Protest am 8. April

Motorradfahrer demonstrieren gegen Nordhelle-Sperrung

Die Mitarbeiter des Landesbetrieb Straßen NRW montierten am Dienstag die entsprechenden Schilder, die es Motorradfahrern verbieten, ab dem 1. April die L 707 von Reblin zur Nordhelle zu befahren.

Herscheid - Der Bund der Motorradfahrer ruft zum Protest auf. Bei schönem Wetter werden für den 8. April über 500 Teilnehmer erwartet.

Die Straßenschilder sind seit Dienstag montiert. Ab kommenden Sonntag, 1. April, wird die Landstraße 707 zwischen Reblin und der Nordhelle für Motorradfahrer gesperrt. Doch es kündigt sich massiver Widerstand an.

Der Bund der Motorradfahrer beschreitet nicht nur den Weg der gerichtlichen Klage, sondern ruft auch zu einer Demonstration an der Nordhelle auf. Am Sonntag, 8. April, wird die jährliche Tour des Bundes – das „bergische Anlassen“ – in die Ebbegemeinde führen. „Ich kann schwer abschätzen, wie viele Motorradfahrer dabei sein werden“, sagt Mit-Organisator Michael Wilczynski. „Wenn das Wetter gut ist, dürften es über 500 Teilnehmer werden, wenn es regnet, rechne ich mit 200 bis 250 Teilnehmern.“

So oder so werden also zahlreiche Motorradfahrer ihren friedlichen Protest gegen die Streckensperrung ausdrücken. Die Kolonne – bei 500 Teilnehmern rund sechs Kilometer lang – wird von der Polizei begleitet und zusätzlich von 50 bis 80 Ordnern des Bundes der Motorradfahrer organisiert und zusammengehalten. „Eigentlich wollten wir auch über die Nordhelle fahren“, berichtet Michael Wilczynski, „wir wollen zwar Aufmerksamkeit erregen, aber die Anwohner und Fußgänger nicht unnötig provozieren“, begründet der Organisator, warum die Streckenführung nun von Meinerzhagen über Neuemühle und entlang der Versetalsperre durch Herscheid nach Reblin führt. Dort biegt die Kolonne auf die Nordhelle-Landstraße 707 ab, an der an einem Wanderparkplatz am Fuß des Berges die Abschlusskundgebung stattfindet. Erwartet werden die Demonstrations-Teilnehmer hier etwa zwischen 13.30 und 14.00 Uhr.

„Gerne können sich unterwegs auch noch Motorradfahrer anschließen“, sagt Michael Wilczynski, der Verständnis dafür hat, dass Biker aus der Region nicht zum Programmbeginn des „Bergischen Anlassens“ um 10 Uhr in Lindlar kommen wollen oder können, aber trotzdem an der Demonstration teilnehmen wollen.

Der Bund der Motorradfahrer verspricht sich von dem Protest, der zu jeder Zeit sicher und friedlich ablaufen soll, ein klarer Zeichen gegen die Sperrung der Nordhelle. Michael Wilczynski geht aber noch einen Schritt weiter. Er, der Experte für Streckensperrungen im Bund, hat bereits in Absprache mit einem Anwalt eine Klage vorbereitet, die er pünktlich mit dem Beginn der Sperrung am kommenden Sonntag, 1. April, als Eilantrag beim Arnsberger Verwaltungsgericht einreichen wird. Seine Erfahrung mit solchen Fällen veranlasst ihn zum Optimismus: „Es dürfte nicht lange dauern, bis wir die Strecke wieder frei haben. Davon gehe ich ganz stark aus.“ Denn seiner Ansicht nach habe sich die Situation dank der Schwellen in der Mitte der Fahrbahn deutlich verbessert.

Womöglich könnten Motorradfahrer so noch in diesem Sommer wieder über die Nordhelle fahren. Rund einen Monat, nachdem die Klage eingereicht worden ist, wird das Gericht laut Michael Wilczynski zu einer einstweiligen Anordnung kommen, die entweder die Streckensperrung bestätigt oder sie anzweifelt – ein erster Fingerzeig, in welche Richtung auch das endgültige Urteil gehen dürfte. Sollte die Sperrung vom Gericht in der einstweiligen Anordnung angezweifelt werden, dann gehen laut Wilczynski viele Kommunen dazu über, die Straßen wieder zu öffnen, um nachfolgende Klagen einzelner Motorradfahrer zu vermeiden.

Lesen Sie hier alles zur Sperrung der L707

Für das Urteil selbst benötige das Gericht erfahrungsgemäß rund zweieinhalb Jahre. Auf diesem Weg hat der Bund der Motorradfahrer bereits Straßensperrungen der L 87 in Bramsche oder der L 84 in Bad Essen (beides in Ostwestfalen) verhindern können. Auch in Sundern hat der Bund vor wenigen Jahren gegen die Sperrung des „Ochsenkopf“ protestiert und geklagt – hier zunächst ohne Erfolg, „weil die Sperrung schon lange Bestand hatte“, sagt Michael Wilczynski. „Wenn die Sperrung wie jetzt in Herscheid noch ganz frisch ist, dann kann man eher noch etwas bewegen.“ Wobei der Motorradbund aber auch in guten Gesprächen sei, um die Situation am „Ochsenkopf“ für Motorradfahrer zu verbessern.

In der Herscheider Gemeindeverwaltung blicken die Verantwortlichen mit Spannung auf die Demonstration und die Klage. „Wir haben da keine Bauchschmerzen“, betont die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Plate-Ernst in Vertretung für Bürgermeister Uwe Schmalenbach, der im Urlaub weilt. „Wir haben schon öfter mit dem Bund der Motorradfahrer zusammengesessen und das waren immer sehr sachliche Gespräche.“ Sie rechne daher auch nicht damit, dass es zu Krawallen oder Ausschreitungen bei der Demonstration komme.

Der angekündigten Klage schaut Sabine Plate-Ernst entspannt entgegen, zumal sich die Verhandlung nicht gegen die Gemeinde Herscheid, sondern gegen den Märkischen Kreis richtet, der die Sperrung beschlossen hat. „Wenn es wirklich so große Aussichten auf Erfolg geben würde, dann wäre die Sperrung gar nicht erst ausgesprochen worden“, ist Sabine Plate-Ernst überzeugt und erinnert an den langen Weg bis zu dieser Entscheidung. „Es war das letzte Mittel, nachdem sich die Stimmung immer weiter verschlechtert hat. Ich gehe deshalb nicht davon aus, dass diese Klage Erfolg haben wird.“

Zur Info:

Eine Umfrage der Facebook-Seite „Blitzer im Märkischen Kreis“ hat ergeben, dass Befürworter und Gegner der Streckensperrung für Motorradfahrer fast gleichauf liegen. Von den 1 267 Teilnehmern der Umfrage haben auf die Frage „Findest du diese Sperrung sinnvoll?“ 43 Prozent mit Ja geantwortet und 57 Prozent mit Nein.

„Da haben wieder ein paar übertrieben und alle müssen leiden. Mit Gerechtigkeit hat das rein gar nichts zu tun. Die Nordhelle ist die Hauptverbindung zwischen Herscheid und Meinerzhagen und die sperrt man mal eben für alle Zweiräder, nur weil man angeblich keine Kapazitäten für effektive Kontrollen hat. Die Autos fahren oftmals auch wie die bekloppten und sind stellenweise auch lauter, aber das interessiert niemanden“, lautete ein Kommentar, der die meisten „Gefällt mit“-Angaben der Nutzer erhalten hat. K Viele Nutzer sind sich darüber hinaus einig: „Das Problem wird damit leider nicht gelöst, sondern nur verlagert.“

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