Klemme-Darter erklären die Begeisterung um ihren Sport und die Ikone Phil Taylor

Darts-Hype: Wie heimische Spieler die WM verfolgt haben

+
Gemeinsam zu spielen macht viel mehr Spaß, als allein daheim im Keller – darüber sind sich die Klemme-Darter einig. Immer donnerstags lassen sie in Schürmanns Landgasthaus die Pfeile fliegen.

HERSCHEID - Ein Geschicklichkeitsspiel, welches vom Kneipensport zum Kultevent wurde und mittlerweile zehntausende Zuschauer in Arenen lockt sowie ein Millionenpublikum vor dem Fernseher unterhält: Darts liegt derzeit voll im Trend und hat auch in Deutschland einen Mega-Hype ausgelöst.

Gerade rund um den Jahreswechsel richtete sich der Fokus verstärkt auf dieses Phänomen, schließlich war es wieder Zeit für das wichtigste Turnier, das auch im heimischen Raum mit großer Spannung verfolgt wurde. Ein riesiges Spektakel mit beeindruckenden Spielen und schrägen Fans – die Darts-WM ging auch an den Freunden der fliegenden Pfeile in Herscheid natürlich nicht spurlos vorbei. 

Mit großer Begeisterung fieberten Amateurspieler wie Ralf Milkereit und Ralf Woeste nahezu täglich live am Bildschirm mit, wenn im Londoner Hotel Alexandra Palace („Ally Pally“) um den WM-Titel gerungen wurde. Als Team Captain (TC) beziehungsweise Übungsleiter stehen die beiden an der Spitze der Darts-Abteilung des TV Grünenthal, den sogenannten „Klemme Dartern“. Die vor etwa zwei Jahren gegründeten Gruppe ist bereits in einer Liga aktiv. „Wir spielen in der Olper B1-Liga, einer Hobbyliga mit aktuell sieben Teams. Dabei tritt jede Mannschaft mit vier Akteuren plus zwei Auswechselspielern an und in unterschiedlichen Konstellationen werden bis zu 18 Spiele ausgetragen“, beschreibt Ralf Milkereit den Ablauf der Duelle, bei denen es unter anderem gegen die Konkurrenten „Triple Bulls Oestentrop“ oder „Fraggles“ geht. 

Für den Teamkapitän steht aber die Fairness im Vordergrund: „Die Allermeisten gehen sehr vernünftig miteinander um und nach den Spielen setzt man sich dann nochmal gemütlich zusammen, um es gesellig ausklingen zu lassen.“ 

Während Profis wie Michael van Gerwen oder Gary Anderson bei der WM in London mit spitzen Steeldarts auf eine Sisalscheibe zielen, spielen Hobbysportler stattdessen in der Regel am elektronischen und selbstzählenden E-Dart-Automaten. Zwei von diesen stehen den heimischen Pfeilewerfern in ihrem Vereinslokal Schürmanns Landgasthof zur Verfügung, wo neben dem Trainingsbetrieb auch jedes Ligaheimspiel stattfindet. 

„Die Automaten konnten wir dank der Unterstützung des Vereins und vor allem durch Sponsorengelder anschaffen. Die Preise dafür können stark variieren, gerade zu WM-Zeiten erkennt man die starke Nachfrage an den deutlich teurer werdenden gebrauchten Automaten“, hat Ralf Woeste festgestellt und ist froh, dass seine Truppe aktuell gut ausgestattet ist. 

Auch personell hat sich seit der Gründung einiges getan: Von ursprünglich fünf Gründungsmitgliedern ist die Anzahl zwischenzeitlich auf bis zu 16 angewachsen, momentan stehen neun Aktive im Ligakader. Frischer Nachwuchs ist jederzeit willkommen, wie die Vereinsverantwortlichen betonen: „Dieser Sport richtet sich an alle Altersgruppen und ist deshalb wahrscheinlich auch so beliebt geworden. Unser jüngster Akteur ist 16 Jahre und der Älteste hat bereits die 71 erreicht. Wir haben auch zwei weibliche Mitglieder, die uns unterstützen.“ Nur für Ligaeinsätze gebe es eine Altersbeschränkung, da die Spiele meist in Kneipen ausgetragen werden und mitunter erst zu späterer Stunde enden, sind nur volljährige Personen zugelassen. 

Wer sich mit der internationalen Darts-Szene beschäftigt, kommt an einem Mann nicht vorbei: Phil Taylor, der mit seinen 16 WM-Titeln und unzähligen weiteren Erfolgen als bekanntester Spieler dieser Sportart gilt. Kein Wunder also, dass sein Abschied von der großen Bühne auch bei den Klemme-Dartern ein wichtiges Thema war. „Dieser Typ ist einfach eine Maschine und sein Name wird wie kein anderer weiter für diesen Sport stehen. Es war der Wahnsinn, wie stark er auch bei dieser WM in jeder Runde aufgetreten ist“, waren sich die heimischen Pfeilewerfer einig. Den neuen Weltmeister Rob Cross hatten auch sie derweil nicht auf der Rechnung stehen. Ralf Woeste sieht bei ihm jedoch Parallelen zu seinem Finalgegner: „Cross erinnert ein bisschen an den jungen Taylor, der ebenfalls aus dem Nichts kam und anschließend eine Ära eingeläutet hat.“

Das Besondere an Darts ist für den Übungsleiter die extreme mentale Herausforderung, die selbst bei Spielen vor kleinem Publikum deutlich wird. „Auch wir entwickeln bei unseren Duellen natürlich einen Ehrgeiz, durch den wir unter Druck geraten. Es ist deshalb ein unglaublich intensiver Konzentrationssport, bei dem man gut abschalten kann“, berichtet Woeste von seinen Erfahrungen und sein Teamkapitän ergänzt: „Gemeinsam in der Kneipe macht es natürlich auch mehr Freude als alleine im Keller. Beim Darts stehen der Spaß und die Geselligkeit im Mittelpunkt.“ 

Wer Interesse an Darts hat, kann die Klemme-Darter donnerstags ab 19 Uhr bei ihrem Training im Gesellschaftsraum der Sporthalle Grünenthal besuchen und bis zu dreimal kostenlos teilnehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare