Rollender Protestzug

Motorradfahrer-Demo an der Nordhelle - Was Herscheid am Sonntag erwartet

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Im Rahmen des „bergischen Anlassens“ organisiert der Bund der Motorradfahrer jährlich eine Demonstrations-Tour zu einer gesperrten Strecke. Für die Fahrt nach Herscheid rechnen die Organisatoren mit einer neuen Rekord-Teilnehmerzahl.

Herscheid - Alle Augen richten sich am kommenden Sonntag auf die angekündigte Demonstration gegen die Motorrad-Sperrung der Nordhelle. Über Monate hat der Bund der Motorradfahrer diesen Protestzug vorbereitet. Und trotzdem: Was die Gemeinde Herscheid morgen erwartet, lässt sich im Detail schwer vorhersagen.

Wenn es zum Beispiel um die Zahl der Demonstranten geht, kann Organisator Michael Wilczynski nur Schätzungen abgeben, weil es für die Teilnahme keiner Anmeldung bedarf. „Ich rechne mit 500 oder eher noch mehr Teilnehmern“, sagt der Fachmann für Streckensperrungen im Bund der Motorradfahrer. Zu dieser Prognose kommt Michael Wilczynski einerseits durch seine Erfahrungswerte der jährlich stattfindenden Demonstrationsfahrten und andererseits wegen der sonnigen Wetterprognose.

Hinzu kommt noch die Brisanz des Themas. Die Sperrung der Nordhelle erhitzt die Gemüter, nicht nur in der Gemeinde Herscheid, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen. Entsprechend rechnet der Bund der Motorradfahrer damit, dass sich auf der Strecke von Lindlar nach Herscheid viele Fahrer unterwegs anschließen werden. „Ich weiß zum Beispiel, dass sich am Obi-Markt in Meinerzhagen einige Motorradfahrer treffen und sich uns anschließen“, berichtet Michael Wilczynski. Egal, an welchem Ort und ob einzeln oder in der Gruppe – wer sich unterwegs anschließen möchte, ist herzlich eingeladen.

Derart viele Motorradfahrer in einer Kolonne wirken sich natürlich auch auf den fließenden Verkehr aus. Kreuzungen oder Kreisverkehre, die der Demonstrationszug passiert, werden vorübergehend gesperrt. Dafür sorgen die Polizei und Ordner des Motorradfahrer-Bundes. Sie werden zum Beispiel in Herscheid den Verkehr stoppen, wenn gegen 13.30 Uhr die Fahrt durch den Ebbekreisel ansteht. „Das kann dann schon mal eine halbe Stunde dauern“, sagt Michael Wilczynski.

Die Strecke führt die Kolonne vom bergischen Lindlar, wo um 10 Uhr der Start mit einem Frühstück erfolgt und von wo aus sich der Tross gegen 12.15 Uhr auf den Weg machen will, über Meinerzhagen nach Neuemühle und vorbei an der Versetalsperre auf die L 561 und weiter über den Silberg. Um nicht unnötig zu provozieren, verzichtet der Bund der Motorradfahrer, die Strecke über die Nordhelle zu fahren, dafür geht es in Herscheid am Netto-Markt vorbei in den Kreisverkehr und von dort über die Valberter Straße nach Reblin. „Wir fahren bewusst durch Herscheid, weil wir natürlich auch Aufsehen erregen wollen“, erklärt Wilczynski.

Endstation der Fahrt ist der Wanderparkplatz unweit des Jagdhaus Weber am Fuß der Nordhelle. Die exakte Ankunftszeit ist schwer vorherzusagen, wahrscheinlich zwischen 13.30 und 14.00 Uhr. Für den Wanderparkplatz haben die Organisatoren einen Toilettenwagen geordert, ebenso ist für einen Pommeswagen und kalte Getränke gesorgt. Sobald die letzten Teilnehmer ihre Fahrzeuge abgestellt haben, beginnt eine Kundgebung, für die drei Redner vorgesehen sind. Streckensperrungs-Experte Wilczynski will ebenso das Wort ergreifen wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Thews (oder die Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier aus Hagen) und der Lindlarer CDU-Abgeordnete Gerd Werner.

Eingeladen ist darüber hinaus NRW-Innenminister Herbert Reul, doch von ihm habe der Bund der Motorradfahrer bis dato noch keine Antwort erhalten. Die Bürgermeister, Verwaltungen und Ratsvertreter aus Herscheid und Meinerzhagen sowie Vertreter des Märkischen Kreises sind ebenfalls eingeladen worden. „Jeder, der sich für das Thema interessiert, kann zur Kundgebung kommen“, wendet sich Wilczynski auch an alle Bürger der betroffenen Gebiete.

Die Kundgebung wird etwa eine Stunde dauern, danach ist Schluss. Die Motorradfahrer werden sich aufteilen und den Heimweg antreten – „wohlgemerkt wird es von uns extra den Hinweis geben, dass niemand über die gesperrte Nordhelle fährt“, betont Michael Wilczynski. Ob sich alle daran halten, kann er nur hoffen, aber von einem ist der Organisator überzeugt: „Die Demonstration wird definitiv friedlich ablaufen.“

Zur Info: 

Im Oktober sind die Planungen für das „bergische Anlassen“ angelaufen, das der Bund der Motorradfahrer (BVDM) jährlich organisiert und mit einer Demonstrationsfahrt in einen ausgewählten Ort verbindet. Eigentlich hatten sich die Organisatoren für dieses Jahr als Ziel die Stadt Wermelskirchen ausgeguckt, in der Motorradlärm ein Problem ist. Als dann Ende Januar vom Märkischen Kreis entschieden worden ist, die Nordhelle für Motorradfahrer zu sperren, änderte der BVDM seinen Plan. Zu Recht wie Organisator Michael Wilczynski sagt: „Wir blicken sehr erwartungsvoll auf die Demonstration, weil die Nordhelle aktuell ein ganz heißes Eisen ist.“ Er rechnet sogar mit einem neuen Teilnehmerrekord. Dieser liegt bei 500 Beteiligten, die vor zwei Jahren bei einer Demonstration in Sundern gegen die Sperrung des „Ochsenkopf“ zwischen Sundern und Arnsberg zusammengekommen sind.

Alles, was zwei Räder und einen Motor hat, ist bei den Demonstrationsfahrten erfahrungsgemäß vertreten. Angefangen von Gruppen, die auf Motorrollern unterwegs sind, über 125er-Maschinen bis hin zu den Supersportlern oder Harley-Davidson-Fahrern. Auch Passanten sind herzlich eingeladen – nicht für die Fahrt, aber zur Kundgebung an der Nordhelle.

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