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Mit Waffengewalt mehrere Geschäfte überfallen: Räuber-Quartett muss sich vor Gericht verantworten

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Von: Christos Christogeros

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Am 3. Mai soll das jetzt vor Gericht stehende Quartett den Herscheider Netto-Markt an der Hohle Straße überfallen haben. Den vier Personen werden auch weitere Raubüberfälle in der Region vorgeworfen.
Am 3. Mai soll das jetzt vor Gericht stehende Quartett den Herscheider Netto-Markt an der Hohle Straße überfallen haben. Den vier Personen werden auch weitere Raubüberfälle in der Region vorgeworfen. © Archivfoto: Klümper

Am Donnerstag, 21. Oktober, beginnt der Prozess: Ein Iserlohner, zwei Werdohler und eine Neuenraderin werden sich wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Hagen verantworten müssen. Den 19- bis 25-Jährigen wird vorgeworfen, in der Zeit vom 21. April bis 6. Mai Einzelhandelsgeschäfte in Herscheid, Werdohl, Neuenrade, Balve, Meinerzhagen, Menden und Arnsberg überfallen zu haben.

Herscheid / Neuenrade - Die erste zur Last gelegte Tat fand am 21. April im Rewe-Getränkemarkt in Neunrade statt. Am 27. April sollen die Angeklagten den Getränkemarkt in Balve überfallen haben. Bereits am 22. April sollen sie einen Kiosk in Menden-Lendringsen und am 27. April den Netto-Markt in Werdohl heimgesucht haben. Weiterhin werden dem Quartett Überfälle auf die Netto-Märkte in Herscheid und Meinerzhagen (beide am 3. Mai) vorgeworfen. Sie sollen jeweils Beträge zwischen 125 und 2 282,04 Euro erbeutet haben.

Dabei soll der als Haupttäter geltende Iserlohner die Angestellten hinter der Kasse jeweils mit einer Schusswaffe bedroht haben, um Geld und Zigaretten zu erbeuten. Sein Komplize hatte im Eingangsbereich Schmiere gestanden.

Ein siebter Raubüberfall nach gleicher Masche am 6. Mai in Arnsberg wurde den Tätern zum Verhängnis, bei der Flucht wurden sie von der Polizei geschnappt. Auch hier hatten sie es auf einen Netto-Markt abgesehen. Lediglich in diesem Fall ist klar, wer die Täter waren. Als Haupttäter in allen Fällen gilt der 19-jährige Iserlohner. Bei dem Raub in Arnsberg waren alle vier von der Polizei festgenommen worden, die 30-jährige Neuenraderin hatte den Fluchtwagen gefahren.

Die Täter gingen nicht zimperlich mit ihren Opfern um. So wurden die Mitarbeiter der jeweiligen Geschäfte nicht nur mit einer PTB-Waffe bedroht – dabei handelt es sich um eine Pistole, die Reiz- oder andere Wirkstoffe, Platzpatronen oder pyrotechnische Ladungen verschießt, ohne dass dabei Geschosse durch einen Lauf getrieben werden.

Diese Strafe droht den mutmaßlichen Tätern

Das Gesetz sieht bei der Anwendung von Erwachsenenstrafrecht für besonders schwere räuberische Erpressung eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren bis zu 15 Jahren und für Beihilfe zur besonders schweren räuberischen Erpressung Freiheitsstrafen von zwei Jahren bis zu elf Jahren und drei Monaten vor. Bei der Anwendung von Jugendstrafrecht und der Verhängung von Jugendstrafe beträgt der gesetzliche Strafrahmen Jugendstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Angesetzt sind acht Verhandlungstage, ein Abschluss des Verfahrens wird für den 17. Dezember erwartet.

Beim Überfall auf den Herscheider Netto-Markt hatte der Haupttäter dem Kassierer mit der Faust ins Gesicht geschlagen, da dieser ihm nicht schnell genug die Beute aushändigen konnte. Es kam zu einer Rangelei, in deren Verlauf der Täter dem Kassierer mit dem Griff seiner Waffe auf den Kopf schlug. Beute konnte der Unbekannte zwar nicht machen, dennoch flüchtete er daraufhin aus dem Markt. Auf dem Parkplatz davor wartete eine zweite Person auf ihn, die anscheinend Schmiere gestanden hatte.

Nur 40 Minuten nach dem Überfall in Herscheid betrat einer der Täter den Netto-Markt an der Immecker Straße (unweit der Bundesstraße B 54) in Meinerzhagen. Auch dort bedrohte der Mann eine Kassiererin mit einer Schusswaffe und forderte Bargeld.

Weil es der Dame nicht gelang, die Kasse zu öffnen, lief der Täter unverrichteter Dinge aus dem Geschäft. Gemeinsam mit einer weiteren Person, die wiederum vor dem Eingang gestanden hatte, flüchtete er.

Die Polizei zog in beiden Fällen innerhalb kürzester Zeit Einsatzkräfte aus dem gesamten Kreisgebiet zusammen. Die Fahndungen endeten ergebnislos. An beiden Tatorten sicherte die Polizei Spuren.

Festnahme an Grenze zum Hochsauerland

Das Ende der Diebesserie wurde zwischen Beckum und Hövel geschrieben: Anfang Mai war Zivilfahndern der Polizei nach einem bewaffneten Überfall auf einen Discounter in Arnsberg-Herdringen im Rahmen einer Großfahndung kurz vor der Grenze zum HSK ein verdächtiges Auto mit vier Insassen aufgefallen. Auf zwei der Insassen, den 25-jährigen Werdohler und den 19-jährigen Iserlohner, passte die Beschreibung der Räuber, außerdem fand die Polizei im Wagen einen Teil der Beute und eine Schusswaffe.

„Nachdem die Kollegen das Fahrzeug angehalten hatten, haben sich die vier Insassen kooperativ verhalten und keinen Widerstand geleistet“, sagte Dietmar Boronowski, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis, seinerzeit auf Anfrage unserer Redaktion.

Aufgrund von Zeugenaussagen hatte die Polizei nach zwei männlichen Tätern gefahndet. Welche Rolle die beiden anderen Fahrzeuginsassen, ein 25-jähriger Werdohler und eine 30-jährige Neuenraderin, in der ganzen Angelegenheit spielen, auch das wird nun vor Gericht geklärt.

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