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„Leute fahren weniger Auto“: Tankstellenbetreiber spüren steigende Spritkosten

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Von: Dirk Grein

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Mittwochvormittag an der Shell-Tankstelle Turk in Hüinghausen: Die Literpreise für Diesel und Super-Benzin sind im Vergleich zu den letzten Wochen bereits wieder gestiegen. Welche Auswirkungen das Ende des Tankrabatts haben wird, können auch die Betreiber noch nicht abschätzen.
Mittwochvormittag an der Shell-Tankstelle Turk in Hüinghausen: Die Literpreise für Diesel und Super-Benzin sind im Vergleich zu den letzten Wochen bereits wieder gestiegen. Welche Auswirkungen das Ende des Tankrabatts haben wird, können auch die Betreiber noch nicht abschätzen. © Dirk Grein

Hamsterkäufe an den Zapfsäulen können die Betreiber der heimischen Tankstellen nicht vermelden. Wohl aber ein verändertes Verhalten der Kunden in Herscheid. 

Herscheid - Doch dieses führen sie nicht nur auf den Tankrabatt zurück, der mit dem 1. September ausläuft und der von der Bundesregierung nicht verlängert wurde. Wir haben nachgefragt.

Die Situation an der Raiffeisen-Tankstelle

Als freier Anbieter lebe die Raiffeisen-Tankstelle am Mühlenweg in erster Linie von der Stammkundschaft, schildert Marius Scholten. Der Geschäftsführer der südwestfälischen Raiffeisen-Genossenschaft, zu der auch der Standort Herscheid zählt, gibt zu verstehen, dass die Kunden zwar grundsätzlich treu geblieben seien. Diese kommen in den letzten Monaten aber spürbar seltener zum Tanken. „Die Leute fahren weniger mit dem Auto und überlegen sich vor jeder Fahrt, ob diese notwendig ist“, vermutet Scholten. Ursache dafür sei der Preisanstieg in sämtlichen Bereichen der Energieversorgung, der für eine spürbare Verunsicherung und einen verschärften Sparzwang der Bürger sorge.

Die Auswirkungen an den Tankstellen fallen regional unterschiedlich aus: In Bereichen, in denen eine größere Dichte an Anbietern vorherrsche, habe sein Unternehmen in Zeiten der Rabattierung höhere Abgabemengen verzeichnen können, schildert Scholten. In Herscheid hingegen, wo die nächsten Tankstellen einige Kilometer entfernt liegen, sei die verkaufte Menge an Benzin und Diesel eher rückläufig. „Das wettbewerbliche Umfeld entscheidet“, fasst der Geschäftsführer zusammen.

Wie sich die Preise in den nächsten Tagen entwickeln, das vermag auch Marius Scholten nicht im Detail abzuschätzen. Produktpreise, Schwankungen, Bestandsmengen – diverse Faktoren spielen eine Rolle. Fakt ist, dass die Preise an den Zapfsäulen wieder steigen und die Zwei-Euro-Marke bei sämtlichen Sorten wieder übersprungen werden dürften. „Für den Verbraucher hat der Tankrabatt eine Entlastung gebracht“, bewertet Scholten die Maßnahme der Politik grundsätzlich positiv.

Das sagt Tankstellenbetreiber Michael Turk

Deutliche Auswirkungen spürt auch Michael Turk – seine Befürchtung: Autofahren könnte für einige Bürger bald nicht mehr erschwinglich sein, weil der allgemeine Preisdruck wachse. Als Tankstellenbetreiber werde er ohne eigenes Dazutun in eine unangenehme Ecke gedrängt, erklärt er anhand eines Beispiels.

So machen sich die stark gestiegenen Gaspreise auch in seiner Kfz-Werkstatt bemerkbar. Im Bereich der Lackiererei beispielsweise sei der Verbrauch von Gas notwendig, was sich letztlich auch in der Preisgestaltung bemerkbar machen werde. Jedoch sei man darum bemüht, die Kunden nicht abzuschrecken. Genau das sei bei der Einführung des Tankrabattes anders gewesen: Dabei, so Turk, hätten die Mineralölkonzerne die gesenkten Energiesteuersätze nicht direkt durchgereicht an die Verbraucher. Der Schwarze Peter sei dadurch an die Tankstellen weitergespielt worden.

Zwar habe ein Großteil der Kunden besonnen reagiert, als sich eine Senkung nicht direkt Anfang Juni einstellte. Doch in manchen Fällen hätten die Kassiererinnen als Blitzableiter für die Wut der Kunden herhalten müssen. „Das soll so natürlich nicht sein“, bemängelt Turk das Verhalten der Konzerne.

Nach der ersten Phase der Umstellung sei dann ein spürbarer Rückgang der Preise an den Zapfsäulen eingetreten. Dieser habe jedoch täglichen Schwankungen unterlegen. In diesem Zusammenhang betont Turk, dass die Höhe der Spritpreise nicht in Hüinghauser Hand liegen, sondern in der Shell-Zentrale, die per Datenübertragung die Veränderungen ankündige und durchführe – und das bis zu 15 Mal pro Tag.

Grundsätzlich habe der Tankrabatt für sein Unternehmen keinen großen Effekt gehabt, seien die Verkaufsmengen nicht gestiegen. Auch Hamsterkäufe in den letzten Tagen vor Ablauf der Vergünstigung seien nicht erkennbar gewesen. Dennoch befürwortet Turk die Maßnahme der Politik – aus Sicht der Kunden wäre eine Verlängerung wünschenswert: „Das wäre ein Zeichen der Entlastung in Zeiten steigender Allgemeinkosten“, meint der Hüinghauser.

Weil eine solche Verlängerung jedoch (vorerst) nicht angedacht ist, werden die Preise an den Zapfsäulen in den nächsten Tagen wieder anziehen. „Keiner weiß, wo diese Reise hingeht“, kann auch Michael Turk nicht abschätzen, wie sich die Situation an seiner Tankstelle weiterentwickeln wird.

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