Kundenverkehr liegt seit Februar brach

Waldhotel Wellin steht zum Verkauf

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Stille und Leere herrscht dort, wo jahrzehntelang Gäste ein- und ausgingen: Seit Februar ist das Waldhotel Wellin geschlossen. Die Zukunft des traditionsreichen Hauses ist ungewiss.

Herscheid - Das Besteck liegt griffbereit auf den Tischen, daneben stehen ansprechend drapierte Servietten. Doch Speisen werden in der traditionsreichen Gaststätte seit Wochen nicht mehr zubereitet, kein Bier wird mehr frisch gezapft. Das Waldhotel Wellin ist geschlossen – zum wiederholten Male.

Seit Februar liegt der Kundenverkehr brach, bleibt die Eingangstür zugesperrt. Die genauen Gründe dafür kennt auch Anzelika Heinz nicht, die über viele Jahre die Leitung inne hat und sich zuletzt um Service und Organisation kümmerte: „Es lief alles recht gut, wir hatten bereits viele Reservierungen für Familienfeiern, Konfirmationen und das Dorffest entgegengenommen“, sagt sie.

Dennoch habe Mehmet Eryilmaz, seit dem Sommer 2018 Inhaber des Waldhotels, im Februar den Geschäftsbetrieb eingestellt. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schwierigkeiten für die Gastronomie, die erst ein paar Wochen später auftraten, hatten auf diese Entscheidung keine Auswirkung, sagt Anzelika Heinz.

Sie selbst bedauere diesen Entschluss sehr, denn sie fühlt sich nach den vielen Jahren und den zahlreichen schönen Erinnerungen und Begegnungen mit dem Waldhotel verbunden. Daher schaut sie von Zeit zu Zeit noch nach dem Rechten an ihrer alten Wirkungsstätte.

Ihre berufliche Heimat hat Anzelika Heinz indes in Plettenberg gefunden: Im Ortsteil Oestertal leitet sie das Haus Heidrich, das im Frühjahr 2019 ebenfalls von Mehmet Eryilmaz übernommen worden war. Hier laufe der Betrieb unverändert weiter, betont Anzelika Heinz.

Doch was geschieht nun mit dem Waldhotel? „Es gehört nun einer Geschäftsfrau aus der Türkei“, weiß Anzelika Heinz zu berichten. Nutzungspläne scheine diese nicht bekannte Frau allerdings nicht zu haben; die Immobilie stehe zum Verkauf.

Eine Entwicklung, die auch Peter Schröder nicht verborgen bleibt. Er wohnt nur wenige Meter von dem Haus entfernt, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts von seinen Vorfahren als Gaststätte mit Landwirtschaft gegründet worden war.

Über Jahrzehnte hinweg führte die Familie Schröder das Haus und baute dieses zum Hotel um. Der gute Ruf war weit über die Gemeindegrenzen bekannt. Unvergessen blieb der Besuch des damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens während dessen Wanderung durch das Sauerland im Juni 1982.

Nur 13 Jahre später endete die Familienära, gab Peter Schröder den Betrieb ab. In den Folgejahren versuchten mehrere Pächter ihr Glück in Wellin, fanden dieses jedoch nicht. Konstanz kehrte erst durch den Verkauf an das Ehepaar Heinz im April 2008 ein. Nach dem Tod ihres Mannes Jochen vor sieben Jahren leitete Anzelika Heinz das Waldhotel schließlich weiter.

Nun ruht der Betrieb, die Zukunft des Traditionshauses ist mehr denn je ungewiss. Peter Schröder hat nach eigener Aussage mit diesem Kapitel längst abgeschlossen, ihn berühre die Schließung nicht. Und dennoch teilt er die Meinung vieler Nachbarn, die den Erhalt des Welliner Dorfmittelpunktes begrüßen würden: „Wir wünschen uns alle, dass es im Waldhotel irgendwie weitergeht.“

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