Für Verpflichtung von Künstlern stehen lediglich 4 000 Euro zur Verfügung

Kniffliger Kultur-Spagat

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Entertainer Jörg Knör beeindruckte im Juni mit einer rasanten Show, spontan verlängerter Programmdauer und aufwendigem Bühnenbild. Lediglich die Zuschauerzahl war ernüchternd – nur 64 Besucher kamen in den Bürgersaal.

HERSCHEID - Wer die ganz großen Namen sucht, der wird in Herscheid nicht fündig. Denn für populäre Sänger oder Komiker fehlt nicht nur das nötige Kleingeld, sondern auch der passende Veranstaltungsort.

Die Zusammenstellung des Kulturprogramms gestaltet sich schwierig: Einerseits soll es an den Wünschen der Bürger orientiert werden, andererseits müssen die realistischen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Künstler, die Stammgäste im Fernsehen sind oder Hits in den Charts haben, werden mit maximaler Wahrscheinlichkeit nicht in Herscheid auftreten. 

Und doch hat der Kulturbeauftragte Frank Holthaus die Aufgabe, jedes Jahr aufs Neue Veranstaltungen vorzubereiten, die auf möglichst großes Interesse stoßen. In diesem Jahr landete er mit der Verpflichtung von Elena Uhlig einen Volltreffer. Die Lesung der Schauspielerin im März war ausverkauft. „Der Bürgersaal war so voll wie nie“, berichtete Holthaus in der Sitzung des Kulturausschusses. 

Nur drei Monate später erlebte Holthaus an selber Stelle eine Bruchlandung: Zu dem Auftritt von Jörg Knör kamen lediglich 64 Zuschauer. Dabei sei dieser Auftritt „die schönste Veranstaltung in Herscheid seit Jahren gewesen“, sagte Holthaus und verwies auf ein aufwendiges Bühnenbild und eine Programmdauer, die der Künstler aus lauter Spiellaune kurzerhand auf zweimal 90 Minuten verdoppelte. 

Das Beispiel Knör verdeutlicht den schwierigen Planungs-Spagat: Anreiz müsse es sein, jemanden mit gewissem Bekanntheitsgrad und entsprechenden Qualitäten zu verpflichten, der für kleine Gage und vor kleinem Publikum auftritt. Der Kulturetat beträgt 7 000 Euro, wobei mindestens 500 Euro durch Spendengelder und 2 500 Euro durch Eintrittsgelder eingenommen werden sollen. Bleibt ein Spielraum von gerade einmal 4 000 Euro. 

Mit diesem Budget konnten im ablaufenden Kulturjahr neben der Uhlig-Lesung und dem Knör-Auftritt noch der Kinderliedermacher Herr H für das Familienfest und Christina Rommel mit ihrem Schokoladenkonzert realisiert werden. Hinzu kamen lokale Akteure wie das Märkische Zupforchester oder die Gitarrenschule Meffert, die keine Gagen verlangten, und ein geringer Kostenanteil am Jubiläumskonzert des MGV Rärin. Mit den noch ausstehenden Terminen umfasst das aktuelle Programm somit beachtliche zehn Termine. 

Hoffnungen setzt Frank Holthaus in den Bau der Schulaula am Rahlenberg, die Platz für 199 Besucher, ein ansprechendes Ambiente und eine solide Technikausstattung bietet. Neben der Rammberghalle, der Gemeinschaftshalle, dem Bürgersaal und dem MME-Lokschuppen gibt es somit künftig eine weitere Alternative in puncto Austragungsort. 

Wer sich an der Gestaltung des Kulturprogramms mit realistischen Wünschen beteiligen möchte, der kann diese per Email äußern (kultur@herscheid.de) oder aber telefonisch unter der Nummer (0 23 57) 90 93 15.

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