerkt in die Bienenstöcke getragen werden.“

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