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Menschen in großer Armut: Junge Studentin hilft in Indien

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Von: Dirk Grein

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In verschiedenen Projekten lernen indische Kinder den christlichen Glauben kennen und gewinnen dadurch neue Perspektiven für ihr Leben.
In verschiedenen Projekten lernen indische Kinder den christlichen Glauben kennen und gewinnen dadurch neue Perspektiven für ihr Leben. © Privatfoto: Jacques

„Das ist eine ganz andere Welt, eine ganz andere Kultur. Das kann man sich hier nicht vorstellen“, erzählt Jule Jacques über ihre mittlerweile vierte Missionsreise nach Ostindien. Die 22-jährige Medizinstudentin aus Herscheid ist gemeinsam mit vier weiteren Mitgliedern des Vereins Vishwa Jyoti nach Indien geflogen, um in den Bundesstaaten Odisha und Andrha Pradesh mit anzupacken.

Herscheid - Die Reise begann am Flughafen Frankfurt: Nach einer 24 Stunden langen Tour sind die fünf Teilnehmer in Visakhapatnam gelandet. „Dann sind wir als erstes shoppen gegangen“, lacht Jacques. Typisch Frau? Nicht ganz richtig. Um den Menschen in Indien in ihrer Kultur zu begegnen und somit einen besseren Zugang zu ihnen zu bekommen, brauchten die Besucher bestimmte Kleidung: sogenannte Punjabis. Das sind längere Oberteile mit einem Schlitz ab der Hüfte an jeder Seite.

Ab und zu trugen sie auch Saris, die aber bevorzugt von verheirateten Frauen getragen werden. „Außerdem kann ich mir die nicht alleine anziehen“, erklärt die 22-Jährige. Währenddessen kauften drei Männer Spielzeug für 400 Kinder, das sie während ihrer Reise verteilten.

Untergebracht wurde die Gruppe bei indischen Familien, die Teil des Vereins sind. Von ihnen ging es zu den verschiedenen Projekten und in mehrere Dörfer der beiden Bundesstaaten.

Lieder und Tänze als Willkommensgrüße

Zu den ersten Stationen gehörte die Carmel-English-School – eine große Schule, die es auch Kindern aus sozial schlecht gestellten Familien ermöglicht, einen Abschluss zu machen. Weitere Ziele waren christliche Kinderheime wie das „Home of Joy“ für Mädchen und das „Shalom Cottage“ für Jungen, das ursprünglich gegründet wurde für Kinder aus Familien, die besonders stark verfolgt wurden aufgrund ihres Glaubens.

Die junge Herscheiderin berichtet: „Fast überall, wo wir hingekommen sind, wurde ein riesiges Willkommens-Programm für uns vorbereitet. Es wurden Tänze und Anspiele vorgeführt und Lieder gesungen. Ein Lied wurde sogar extra für uns geschrieben. Die haben richtig darauf hin gefiebert, dass wir kommen – so wie wir auch.“

Auch die Besucher haben im Rahmen einer sogenannten „Devotion“, zu Deutsch Hingabe, mit den Kindern Lieder gesungen und Andachten gehalten. An den Sonntagen haben sie verschiedene Gottesdienste gestaltet.

Gemeinsam mit ihrer Mutter Jutta Jacques, Allgemeinmedizinerin aus Herscheid, besuchte Jule Jacques das Serango Hospital und eine Dorf-Krankenschwester. Weitere Besuche führten zu einem Blindenprojekt und zum Adoptionsprojekt, in dem sich zu diesem Zeitpunkt zehn Kinder befanden. Ein paar Kinder wurden schon nach Europa vermittelt.

Gemeinsam mit ihrer Mutter Jutta (Mitte) besuchte Jule Jacques das Serango Hospital „Home of new hope“.
Gemeinsam mit ihrer Mutter Jutta (Mitte) besuchte Jule Jacques das Serango Hospital „Home of new hope“. © Privatfoto: Jacques

Die Helfer besuchten auch ein Lepradorf. Die Menschen, die dort leben, gelten zwar als geheilt, werden aber dennoch von der Gesellschaft ausgestoßen. Auch für die Kinder, die dort aufwachsen, gibt es kaum eine Möglichkeit dort rauszukommen.

„Man sieht die Menschen in den Dörfern und an den Straßenrändern sitzen und fragt sich ständig, was für eine Perspektive sie haben“, schilderte die Studentin. „Die Mädchen werden oft jung verheiratet und es gibt Dörfer, in denen viele Männer Alkoholiker sind.“ Häufig arbeiten Männer in Indien als Tagelöhner und sind auswärts beschäftigt, weshalb die Besucher überwiegend Frauen und Kinder antrafen.

Während ihres Aufenthalts war die deutsche Gruppe parallel an Missionars-Konferenzen beteiligt. Indische Missionare kamen hier zusammen, um über ihre Erlebnisse zu berichten und ihre Gebetsanliegen weiterzugeben. Das Ärzteehepaar Jutta und Michael Jacques – Letztgenannter reiste ein paar Tage später an – bot außerdem „medical sessions“ an, um die Menschen zu untersuchen und zu behandeln. Aber auch um über Bluthochdruck, Diabetes und andere Krankheiten zu informieren und aufzuklären. „Fast das ganze Dorf war leer, um das medizinische Angebot wahrzunehmen“, sagt Jule Jacques.

Aus Feindseligkeit wird Herzlichkeit

Wichtig war das Spielen mit den Kindern. „Die Kinder und auch Erwachsenen hatten so viel Spaß an Plumpsack. Ein Mädchen fand es so besonders, dass ich ihr meine Zeit gewidmet habe“, fährt Jule Jacques fort.

Ein weiteres Projekt in der Arbeit mit den Kindern sind das Astha Cottage, eines von mehreren Day Care Centern, das den Kindern eine schulunterstützende Betreuung bietet. Zugleich hören die Kinder dort biblische Geschichten, singen gemeinsam und lernen Bibelverse auswendig. In Ostindien gibt es Dörfer, die durch diese Arbeiten gläubig geworden sind. „Die Kinder aus den Projekten haben den Glauben mit nach Hause gebracht“, freut sich die junge Herscheiderin. Viele Frauen hatten sie nach Hause eingeladen und ihr dort alles gezeigt – aus anfänglicher Feindseligkeit wurde Herzlichkeit.

Als Christ in Indien sei es aber nicht ganz ungefährlich. „Nicht alle Hindus sind so, aber es gibt andere Gebiete, in denen Missionare schon verprügelt worden sind. Die Ernten von Christen wurden vernichtet und ihre Häuser angezündet“, teilte sie mit. Der Weltverfolgungsindex 2022, der von Open Doors, eine Organisation, die sich für verfolgte Christen einsetzt, veröffentlicht wurde, zeigt Indien auf Platz zehn der weltweiten Christenverfolgung. Von dieser erschreckenden Begebenheit lässt sich Jule Jacques nicht davon abhalten, immer wieder nach Indien zurückzukehren, um den Menschen dort zu helfen.

Licht für die Welt: Das leistet der Verein Vishwa Jyoti

Der Verein Vishwa Jyoti mit Sitz in Olpe besteht aus circa 40 Christen, die ehrenamtlich arbeiten. Mit unterschiedlichen Projekten helfen sie den Menschen in Ostindien vor Ort. Die Projekte werden durch Spenden finanziert – unter anderem in Form einer Patenschaft, mit der Kinder, Lehrer und Missionare monatlich unterstützt werden. Einmal im Jahr findet eine Reise nach Indien statt. Übersetzt bedeutet Vishwa Jyoti „Licht für die Welt“, das aus der indischen Sanskrit-Sprache kommt. Offiziell gibt es in Indien 23 Sprachen, es werden jedoch mehr als 1000 verschiedene gesprochen. Die Grundlage der Helfer für die Arbeit in Indien ist der Glaube an Jesus Christus und dass, wie der Name verrät, er das Licht der Welt ist. „Hinter allem steht die Motivation, das Evangelium, die gute Nachricht, zu verkünden“, betont Jule Jacques. In Indien sind der Hinduismus und das Kastensystem, eine Zuordnung zu sozialen Gruppen, weit verbreitet.

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