Ruhe durch das Motorradverbot

Nordhelle: Der „Lärm-Terror“ hat ein Ende

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Diese sechsköpfige Motorrad-Gruppe aus Mönchengladbach wurde von der Streckensperrung kalt erwischt. Die Rheinländer waren darüber nicht informiert und mussten ihre Tour notgedrungen umplanen.

Herscheid - Seit knapp zwei Monaten ist die Strecke über die Nordhelle für Motorradfahrer gesperrt. Wie hat dieses Verbot die Situation im Ebbegebirge verändert und wie bewerten Anwohner, Erholungssuchende oder Motorradfahrer die Maßnahme? Wir haben uns umgehört.

„Schon die Anfahrten erweisen sich als angenehmer, weil das Verkehrsaufkommen deutlich geringer ist als vor der Sperrung“, erkennt Harry Schenk auf dem Weg von Lüdenscheid ins Ebbe eine Veränderung. Seine Gattin Christiane ergänzt: „Hier kommen uns keine Motorradfahrer mehr entgegen, die rücksichtslos den Berg hinunter rasen. Ich hatte dabei vor allem Angst vor einem Zusammenstoß.“ 

Das Ehepaar ist regelmäßig auf der Nordhelle unterwegs und nutzt die Gegend für Wanderausflüge, die man mittlerweile wieder in Ruhe genießen könne, freuen sich die Schenks über eine spürbare Lärmreduzierung. Dennoch betonen sie: „Man darf natürlich nicht alle Motorradfahrer über einen Kamm scheren. Dass Personen, die auf solch ein Fahrzeug und die Strecke angewiesen sind, nicht begeistert sind, können wir verstehen. Wir hoffen, dass zumindest die Regelung mit den Ausnahmegenehmigungen funktioniert.“ 

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Erleichtert darüber, dass man das Problem erst einmal in den Griff bekommen hat, zeigt sich derweil Günter Butzkamm. „Bei bestimmten Windverhältnissen hat man die lautstarken Geräusche der Motorräder sogar in unserem Dorfzentrum gehört. Ich war früher selbst Motorradfahrer, aber was auf der Nordhelle passiert ist, war nicht mehr normal. Da wurde von manchen Leuten geklatscht, wenn jemand aufgrund seiner zu hohen Geschwindigkeit gestürzt ist“, berichtet der leidenschaftliche Herscheider Hobby-Radfahrer von seinen Erfahrungen. 

Gar von einem „Lärm-Terror“ spricht Bruno Erlinghagen, ebenfalls ein „Stammgast“ im Ebbe, der den Eindruck hatte, dass die Kurven der L 707 für manch einen zur privaten Rennstrecke geworden seien. Einen ruhigen Tag in der Natur des Ebbegebirges zu verbringen, wäre speziell am Wochenende kaum möglich gewesen. „Man fühlte sich eher wie am Nürburgring. Durch die Sperrung ist es endlich wieder ein echtes Naherholungsgebiet“, findet er und erinnert in diesem Zusammenhang auch an die vielen Tiere, auf die man Rücksicht nehmen müsse. 

Die Bilder zur Motorrad-Demo an der Nordhelle mit über 1800 Teilnehmern

Weitere Fotos von der Motorrad-Demo an der Nordhelle

Die viel diskutierte Motorrad-Situation erlebt Hotelier Harald Weber tagtäglich vor seiner eigenen Haustür: Er kann auch nach Gesprächen mit seinen Nachbarn in Reblin die vor mehreren Wochen ergriffene Maßnahme nur begrüßen: „Es ist einfach ruhig geworden. Wir können endlich wieder entspannt im Garten sitzen und hören manchmal lediglich das Zwitschern der Vögel.“ 

Als Inhaber des Jagdhauses Weber kennt er aber auch die Seite der Motorradfahrer, von denen er häufig mehrere Gruppen bei sich zu Gast hat. Für sie bedeutet die Streckensperrung, dass sie bei ihren Touren mitunter einen Umweg in Kauf nehmen müssen. „Die Anzahl der Motorradfahrer ist nicht gesunken. Unser Hotel ist meist der Startpunkt für ihre Sternfahrten, die sie ins Ruhrgebiet oder an den Rhein führen. Sie bleiben dem Sauerland auch weiterhin treu“, sagt Harald Weber. 

Schwierig gestaltet sich dies jedoch, wenn einem das Durchfahrtsverbot gar nicht bekannt ist. So erging es einer sechsköpfigen Gruppe aus Mönchengladbach, die mit ihren motorisierten Zweirädern auf dem großen Wanderparkplatz P 5 gezwungenermaßen Halt machen mussten. „Unser Motorrad-Navigationsgerät hat uns bis hierhin gelotst. Von der Sperrung haben wir bisher noch nicht gehört“, zeigten sich die Gäste vom Niederrhein enttäuscht über das abrupte Ende ihrer Tour. Die ortsfremden Fahrer vermissten eine klar erkennbare Ausschilderung einer Umleitungsstrecke. 

Die Gruppe erzählte außerdem: „Streckensperrungen scheinen überall zuzunehmen. Wenn es hier ernsthafte Probleme und Beschwerden der Anwohner gab, ist diese Maßnahme aber verständlich.“ Für die sechs Mönchengladbacher stand nach diesem Ausflug jedoch genauso fest, dass ihr erster Ausflug ins Ebbe vorerst der letzte bleiben wird.

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