Comedy-Lesung mit Reiner Hänsch

„Mister Sauerland“ und die Absurditäten des normalen Lebens

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Nach seinem Auftritt nahm sich „Mr. Sauerland“ gerne noch Zeit, um mit seinen Zuschauern ins Gespräch zu kommen und Autogramme zu geben.

Herscheid - Als Kopf und Stimme der Band Zoff dürfte ihn in der heimischen Region nahezu jeder kennen. Und auf wen dies nicht zutrifft, der hat zumindest seine Musik und besonders seinen Kulthit „Sauerland“ schon mal mitgesungen.

Von Flensburg bis in die Skihütten der Zugspitze, auf Mallorca oder am Goldstrand grölen die Leute mittlerweile „Sauerland!“. Und damit ist Reiner Hänsch fast so etwas wie der Botschafter des grünen und bergigen Landes. Seit einigen Jahren ist er auch als Autor sowie Comedian aktiv und tourt durch Deutschland. Am Donnerstag machte er Station in Herscheid und präsentierte vor etwa 100 Besuchern sein neues Buch „Sauerland Live“. 

„Dann woll’n we mal“, mit diesem sauerländischen „Sprach-Klassiker“ startete der gebürtige Letmather seine Lesung auf der Bühne des restlos ausverkauften Bürgersaales. Im Gepäck hatte er frische Geschichten rund um die Familie Knippschild aus dem fiktiven Ort Leckede, deren Abenteuer das Publikum prächtig amüsierten. 

Direkt in der ersten Episode bekommt dabei eine alte Dame, die gerne Rezepte und Krankheiten googelt, die „Pimpernellen“ im Handyladen, weil das Internet seinen Dienst versagt und ihr „We-Lahn“ nicht mehr dort ist, wo es hingehört. Und ein Bummel auf dem Dortmunder Westenhellweg inklusive Hosenkauf wird zu einer kaum zu bewältigenden Herausforderung, weil es eine verzweifelte Suche nach einer Herrenjeans gibt, die Alex Knippschild ordentlich ins Schwitzen bringt.

Es sind die liebenswerte Ironie, der Sprachwitz und die Auswahl der Geschichten, die „Sauerland Live“ so lesenswert machen. So erfährt man vom Besuch in Herrn Kaisers Friseursalon „Kaiserschnitt“, in dem der Vorgang des Haareschneidens zur „Beschneidung“ wird und eher einem Gang zur Hinrichtung ähnelt. 

Mitfiebern heißt es für die Knippschilds während des Eishockey-Heimspiels der Iserlohn Roosters gegen die Kölner Haie, bei dem jedoch nicht nur der falsche Schal um den Hals hängt und derbe Schlachtrufe gebrüllt werden. Die Episoden enden jeweils mit einer von Hänsch erdachten Weisheit. So was wie „Willze ein auf Styling machen, kannet sein, dat alle lachen“ oder „Im Kaufhaus kannste alles finden, musst Dich nur erst überwinden“. 

„Wenn der Sauerländer Dialekt nicht wäre, könnten meine Episoden auch in Bayern oder Friesland spielen. Sie sind schließlich einfach nur menschlich“, mag sich Hänsch nicht als Regional-Dichter verstehen und betont trotz aller beschriebenen Marotten den netten Charakter seiner Figuren. 

Den Männern empfiehlt er dringend weibliche Unterstützung: „Ohne Endkontrolle darf der Mann nicht aus dem Haus, sonst läuft er herum wie ein stinkender Bär.“ Und aus Sicht eines Mannes erklärt er: „So lange man noch um den Dreck herumlaufen kann, braucht man ihn nicht wegzumachen.“ 

Zwischendurch griff „Mister Sauerland“ auch regelmäßig zur Gitarre und präsentierte musikalische Leckerbissen. Dabei parodierte er auch gerne Lieder, sodass „Come together“ von den Beatles zu „Kannse vergessen“ wurde und sich Peter Maffays „Ich wollte nie erwachsen sein“ in eine Satire übers Älterwerden verwandelte. 

Sein Fett weg bekommt an diesem Abend vor allem der deutsche Schlager mit den schwer vermittelbaren Flippers oder Roland Kaisers sprachlicher Halskrankheit. „Unglaublich, was diese Schlagertexter schon alles verbrochen haben“, machte er aus seiner Abneigung gegenüber dieser Musikrichtung keinen Hehl. 

Seine launigen Moderationen, die äußerst unterhaltsamen Geschichten aus dem echten Leben und die Tatsache, dass ein Sauerländer für Sauerländer sang, waren das Rezept für ein stimmungsvolles Bühnenprogramm. Und natürlich durfte auch das berühmte Sauerland-Lied nicht fehlen. Auf den heiß ersehnten Kulthit mussten die Besucher ziemlich lange warten – den gab es erst im Schlussteil, aber dafür mit echtem Herzschlag und lauthals mitsingendem Publikum. 

Mit dem Song „In 100 Jahr’n“ endete ein rundum gelungener Abend, für den es donnernden Applaus gab und der selbstverständlich nicht ohne eine Zugabe auskam. Anschließend nahm sich Reiner Hänsch gerne noch Zeit für persönliche Gespräche und Signierungen seiner Bücher, die es vor Ort ebenfalls zu erwerben gab und nach diesem Auftritt den einen oder anderen Fan mehr haben dürften.

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