Eisenbahn im Mini-Format

Modellbahnen ziehen beim Fahrtag der MME zahlreiche Besucher in ihren Bann

+
Die Kastenlok Plettenberg und die Dampflok Bieberlies waren am Wochenende anlässlich des MME-Fahrtags im Einsatz. Auch am morgigen Dienstag besteht ab 11 Uhr die Möglichkeit, mit den Loks zu fahren.  

Herscheid - Am Bahnhof der Sauerländer Kleinbahn war am Wochenende nicht nur auf dem Gelände Bahnbetrieb, sondern auch im Lokschuppen. Modellbahn-Aussteller von Nah und Fern zeigten ihre großen und kleinen Anlagen in den Maßstäben von Spur Z bis zur Spur II.

Ansgar Meyring aus Dortmund vom DoWi-Modellbahnteam baut größtenteils in Spur N (Spurweite 9 mm, Maßstab 1:160) und hat sich damit auf kleinere Anlagen spezialisiert, die gut transportabel sind und einzelne Themen darstellen. An den Dampf- und Modellbahntagen stellte er zwei Modelle aus. Ein Hingucker war eine „Restekiste“ von 2014, die nur aus Resten entstanden ist. Der Gleisumpfang entspricht dem eines Starterpaketes. Mit etwas Phantasie kann man damit beginnen und erweitern. Ein Weihnachtsdorf umgeben von einer Winterlandschaft ist das zweite Modell. 

Dieses sollte ursprünglich zu Weihnachten für einen Freund aus Lüdenscheid gebaut werden, aber das Modell erschien am Ende doch etwas zu groß geraten. Zu Ehren des Freundes mit dem Nachnamen Winkel wurde das kleine Weihnachtsdorf Winkelscheid benannt und um einige Bauten erweitert. „Ich habe mir Anregungen aus Rothenburg geholt, wo ich vorher im Sommer im Urlaub gewesen bin“, erzählt der begeisterte Modelleisenbahnfan. Fachwerkhäuser säumen die Bahnstrecke und im Zentrum befindet sich ein Weihnachtmarkt mit Ständen und einem Weihnachtsbaum. 

„Mich hat die Eisenbahn schon von klein auf fasziniert. Ich hatte eine Holzeisenbahn und eine Lego-Eisenbahn. Für eine Modelleisenbahn hatten meine Eltern kein Geld. Die habe ich mir von meinem allerersten selbstverdienten Feriengeld mit 15 oder 16 Jahren zugelegt“, so Ansgar Meyring, der sein Hobby im Laufe der Jahre kontinuierlich weiter ausbaute. Anregungen zur Eisenbahn kamen während der Familienfeiern, wenn der Onkel zu Besuch kam und seinem Neffen mit Begeisterung die Züge am Bahnsteig zeigte. 

Die Leidenschaft zur Eisenbahn ist bis heute geblieben. „Wenn man sich ansieht, wie ein langer Zug sich in die Kurve legt. Ich finde das immer so ästhetisch, einfach das auch zu sehen“, schwärmt Ansgar Meyring. 

Eine Landschaft, die an der 50er Jahre erinnert

Ein weiterer Hingucker war das Modell „4-Jahrezeiten“ von Egbert Schnütgen aus Wuppertal vom Verein cmt. 

Hier zeigten sich in vier N-Segmenten alle Jahreszeiten in prächtigen Farben. Das Besondere daran ist, dass die Landschaft zum Großteil aus Naturmaterialien besteht. Egbert Schnütgen kam auf die Idee, aus Pflanzen die Landschaft zu gestalten und legt dabei großen Wert auf Harmonie. Rosenblüten getrocknet, gemahlen und gemischt lassen einen bunten Herbstwald entstehen. Einfache Sträucher, die in der Natur wachsen, werden mit Fensterdekorationsspray besprüht und so entsteht eine Winterlandschaft. Der Fluss besteht aus Epoxid-Harz, das eingegossen wird und nach Aushärtung ein klares Flussbett zum Vorschein bringt. Eine Eisenbahnbrücke besteht aus der Umrandung einer Torten-Verpackung. 

Zwischen den Segmenten gibt es einen farblich leichten Übergang zur nächsten Jahreszeit. Rehe und Hirsche stehen in den Wäldern, Kühe auf der Wiese und Waldarbeiter mit Pferdefuhrwerken laden Holz auf. Am Bahnhof unterhalten sich die Fahrgäste, die Post verteilt Briefe und Elektriker reparieren eine Straßenlaterne. Anhand der Fahrzeuge auf den Straßen lässt sich erahnen, um welche Zeit es sich handelt, ungefähr 50er oder 60er Jahre. Polizeistreifenwagen fahren noch mit dem VW Käfer. 

Man kann natürlich auch modernere Züge fahren lassen, da die Landschaft zeitlos ist. Aber auch im Modell gibt es nicht immer eine heile Landschaft. So zeigt sich ein Erdrutsch, der die Bahnstrecke behindert. „Mit etwas Geschick kann man so etwas selber machen“, erzählt Egbert Schnütgen, der die Landschaften in filigraner Arbeit entstehen lässt. Die Basis für solch eine Anlage ist die Landschaft, im Anschluss folgen die Bahnstrecke und Gebäude. Nach diesem System baut der Eisenbahnfan seine Modellanlagen. 

Die Fertigstellung des Modells „4-Jahreszeiten“ dauerte zehn Jahre. In der Freizeit wurde diese Anlage in der kleinen Hobbywerkstatt Stück für Stück und in feinster Kleinarbeit aufgebaut. „Ich war fünf oder sechs Jahre alt im Krieg, da hat mein Onkel mir eine Bahn zum Aufziehen mitgebracht. Damit hat das eigentlich angefangen. Später, als ich Familie und Kinder hatte, da haben wir eine Bahn ein bis zweimal im Jahr auf dem Teppich aufgebaut. Dann habe ich angefangen, feste Anlagen zu bauen, auch Klappanlagen“, erzählt Edgar Schnütgen über den Beginn seiner Leidenschaft. Die Lok Plettenberg durfte nicht fehlen. Sie war auf einer der Anlagen zwischen der Vielzahl von Lokomotiven zu finden. 

Die Eisenbahnfreunde Witten zeigten historische Viadukte, wie den Klausgraben und den Reithmauersattel von einem Streckenabschnitt der legendären Mariazellerbahn in Österreich. Eine Rollwagenanlage nach Motiven der Plettenberger Kleinbahn und der Hohenlimburger Kleinbahn (Sauerländer Kleinbahnmodule im Maßstab 1:22,5) war eines der größten ausgestellten Modelle im Lokschuppen. Weitere Aussteller waren EMFS - Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Siebengebirge und der Modelleisenbahnclub Halver. 

Während im Lokschuppen alle Modellanlagen genau unter die Lupe genommen wurden, herrschte zwischen dem Bahnhof Hüinghausen und dem Köbbinghauser Hammer reger Bahnbetrieb. Kastendampflok Plettenberg und Dampflok Bieberlies machten sich teilweise gemeinsam auf die Fahrt. Während die Bieberlies am Haltepunkt Seissenschmidt Waggons rangierte, ging es für die Plettenberg weiter zum Köbbinghauser Hammer. 

Gemeinsam kehrten sie dann wieder zum Bahnhof Hüinghausen zurück. 

Morgen letzte Chance für die Plettenberg 

Trotz des zeitweise wechselhaften Wetters am Wochenende waren der Biergarten und das Bahnhofs-Café geöffnet. Die Eisenbahnfreunde Witten boten Reibeplätzchen im Lokschuppen an. Das lange Dampf- und Modellbahn-Wochenende ist noch nicht vorbei. 

Am morgigen Dienstag bietet die MME (Märkische Museumseisenbahn) noch einmal die Gelegenheit, die Kastendampflok Plettenberg zu sehen und mit ihr zu fahren, bevor sie wieder zurück zum Deutschen Eisenbahnverein nach Bruchhausen-Vilsen geht. Die alte Dame feiert 90. Geburtstag in ihrer alten Heimat und wird im Mittelpunkt stehen. Dank der fleißigen Museumsbahner wird dieser runde Geburtstag kein „Dinner for One“, sondern ein Dampfspektakel. Gleichzeitig endet die Fahrsaison 2017.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare