Lieblingsstücke

Aussteller zeigen im Hüinghauser Lokschuppen ihre Modeleisenbahnen

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"Der größte Feind eines Modellbauers sind der Staub und die Putzfrau. Nur angucken, nicht anfassen", sagt Michael Huster.

Herscheid – Die Modellbahntage bei der Sauerländer Kleinbahn boten für jeden Geschmack etwas.

Während auf der Bahnstrecke zwischen Hüinghausen und Köbbinghauser Hammer die ausgeliehene Dampflokomotive Hermann vom Deutschen Eisenbahnverein (DEV) aus Bruchhausen-Vilsen zusammen mit Dampflok Bieberlies auf große Fahrt ging, herrschte reges Treiben im Lokschuppen. Modelleisenbahnanlagen reihten sich aneinander und sorgten für großes Staunen bei den Fahrgästen und Besuchern.

Als wäre die Zeit stehen geblieben: Bei manchen Modellen kamen Erinnerungen an die damalige Zeit auf, als die Eisenbahn noch das Hauptverkehrsmittel war. Eine friedliche Landschaft mit Schafen, Pferden und Kühen. Eine Bäuerin auf dem Traktor, Wanderer, Angler, spielende Kinder, Straßenarbeiter und ein Mann im Fluss sitzend waren nur wenige Eindrücke von vielen der in Handarbeit erstellten Modelle, auf denen natürlich immer eine Eisenbahn im Mittelpunkt stand. In liebevoller und filigraner Kleinstarbeit entstanden diese Modelle. 

Eine Leidenschaft, die Jung und Alt gleichermaßen begeistert

Michael Huster aus Hüinghausen präsentierte im Lokschuppen seine Leidenschaft, die er bereits seit dem Jugendalter pflegt. LKW-Modelle im Maßstab 1:87 baut der Eisenbahnfan aktuell und richtet sich nach Originalbildern aus der früheren Zeit. So lässt sich anhand seiner Modelle erkennen, welch schwerer Arbeit die Fahrzeuge einst ausgesetzt waren. Spuren von Schlamm an Rädern und Kotflügeln sind deutlich sichtbar. Ein ehemaliger Wehrmachts-Lkw, der nach dem Krieg von Daimler-Benz weitergebaut wurde und als „Aufbauhelfer“ bekannt war, zählt zu Husters Meisterstücken und er gesteht nebenbei: „Ich hab‘ sie alle lieb!“ 

Lkw aus fast allen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts reihten sich auf dem Tisch im Lokschuppen. Darunter auch Pferdefuhrwerke im Maßstab 1:35. 100 Stunden dauert es im Durchschnitt, ein Modell (Fahrzeug und landschaftliche Umgebung) komplett zu bauen. Ein Pferd besteht aus acht bis zehn Einzelteilen, die aus verschiedenen Materialien hergestellt werden. Hier dauert der Zusammenbau alleine acht Stunden. 

Als Jugendlicher die Leidenschaft des Vaters geerbt, zwischenzeitlich das Interesse mehr auf die Frauen gerichtet, eine Familie gegründet und nach dem Eintritt ins Erwachsenenalter der Kinder um die Jahrtausendwende das Hobby wieder aufgenommen. So erklärt Michael Huster kurz und knapp seinen Lebenslauf mit der Modelleisenbahn, die auch in seinem Zuhause einen Platz findet. 

Einmal komplett durch das Zimmer zieht sich die heimische Modelleisenbahnanlage, die auf 40 bis 50 Zentimeter breiten Brettern an der Wand befestigt ist. Husters Ehefrau zeigt sich verständnisvoll und unterstützt die Leidenschaft ihres Mannes, der sich darüber erfreut zeigt: „Ich darf durchaus auch Modelle mal im Wohnzimmer hinstellen, auch wenn es ein Panzer ist. Die können auch mal ein Vierteljahr dort stehen bleiben.“ 

Der größte Feind eines Modellbauers sind der Staub und die Putzfrau. Nur angucken, nicht anfassen. Im Hause Huster geht die Frau behutsam mit den Modellen um und weiß, wo man anfassen darf. Kleinteile können leicht abbrechen und bedürfen einer ruhigen Hand, um sie behutsam mit Sekundenkleber oder Weißleim wieder am Modell anzubringen. So kann das auch beim Abbau der Modelle passieren. Häufig brechen die filigranen Kleinteile beim Verstauen in Kisten oder Transportboxen ab. 

Derzeit baut Michael Huster neben noch weiteren „offenen Baustellen“ an einem Kunstflugdoppeldecker im Maßstab 1:32. Die Liste an Modellen, die in Zukunft noch entstehen werden, bleibt offen. 

Hartmut Zeschky vom Verein cmt (Christliches Modellbahn Team) aus Wetter zeigte eine außergewöhnliche Konstruktion. Auf Knopfdruck wurden aus einem MAOAM-Fabrikgebäude Süßigkeiten am Rand des Modells über eine Art Metallrampe ans Tageslicht befördert. Sehr beliebt war diese süße Abwechslung bei den Kindern, die am liebsten auch ein zweites Mal den Knopf gedrückt hätten. Notstand an Süßigkeiten gab es jedoch nicht, denn ein großer Vorrat versteckte sich hinter den Kulissen. 

Ein Weihnachtsmarkt sorgte bereits jetzt für Vorfreude auf das größte Fest des Jahres, das aber noch etwas auf sich warten lässt. Eine Vier-Jahreszeiten-Landschaft, dampfende Modelllokomotiven und ein nachgebauter Bahnhof Brügge Westfalen befanden sich unter den Modellen im Lokschuppen. Diese ließen manches Eisenbahnerherz höher- schlagen. Doch die größte Eisenbahn befand sich auf dem Bahnhofsaußengelände. Lok Hermann zog an beiden Tagen den Museumszug vom Bahnhof Hüinghausen bis zum Bahnhof Köbbinghauser Hammer und wieder zurück. Zwischenzeitlich wurde Hermann vom „Lieschen“ begleitet. 

Tatkräftige Unterstützung bekam die Märkische Museumseisenbahn (MME) von den Eisenbahnfreunden aus Witten, die den Fahrgästen und Besuchern Reibekuchen anboten. Ausnahmsweise waren der Biergarten und das Bahnhofscafé am ersten Modellbahntag nicht im Betrieb. Dafür wurde der Buffetwagen auf dem Bahnhofsgelände zur Verfügung gestellt. Das ganze Geschehen wurde somit in und rund um den Lokschuppen verlagert. 

Am zweiten Tag ging der Buffetwagen mit auf die Fahrt, während der Biergarten und das Bahnhofs-Café wieder geöffnet waren. Die Museumsbahner zogen ein positives Fazit aus dem gesamten Wochenende. Trotz des nicht ganz so freundlichen Wetters kam es zu einem hohen Besucherandrang. Die Saison ist noch lange nicht zu Ende und das Gesamtfazit scheint sich nach den Nikolausfahrten bewahrheiten zu wollen, dass das Interesse gegenüber dem Vorjahr noch weiter gestiegen ist.

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