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Nach Corona-Fall: Praxis Hauswald wieder geöffnet

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Von: Dirk Grein

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Auf dem Parkplatz am Neuer Weg dürfte ab sofort wieder mehr Betrieb herrschen: Nach zweiwöchigem Notfallbetrieb öffnet die Gemeinschaftspraxis Hauswald wieder, vorübergehend jedoch in veränderter Besetzung.
Auf dem Parkplatz am Neuer Weg dürfte ab sofort wieder mehr Betrieb herrschen: Nach zweiwöchigem Notfallbetrieb öffnet die Gemeinschaftspraxis Hauswald wieder, vorübergehend jedoch in veränderter Besetzung. © Foto: Grein

Die zweiwöchige Quarantäne ist vorbei: Die Gemeinschaftspraxis von Kornelia und Michael Hauswald kann seit dem 17. November wieder regulär öffnen. Doch der Wiedereinstieg in den beruflichen Alltag dürfte für das Team zu einer emotionalen Herausforderung werden.

Herscheid - Ein infektiöser Patient hatte die Praxis vorübergehend lahmgelegt: Er hatte bei seinem Besuch Anfang November zunächst nicht angegeben, dass er an Covid-19 erkrankt war, dies stellte sich erst im Verlauf des Arztgesprächs heraus. Ein Versäumnis, das weitreichende Folgen haben sollte.

Beide Herscheider Ärzte und zwei ihrer Mitarbeiterinnen steckten sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bei dem Patienten an. Die Krankheit nahm unterschiedliche Verläufe: Am heftigsten erwischte es Michael Hauswald; der Allgemeinmediziner weilt weiterhin im Krankenhaus, konnte nach Angaben seiner Frau allerdings mittlerweile die Intensivstation wieder verlassen.

Impfung schützt nicht vor Infizierung

„Wir sind alle geimpft“, betont Kornelia Hauswald. Vor einer Infizierung habe die Impfung zwar nicht geschützt, wohl aber (mit Ausnahme von Michael Hauswald) vor schlimmeren Krankheitsverläufen. Das übrige Team gilt inzwischen als genesen, was die entsprechenden negativen PCR-Testergebnisse belegen.

Die Kinderärztin erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen: Dass sie positiv auf das Coronavirus getestet wurde, habe sie zunächst überrascht, weil sie zu diesem Zeitpunkt symptomfrei war. Während der zurückliegenden zwei Wochen habe sie nur einen „minimalen Verlauf gespürt“.

Ernste Worte an den Verursacher

Dass die Unachtsamkeit einer einzigen Person ihre gesamte Praxis außer Gefecht setzen könnte, das hätte Kornelia Hauswald nicht für möglich gehalten. Dem Patienten, der zwar von seiner Krankheit wusste, diese aber nicht mitteilte, gab die Ärztin bei einem Gespräch am Dienstag eine unmissverständliche Botschaft mit auf den Weg: „Dieses fahrlässige Verhalten hat meine Mitarbeiter, meinen Mann und mich gefährdet.“ Eindringlich ging sie auf den begangenen Fehler ein: Wer sich in Quarantäne befindet, der dürfe sich nicht einfach in das Wartezimmer einer Arztpraxis setzen und eine Ansteckung anderer Personen riskieren. Aus gutem Grund stellen die Mitarbeiterinnen beim telefonischen Erstkontakt gezielte Frage zum Gesundheitszustand der Patienten und bitten um wahrheitsgemäße Beantwortung. Bei Bedarf könne eine Testung im Hinterhof, nicht aber in den Praxisräumen erfolgen.

Dafür seien die Folgen umso bemerkenswerter: „Ich bin nicht mehr so fit wie vorher“, beschreibt die Herscheiderin. An ausgedehnte Radtouren, die für sie vor Corona kein Problem darstellten, sei jetzt nicht zu denken. Schon das Treppensteigen von der Praxis hinauf in die eigene Wohnung im Dachgeschoss sei ermüdend und anstrengend.

Froh sei sie, dass sie sich auf ihr engagiertes Team verlassen könne. Die verbliebenen gesunden Mitarbeiter sorgten dafür, dass Patienten, die regelmäßig Medikamente benötigen, telefonisch Rezepte bestellen und diese in der Praxis abholen konnten. Notwendige Absprachen mit ihren Kolleginnen erfolgten zum Teil per Video-Konferenz. In diesem Zusammenhang lobt Kornelia Hauswald auch die gute Zusammenarbeit mit der Apotheke.

Hilfsbereite Familie und Freunde

Zudem sei sie glücklich, dass ihr Sohn und dessen Frau (beide Mediziner) dreimal in Herscheid waren, um Sprechstunden zu ermöglichen und die Impfaktion weiterzuführen. „Das lief richtig gut“, betont die Kinderärztin. In der Gemeinschaft habe man dazu beigetragen, den Patienten bei den wichtigsten Anliegen zu helfen und die umliegenden Arztpraxen nicht zu überfrachten.

Ebenso wichtig, in privater Hinsicht, sei für sie in dieser schwierigen Phase ihr „wunderbarer Freundeskreis“ gewesen. Wie hätte sie ohne diesen die Pflege ihrer Eltern und die Versorgung der drei Hunde sicherstellen können? „Das wäre sehr schwierig geworden“, sagt Kornelia Hauswald, hörbar ergriffen.

Wann Michael Hauswald genesen ist und wieder seiner Tätigkeit nachgehen kann, ist noch nicht absehbar. In Absprache mit der Kassenärztlichen Vereinigung ist es Kornelia Hauswald gelungen, tatkräftige Unterstützung für die Gemeinschaftspraxis zu finden. Ein Arzt aus dem Raum Hagen unterbricht seinen Ruhestand, um die Vertretung in Herscheid zu übernehmen und den Praxisbetrieb sicherzustellen.

Auch Kornelia Hauswald will sich dem Alltag widmen: Sie freut sich zwar auf die Abwechslung, die der Beruf und der Kontakt zu den Patienten mit sich bringt. Die durch die Infizierung des Teams ausgelöste Unsicherheit kann sie jedoch nicht verschweigen: „Die Sorge um meinen Mann habe ich stets im Hinterkopf, aber ich werde versuchen, diese auszublenden.“

Mehr über die Praxis-Quarantäne lesen Sie hier.

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