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Arztsprechstunde daheim: Mobil Sorglos gibt Wohnmobil auf

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Von: Dirk Grein

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Im April 2022 begleiteten (von links) die Planerinnen Meryem Yilmaz und Dr. Vera Gerling sowie Fahrer Eberhard Kaufmann die erste Videosprechstunde im Mobil Sorglos B. Die Resonanz hinkt seither den Erwartungen hinterher. Deshalb wird der bis Mai laufende Mietvertrag für das umgebaute Wohnmobil nicht verlängert. archi
Im April 2022 begleiteten (von links) die Planerinnen Meryem Yilmaz und Dr. Vera Gerling sowie Fahrer Eberhard Kaufmann die erste Videosprechstunde im Mobil Sorglos B. Die Resonanz hinkt seither den Erwartungen hinterher. Deshalb wird der bis Mai laufende Mietvertrag für das umgebaute Wohnmobil nicht verlängert. archi © grein

Die Resonanz ist schwankend, die Förderphase läuft in fünf Monaten aus: Wie geht es weiter mit dem Mobil Sorglos? „Wir bleiben weiter auf den Straßen“, hat Meryem Yilmaz, die das interkommunale Projekt der Nachbarkommunen Herscheid und Plettenberg im heimischen Rathaus federführend betreut, die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Jedoch ist aufgrund der bisherigen Erfahrungen eine Veränderung vorgesehen und notwendig.

Herscheid - Das Mobil B ging im April 2022 an den Start und fand überregional Beachtung; Die Möglichkeit, vor der eigenen Haustür in einem umgebauten Wohnmobil Videosprechstunden mit Ärzten zu führen, gilt im heimischen Bereich als neuartig. Doch die Resonanz hinke den Erwartungen hinterher. „Der Zuspruch ist noch nicht so groß, wie erhofft“, gibt Meryem Yilmaz zu verstehen.

Überfüllten Arztpraxen fehlen die Kapazitäten

Bisher sei das Angebot insgesamt 47 Mal in Anspruch genommen worden. Hauptsächlich ist es Martin Boncek, Plettenberger Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der mit sieben seiner Patienten (sechs aus Plettenberg, einer aus Herscheid) via Tablet in Kontakt tritt. Auch die Pflegeberatung des Märkischen Kreises habe das Mobil bereits genutzt.

Projektkoordinatorin Dr. Vera Gerling stehe im engen Kontakt mit weiteren heimischen Ärzten, um sie für eine Teilnahme zu begeistern. Diese zeigen auch durchaus Interesse und befürworten die Idee des Mobils. Jedoch scheiterte die Beteiligung bislang an organisatorischen Problemen: Die Praxen seien zum Teil derart überlaufen, dass die Videosprechstunde schlichtweg aus Zeitgründen nicht in den Alltag eingebaut werden könne, erklärt Meryem Yilmaz. Auch gebe es teilweise Bedenken wegen der technischen Anforderungen – Stichwort Internetanbindung in den Praxen.

Auch Lieferdienst trägt sich noch nicht selbst

Besser werde das Mobil A angenommen: Dahinter verbirgt sich ein Lieferdienst. Gut 20 Kunden (davon zehn regelmäßig) bestellen Lebensmittel oder Dinge des täglichen Bedarfs bei teilnehmenden Geschäften. Aber auch für diesen Bereich gilt: „Das Projekt trägt sich noch nicht selbst“, erzählt Meryem Yilmaz und nennt einen der wesentlichen Gründe: Potenzielle Nutzer steigen erst dann ein, wenn Hilfsangebote von Nachbarn oder Familie nicht mehr funktionieren.

Bislang sechs Anbieter aus Herscheid – wird der Rewe-Markt die Nummer sieben?

Aufwind hat dem Lieferdienst des Mobils Sorglos die Beteiligung des Plettenberger Rewe-Marktes gebracht. Dadurch seien einige neue Besteller hinzugekommen, erzählt Meryem Yilmaz. Die Projektkoordinatoren hoffen nun darauf, auch den Rewe Herscheid für eine Teilnahme gewinnen zu können. Dieser bietet seit einigen Wochen – genau wie der Markt in Plettenberg – einen Abholservice an. „Wir warten noch auf eine Entscheidung aus Herscheid“, sagt Meryem Yilmaz. Kommt es zu einer Kooperation, würde der Lieferdienst von sieben Herscheider Projektpartnern unterstützt. Bislang sind aus der Ebbegemeinde mit dabei: das Bistro des CMS-Seniorenzentrums, der Dorfladen Hüinghausen, die Gärtnerei Dahlmeier, Hundebedarf Huxus, die Apotheke Neuer Weg und das Schuhhaus Schöttler. Aus Plettenberg beteiligen sich zudem sieben Anbieter an dem Lieferdienst. Weitere Informationen rund um die Entstehung und die Umsetzung dieses Projektes sind im Internet zusammengefasst auf der Seite www.mobilsorglos.de.

Mit dem 30. Juni nähert sich ein entscheidendes Datum für das Projekt: Bis zu diesem Tag wird es durch Fördermittel des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt. Danach soll es sich selbst finanzieren – dafür reichen die bisherigen Nutzerzahlen allerdings nicht aus. Die zweite Jahreshälfte wollen die beiden Nachbarkommunen aus eigenen Mitteln bestreiten.

Die Stadt Plettenberg übernehme zwei Drittel der Kosten, die Gemeinde Herscheid das verbleibende Drittel. Weil die Sparkasse Märkischer Kreis das Projekt mit einer Spende unterstützt, falle der Eigenanteil der Gemeinde mit 2500 Euro moderat aus, sagt Meryem Yilmaz.

Videosprechstunde demnächst daheim

Um die Kosten gering zu halten, haben sich die Projektbeteiligten auf eine Veränderung verständigt: Ab dem Sommer wollen sie nur noch eins von bisher zwei Fahrzeugen nutzen. Der Transportwagen des Lieferdienstes soll dann auch für die Videoberatung genutzt werden. Die notwendige Technik für die Arztgespräche bringen die Fahrer in diesem Wagen zu den Patienten nach Hause. Dort bereiten sie die Videosprechstunde vor, verlassen bei dieser aber die Räumlichkeiten, sodass die Gespräche im vertraulichen Rahmen stattfinden können.

Den bisher genutzten umgebauten Wohnwagen benötige es für dieses Vorhaben nicht zwingend. Das Fahrzeug ist bis Mai gemietet, danach „geben wir es wieder ab“, erklärt Meryem Yilmaz. Doch auch mit einem Fahrzeug hofft sie, dass das Mobil Sorglos vor Ort endlich weiter Fahrt aufnehmen kann.

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