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„Auf dem richtigen Weg“: Mobil Sorglos trägt sich aber noch nicht selbst

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Von: Dirk Grein

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Sie hoffen, dass das Projekt Mobil Sorglos weiter an Fahrt aufnimmt (von links): Rathaus-Mitarbeiterin Meryem Yilmaz, die Projektkoordinatorin Dr. Vera Gerling und Fahrer Eberhard Kaufmann.
Sie hoffen, dass das Projekt Mobil Sorglos weiter an Fahrt aufnimmt (von links): Rathaus-Mitarbeiterin Meryem Yilmaz, die Projektkoordinatorin Dr. Vera Gerling und Fahrer Eberhard Kaufmann. © Hochstein/Gemeinde Herscheid

Das Projekt gilt deutschlandweit als einzigartig: Eine Kombination aus Lieferservice und Tele-Medizin gibt es bislang nur in den Nachbarkommunen Herscheid und Plettenberg. Mit großem überregionalen Interesse ist Ende März mit dem Mobil Sorglos B der zweite Projektteil in Betrieb genommen worden. Wie fällt das Zwischenfazit nach fast einem halben Jahr aus?

Herscheid - Wer sich einen Auftakt mit Vollgas erhofft hatte, der wurde zunächst enttäuscht. Als der Lieferservice (Mobil Sorglos A) im April 2021 an den Start ging, blieb die Resonanz überschaubar. Hauptsächlich nutzten Personen aus Herscheid das Angebot, Lebensmittel oder Dinge des täglichen Bedarfs telefonisch oder im Internet zu bestellen, um diese kurz darauf von einem Lieferservice gebracht daheim in Empfang nehmen zu können.

Inzwischen sei der Kundenstamm gewachsen, berichtet Meryem Yilmaz aus dem Herscheider Rathaus. Sie nennt ein Beispiel: Zuletzt konnte mit dem Rewe-Markt aus Plettenberg ein neuer Partner gewonnen werden, wodurch sich die Zahl der Partner auf insgesamt 13 erhöht hat. Dies habe sogleich dafür gesorgt, dass auch aus der Nachbarstadt mehr Bestellungen eingehen und sich Kunden anmelden.

„Noch sind wir nicht an einem Punkt angekommen, an dem sich das Projekt selbst trägt, daher bemühen wir uns weiter darum, zusätzliche Kunden zu gewinnen“, sagt Meryem Yilmaz. Daher betreiben sie und ihre Mitstreiter intensive Aufklärungsarbeit: Sie stellen das Projekt bei stationären Pflegediensten und Selbsthilfegruppen vor, verteilen Infoblätter, suchen das Gespräch mit potenziellen Nutzern.

Denn für das Mobil A gibt es eine klare zeitliche Richtlinie: Die einjährige Testphase, in der Fördermittel für den Betrieb fließen, ist – unter anderem wegen Corona – bereits um drei Monate verlängert worden. Doch Ende des Jahres läuft sie endgültig aus. Spätestens dann muss eine Entscheidung getroffen werden, ob und wie der Lieferservice fortgesetzt wird.

Die Testphase für das Mobil Sorglos B läuft hingegen erst Ende März 2023 aus. Dies hat den einfachen Grund, dass das umgebaute Wohnmobil, in dem Video-Sprechstunden mit Medizinern angeboten werden, erst im April zur Premierenfahrt aufgebrochen ist. „Seither hat die Nutzung zugenommen“, schildert Meryem Yilmaz eine erfreuliche Entwicklung.

Besonders hebt sie einen Termin hervor, bei dem ein immobiler Patient nicht den Weg in das Fahrzeug zurücklegen konnte. Deshalb habe Fahrer Eberhard Kaufmann die Technik aus dem Mobil mit ins Wohnzimmer der Person gebracht, wo die Sprechstunde über einen Laptop stattfinden konnte. Diese Flexibilität sei eine Stärke des Projektes, sagt Yilmaz.

Andererseits gesteht sie aber auch, dass bislang auf Seiten der Projektpartner noch viel Luft nach oben sei. Denn lediglich Martin Boncek, Plettenberger Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, nimmt die Videosprechstunde in Anspruch – das aber sehr rege. Andere Ärzte und Apotheken hätten zwar generelles Interesse signalisiert, sich aber noch nicht weiter eingebracht. Daher steht den Projektbeteiligten auch in dieser Hinsicht noch jede Menge Öffentlichkeitsarbeit bevor.

„Der nächste Schritt wird sein, die Pflegeberatung des Kreises ergänzend zu den Terminen im Rathaus auch im Mobil anzubieten“, erklärt Meryem Yilmaz. Sie möchte zudem Gespräche mit dem Hausarztzentrum Plettenberg führen, in der Hoffnung, dort weitere Projektpartner gewinnen zu können.

Auch bei der Variante B sei es das erklärte Ziel, den Betrieb in eine Regelversorgung überführen zu können. „Dafür brauchen wir einen langen Atem“, sagt Meryem Yilmaz. Diese Worte habe ihr Dr. Melanie Herget, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Kassel, mit auf den Weg gegeben. Sie hatte im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft das Projekt in Herscheid unter die Lupe genommen und zeigte sich durchaus angetan.

Auch die Rathausmitarbeiterin gibt sich zuversichtlich: Der Kundenstamm sei nicht nur ausgebaut worden. Die Personen, die sich für eine Teilnahme entschieden haben, sind auch stets dabei geblieben. Dass unterstreiche den Bedarf.

Die Projektbeteiligten hoffen nun, dass der weitere Ausbau rechtzeitig vor Ablauf der Testphase erfolgt. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Meryem Yilmaz.

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