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Lieferengpässe bei Medikamenten: Tipps einer Apothekerin

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Von: Birgit Hüttebräucker

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Apothekerin Claudia Cramer zeigt eine nur halb gefüllte Medikamentenschublade. Doch sie betont: „Wenn auch nicht immer alles vorhanden ist, bisher konnten alle Patienten gut versorgt werden.“
Apothekerin Claudia Cramer zeigt eine nur halb gefüllte Medikamentenschublade. Doch sie betont: „Wenn auch nicht immer alles vorhanden ist, bisher konnten alle Patienten gut versorgt werden.“ © Birgit Hüttebräucker

Die Lieferengpässe bei Medikamenten sind schon seit Jahren ein Thema, doch aktuell verschärft sich die Situation. Der aktuelle Mangel an Fiebersaft für Kinder trägt dazu bei, dass dieses Thema wieder in aller Munde ist.

Herscheid - Claudia Cramer von der Dorf-Apotheke in Herscheid schildert, dass sie bei den letzten beiden Notdiensten in ihrer Apotheke keinen Fiebersaft mehr zur Verfügung hatte. Nachdem auch die Fieberzäpfchen ausverkauft waren blieb der Apothekerin nur noch übrig, den Eltern den Rat zu geben, das Fieber auf altbewährte Art zu bekämpfen – also mit Wadenwickeln.

Die Ursachen für die Lieferengpässe sind vielseitig. Beispielsweise haben fast alle Hersteller die Produktion von Fiebersaft eingestellt, weil die Herstellung nicht mehr wirtschaftlich sei. Mittlerweile gebe es nur noch einen Erzeuger und der kann die Menge, die jetzt benötigt werde, nicht bewältigen. Aber auch die gestiegenen Preise für die Wirkstoffe, die Energie und die Logistik gehören zu den Ursachen.

Spray nur für Große, nicht für Kleine

Ähnliche Probleme gab es kürzlich auch bei Kindernasenspray, berichtet die Herscheider Apothekerin. Für manchen ist das unvorstellbar, denn das Nasenspray für Erwachsene war lieferbar. Beides wird in identischen Glasfläschchen und fast identischer Verpackung angeboten. Nur das Spray selbst unterscheidet sich durch die Konzentration. Mittlerweile seien aber zumindest diese Engpässe wieder aufgehoben.

Es sind aber nicht nur die Medikamente für Kinder, bei denen es Lieferprobleme gibt, sondern es betrifft auch viele andere Arzneimittel wie zum Beispiel Blutdrucksenker, Krebsmittel, Antibiotika oder auch Schmerzmittel und auch die preiswerteren Generika – also die Nachahmerpräparate – seien davon betroffen. Ebenso gibt es diese Engpässe bei rezeptfreien Medikamenten wie beispielsweise bei dem erwähnten Nasenspray oder Buscopan, einem Mittel gegen Bauchschmerzen, das im Sommer eine Zeit lang schlichtweg nicht erhältlich war.

Der Einfluss von Corona

Auch die Corona-Pandemie hat bei manchem Medikament zu Engpässen bei der Lieferung geführt. Als die Menschen während der Pandemie weniger raus gingen und meistens Mundschutz trugen, gab es weniger Erkältungen und kaum jemand benötigte Medikamente. Dementsprechend wurde in dieser Zeit weniger hergestellt. Jetzt wo die Zahl der Erkältungskrankheiten ansteigt, fehlen die Arzneimittel.

Eine weitere Ursache ist die, schon lange bekannte Tatsache, dass die Wirkstoffe überwiegend in Indien und China hergestellt werden. Wenn dort eine Firma wegen Corona geschlossen werde, Medikamente verunreinigt seien oder die Schiffe nicht aus den Häfen ein- oder auslaufen dürfen, reiße die Lieferkette ab.

Patienten sollten sich mehr Zeit beim Einplanen nehmen. Zum Beispiel sollten Tabletten etwas früher bestellt werden, damit man einen kleinen Zeitvorsprung zum Bestellen hat.

Claudia Cramer, Inhaberin der Dorf-Apotheke

Aber es ist nicht nur dieses globale Problem, durch das Lieferengpässe entstehen. Recht naheliegend ist es, dass die gesperrte Brücke auf der A45 für Lieferprobleme in der Dorf-Apotheke sorgt. Claudia Cramer berichtet dass die Medikamente, die sie bestellt, aus Schwerte angeliefert werden. Früher dauerte es 40 Minuten, bis die Lieferung in Herscheid ankam. Mittlerweile dauere es zwei Stunden und eine kurzfristige Nachbestellung, in einem gewissen Zeitfenster, sei jetzt nicht mehr denkbar. Bei dem Zulieferer sorgen Personalmangel in vielen Bereichen, hohe Benzinpreise, und die weiten Umwege durch die Brückensperrung für Lieferprobleme.

Auf die Frage, was Kunden tun können, antwortet die Herscheider Apothekerin: „Patienten sollten sich mehr Zeit beim Einplanen nehmen. Zum Beispiel sollten Tabletten etwas früher bestellt werden, damit man einen kleinen Zeitvorsprung zum Bestellen hat.“

Appell an die Patienten

Auf keinem Fall sollten Kunden rezeptfreie Medikamente hamstern. Das führe dazu, dass diejenigen, die dringend etwas benötigen, nichts bekommen.

Auch wenn nicht immer alles vorhanden sei, wurden bisher alle Patienten der Dorf-Apotheke versorgt. Vielleicht helfe das Bewusstsein, dass nicht immer alles vorhanden ist, sagt Inhaberin der Dorf-Apotheke

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