Streifenwagen-Einsatz am letzten Arbeitstag

+
Feuerwehr-Pressesprecher Thomas Gritschke (Mitte) übergibt seine Weste bedingt durch den beruflichen Wechsel an Matthias Greth und Lisa Vedder, die seine Aufgaben bei der Feuerwehr in Zukunft übernehmen und versuchen, die großen Fußstapfen zu füllen.

Plettenberg – Der 27. April war ein besonderer Tag im Leben von Hauptbrandmeister Thomas Gritschke, denn es sollte sein letzter Dienst für die Plettenberger Feuerwehr sein. Um 6.20 Uhr und damit etwas später als sonst, begab sich der in Herscheid wohnende Feuerwehrmann, der in Holthausen aufwuchs, auf den Weg zur Feuer- und Rettungswache in Plettenberg. Am Ortsausgang von Hüinghausen stand plötzlich eine Polizeistreife, die die Verfolgung aufnahm.

„In dem Moment habe ich geflucht, dass ich 20 Jahre und elf Monate ohne Polizeikontrolle zum Dienst gekommen bin und ausgerechnet an meinem letzten Tag, wo ich sowie schon spät dran war, so etwas passieren muss“, erzählt Gritschke, der kurz darauf von der Polizeistreife sogar überholt wurde. Wenig später leuchtete dann das „Bitte Folgen“-Schild auf. Mit erhöhtem Puls folgte er dem Streifenwagen nach rechts ins Industriegebiet. Dort ging es noch einmal um die Ecke und der Streifenwagen stoppte direkt vor einem halben Dutzend Feuerwehrautos. 

„Meine ganze Wachabteilung III hatte sich dort versammelt. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte und war total fertig in dem Moment“, schildert der 49-Jährige den Augenblick.

„Da fiel mir das Sprechen schon schwer“, war der Hauptbrandmeister sehr gerührt von der Überraschung am frühen Morgen. Die beiden Polizeibeamten, die Gritschke schon lange kennen und schätzen, übergaben den vermeintlichen Verkehrssünder offiziell an die letztmals von ihm geleitete Wachabteilung und standen mit den Kollegen der Feuerwehr anschließend für ein ganz besonderes Erinnerungsfoto bereit. Als Dankeschön und Abschiedsgeschenk gab es eine große Bildercollage von seiner Wachabteilung.

Doch der letzte 24-Stunden-Dienst des Pressesprechers der Plettenberger Feuerwehr hatte es auch danach noch in sich. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit den Kollegen und einigen kleineren Einsätzen gab es kurz nach Mitternacht eine größere Alarmierung. Es wurde Rauch im Umfeld des Eiringhauser Feuerwehrgerätehauses gemeldet. Gritschke rückte mit den Kollegen dienstbeflissen aus und stellte tatsächlich eine Rauchentwicklung fest. Kurz bevor er weitere Schritte in Absprache mit der Leitstelle einleiten wollte (die ebenfalls informiert war), öffnete sich das Tor und die Feuerwehrkollegen dort lösten das Rätsel um den mysteriösen Rauch auf. Dieser stammte aus einer Nebelmaschine und diente als besonderer Abschiedsgruß – verbunden mit einem Spezial-Feuerlöscher als Geschenk.

Einen Spezial-Feuerlöscher gab es zum Abschied.

„Das war schon ein ganz besonderer Abschlusstag für mich“, freute sich Gritschke, der aus beruflichen Gründen ab dem 1. Mai für die Berufsfeuerwehr in Köln tätig sein wird und der bis zur letzten Minute mit viel Herzblut und großem Engagement für die Plettenberger Feuerwehr arbeitete. Der Beamte brachte Kindern, Erwachsenen und Senioren die Welt der Feuerwehr näher, erklärte komplexe Feuerwehreinsätze anschaulich und war praktisch immer ansprechbar – ein echter Vollblut-Feuerwehrmann eben.

In Plettenberg baute Thomas Gritschke vor fünf Jahren zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Andreas und später zusammen mit Matthias Greth und Lisa Vedder die Pressestelle auf, die im Nachrichtenportal, auf der Homepage, den sozialen Medien und der Zeitung für aktuelle Meldungen sorgt. Greth und Vedder wollen und werden diese Aufgaben in Zukunft übernehmen. „Thomas hat uns allerdings sehr große Fußstapfen hinterlassen“, weiß Greth, der gemeinsam mit Lisa Vedder die symbolische Presseweste übernahm und Thomas Gritschke zum Abschied alles Gute für seine Zukunft wünschte.

Verwechslungsgefahr mit dem Bruder

Die Laufbahn von Thomas Gritschke bei der Plettenberger Feuerwehr begann im Juni 1999. Ich will Feuerwehrmann werden – diesen Berufswunsch hatten die eineiigen Zwillinge Thomas und Andreas Gritschke schon als Kinder. „Wenn irgendwo die Martinshörner heulten, fuhren wir mit den Fahrrädern hinterher – auch bis zum Sonneborn hoch. Die ganze Technik, die roten Autos, das Blaulicht, die Drehleiter und die Tatsache, dass alle anderen Autos Platz machen mussten – das hat uns damals schwer imponiert“, erinnert sich Gritschke.

Nach einer Lehre als Werkzeugmechaniker absolvierte er die Ausbildung zum Rettungsassistenten und schaffte ebenso wie sein Bruder mit 28 Jahren den Einstieg bei der Berufsfeuerwehr. Der Löschgruppe Holthausen gehörten beide seit Ende der 80er Jahre an. Dort war Thomas Gritschke bis 2019 stellvertretender Löschgruppenführer und stellvertretender Zugführer. Die Verwechslungsgefahr bei der Plettenberger Feuerwehr gab es nach dem Wechsel von Bruder Andreas nicht mehr. Dafür gibt es ab sofort in Köln wieder ein Bruder-Duo, das eine Sache eint: Die große Liebe zum Feuerwehr-Beruf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare