Firma Otto Huss gibt Werkzeugbau auf

Kerngeschäft nicht mehr profitabel

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Der innerbetrieblichen Neustrukturierung zum Trotz bleibt das Logo der Firma Werkzeugbau Otto Huss (hier die Ansicht von der Elsetalstraße) unverändert.

Herscheid – Die Geschäftsführung spricht von einer Neuausrichtung. Für das Unternehmen beginnt damit ein neues Zeitalter: 42 Jahre nach der Gründung hat die Firma Otto Huss ihr einstiges Kerngeschäft aufgegeben – den Werkzeugbau.

Marktwirtschaftliche Veränderungen seien ausschlaggebend für diesen Einschnitt, erklärt Thomas Birkelbach. Seit 25 Jahren leitet er die Geschicke der Hüinghauser Firma. Er weiß genau um den Stellenwert, den der Werkzeugbau einst hatte. „Da hing viel Herzblut dran“, betont Birkelbach, wie schwer ihm der Entschluss gefallen ist. 

Dieser sei über Jahre gereift und letztlich unvermeidbar gewesen. „Ein kostendeckender Betrieb des Werkzeugbaus war für uns nicht mehr möglich“, sagt der Geschäftsführer. Er erklärt: Nicht mehr der Produzent, sondern der Abnehmer bestimmt inzwischen den Kaufpreis. Den Zuschlag erhielten immer häufiger Konkurrenten aus Fernost, in erster Linie aus China, deren Niedrigpreise auch nicht annähernd erreicht werden konnten. 

Das ständig steigende Anspruchsdenken der Kunden in der Automobilindustrie habe die Situation zusätzlich erschwert. „Das Abnahmeprozedere zieht sich fast immer über Monate hin. Wenn es um die Bezahlung der letzten zehn bis 20 Prozent geht, hat man auf Kundenseite alle Zeit der Welt“, sagt Birkelbach. Über Wochen werde über technische Details, Maße und Funktionen diskutiert. Der aktuell letzte, immer noch nicht abgeschlossene Auftrag sei das beste Beispiel dafür. 

Verlustgeschäfte wie dieses gefährden die Existenz eines mittelständischen Unternehmens. Die Firma Huss hatte aber bereits Ende der 80er Jahre begonnen, ein zweites Standbein aufzubauen: Die zerspanende Bearbeitung, zu der die Plattenfertigung und die CNC-Bearbeitung zählen. Diese habe immer mehr an Bedeutung gewonnen, schildert der Geschäftsführer: Schon seit einigen Jahren habe die Zerspanung das Hauptgeschäft ausgemacht. Damit wurde der Werkzeugbau subventioniert. Das machte auf Dauer keinen Sinn. 

Mitte 2018 teilte die Geschäftsführung den Kunden die Aufgabe des Werkzeugbaus mit. Seit einigen Wochen wird die Halle, in der einst der Werkzeugbau untergebracht war, anderweitig genutzt. „Es geht weiter bei uns, wir haben uns neu positioniert“, betont Birkelbach, dass seine Firma schwarze Zahlen schreibt und zukunftsgerichtet arbeitet. 

Ungeachtet der Veränderungen bleibt der Firmenname Werkzeugbau Otto Huss erhalten. „Damit zeigen wir unseren Kunden, dass wir kein reiner Zerspaner sind“, sagt Birkelbach. Die Erfahrungen aus über 40 Jahren Werkzeugbau sollen in die verbleibenden Tätigkeitsfelder einfließen.

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