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Kühe werden weiter notwendig sein:
Milchverkauf in die ganze Welt

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Von: Dirk Grein

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Zurzeit leben 150 Kühe auf dem Hof der Familie Bühner – Tendenz steigend. Eine Aufstockung auf 200 Tiere ist bereits fest eingeplant.
Zurzeit leben 150 Kühe auf dem Hof der Familie Bühner – Tendenz steigend. Eine Aufstockung auf 200 Tiere ist bereits fest eingeplant. © Archivfoto: Gerhard

Der Milchverbrauch in Deutschland sinkt, gleichzeitig wächst das Interesse an pflanzlichen Alternativen: Macht sich diese Entwicklung bei den heimischen Landwirten bemerkbar? Anlässlich des Tages der Milch am 1. Juni haben wir bei Lasse Bühner nachgefragt, dessen Familie einen Bauernhof auf der Gasmert betreibt.

Herscheid - Von einem nachlassenden Interesse sei vor Ort nichts zu spüren, erzählt er, im Gegenteil: Die Kuhmilch von der Gasmert sei im dortigen Bauernlädchen derart gefragt, dass in Kürze ergänzend ein Milchautomat in Betrieb genommen werden soll, der rund um die Uhr genutzt werden kann. Größere Erweiterungspläne treiben die Bühners hinsichtlich ihres Bestandes voran: Die Anzahl der Milchkühe soll von zurzeit 150 auf bald 200 erhöht werden; auch der Bau einer Biogasanlage werde vorbereitet, verrät Bühner.

Vorhaben, die die Landwirte auch deswegen realisieren, weil sie von ihrem Produkt und dessen Nachhaltigkeit überzeugt sind. „Milch wird weiter Zukunft haben“, ist sich der seit Dienstag staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt sicher.

Der Absatzmarkt der Molkereien sei längst nicht mehr allein auf Deutschland beschränkt, sondern erstrecke sich seit vielen Jahren über die ganze Welt. Am Beispiel der Molkerei Hochwald, mit der die Familie Bühner zusammenarbeitet, berichtet der Herscheider, dass etwa die Hälfte der erzeugten Milch und Milchprodukte ins Ausland verkauft werde. China und die Vereinigten Arabischen Emirate seien zwei große Abnehmer.

Das globale Denken der Landwirte geht noch einen Schritt weiter: Bis zum Jahr 2050 – das besagen Hochrechnungen – soll die Weltbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen anwachsen. Die Versorgung mit Lebensmitteln werde vor dem Hintergrund des Klimawandels eine zentrale Rolle einnehmen. „Milchkühe werden bei der Ernährung der Bevölkerung weiter zwingend notwendig sein“, sagt Lasse Bühner.

„Milchkühe werden bei der Ernährung der Bevölkerung weiter zwingend notwendig sein“, sagt Lasse Bühner, seit Dienstag staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt.
„Milchkühe werden bei der Ernährung der Bevölkerung weiter zwingend notwendig sein“, sagt Lasse Bühner, seit Dienstag staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt. © Foto: Bühner

Das sei auch politischer Wille: Rund fünf Millionen Hektar Grünland habe es im Vorjahr In Deutschland gegeben. Per EU-Gesetz sei auf diesen Wiesen- und Weideflächen ein Anbau von anderen Nutzpflanzen untersagt. Dennoch könnten auch auf diesen Flächen die benötigten Eiweiße und Kohlenhydrate erzeugt werden – eben durch die Haltung von Kühen, die das Grünfutter vertilgen.

Doch nicht nur Grassilage steht auf den Speiseplänen der Vierbeiner. Lasse Bühner zählt unter anderem Abfallprodukte von Raps, Biertreber und Zuckerrüben auf, die zur Erzeugung anderer Lebensmittel benötigt werden, aber eben nicht in Gänze. Die überschüssigen Anteile werden in verschiedenen Zusammensetzungen der Tiernahrung zugegeben, die für Kühe förderlich sei. Das sei Resteverwertung par excellence.

Dass Verbraucher verstärkt auch zu Alternativen wie Soja-, Hafer- oder Mandelmilch greifen, ist Lasse Bühner bewusst. Das sei auch vollkommen in Ordnung, jedoch hinterfragt er die oftmals angestellten Vergleiche zwischen diesen Produkten und Kuhmilch, beispielsweise hinsichtlich der Ökobilanz. Bei derlei Gegenüberstellungen würden oftmals verdrehte Maßstäbe angesetzt, weshalb die Resultate wenig aussagekräftig seien, meint der Agrarbetriebswirt.

Für ihn selbst jedenfalls zähle zu jedem Frühstück ein Müsli – und damit auch ein kräftiger Schluck Milch. An seiner Familie liege es sicherlich nicht, dass der Milchverbrauch in Deutschland zuletzt zurückgegangen ist, sagt Lasse Bühner lachend.

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