Massentestung im Luther-Haus: Eins von 67 Kindern mit positivem Ergebnis

Keine Verkürzung der Kita-Quarantäne - das ärgert die Eltern

Dieses Foto stammt zwar aus der Zeit des Lockdowns im Mai 2020; die Aussage des Banners, welches die Erzieherinnen seinerzeit angefertigt hatten, gilt aber auch jetzt: Sie vermissen die Kinder und hoffen, dass nach der Quarantäne wieder mehr Leben im Familienzentrum Unterm Regenbogen herrscht.
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Dieses Foto stammt zwar aus der Zeit des Lockdowns im Mai 2020; die Aussage des Banners, welches die Erzieherinnen seinerzeit angefertigt hatten, gilt aber auch jetzt: Sie vermissen die Kinder und hoffen, dass nach der Quarantäne wieder mehr Leben im Familienzentrum Unterm Regenbogen herrscht.

Die Geduld der Eltern wird weiter strapaziert: Nach einem Corona-Fall im Familienzentrum Unterm Regenbogen sind 67 Kinder seit Anfang September in häuslicher Quarantäne. Die Dauer von 14 Tagen und das Warten auf das Ergebnis des PCR-Massentests verärgert viele Erziehungsberechtigte.

Herscheid - Viel ist in den vergangenen Tagen über die neuen Quarantäne-Regelungen für Schüler gesprochen worden. Praktisch kein Thema war dagegen, was dies für Mädchen und Jungen in Kitas bedeutet. „Keiner redet über die Kitas. Wir werden vergessen“, sagt Kerstin Zuchowski. Ihr Kind besucht das Familienzentrum oder besser gesagt, würde es gern besuchen: Doch genau das ist momentan nicht möglich.

Denn am Dienstag, 2. September, teilte Christiane Krüger, Leiterin des Familienzentrums, den Eltern über eine Kindergarten-App mit, dass eine Erzieherin positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Alle Kinder, die an den ersten beiden Septembertagen die Einrichtung besucht hatten, gelten seither als Kontaktpersonen; 67 der insgesamt 89 angemeldeten Kinder sind daher in Quarantäne.

Die Eltern mussten kurzfristig umplanen und eine Betreuung daheim ermöglichen. Zum Teil mussten mit den Arbeitgebern Absprachen getroffen werden.

Kreis wartet bewusst

Beim jüngsten Treffen der Gesundheitsminister waren neben Neuregelungen für die Schulquarantäne auch Erleichterungen für die Kitas in Aussicht gestellt worden. Nachdem das Land NRW der Linie des Beschlossenen aber nicht gefolgt ist, will Volker Schmidt, der das Ressort Gesundheit beim Märkischen Kreis leitet, lieber abwarten, was am Ende tatsächlich in der Verordnung steht: „Es ist bei den Kitas im Moment in der Tat im Detail anders als bei den Schulen. Aber es ist nur eine Übergangsphase. Wir hoffen, dass schon in der nächsten Woche die Verordnung die Dinge neu regeln wird.“

Den Herscheider Kindern und Eltern hilft dies im jetzigen Fall recht wenig: Sie müssen bis Montag, zum Teil bis Dienstag warten, ehe die zweiwöchige Quarantäne abläuft, erst dann darf ihr Leben wieder normaler werden. Für sie gilt somit der alte Status – eine von vielen erhoffte verkürzte Quarantäne wird es nicht geben.

Ergebnis-Verzögerung

Dennoch glühten die Telefondrähte beim Gesundheitsamt am Freitag, in vielen Fällen waren Herscheider Eltern am anderen Ende der Leitung. Sie wollten in Erfahrung bringen, wie die PCR-Massentestung ausgefallen ist. Binnen eineinhalb Stunden waren am Mittwochvormittag alle 67 Kontaktkinder im Martin-Luther-Haus getestet worden. Die Ergebnisse sollten den Eltern anonymisiert im Laufe des Donnerstags über die Corona-Warn-App zugeschickt werden.

Doch bei dieser Übertragung haperte es, auch am Freitagvormittag waren viele Betroffene im Unklaren und warteten vergeblich auf eine Benachrichtigung. „Es gab technische Probleme“, bestätigt Alexander Bange, Pressesprecher des Kreises. Er konnte am Freitagnachmittag verkünden: Von den 67 Tests sei einer positiv ausgefallen. Die betroffenen Eltern seien informiert worden. In Zukunft sollen es bei der Ergebnisübertragung keine Probleme mehr geben, versprach Bange Besserung.

Maskenpflicht und Trennungen: Das ändert sich im Familienzentrum

Auf gruppenübergreifende Arbeit wollen die Erzieherinnen vorerst verzichten. Wie schon während des Lockdowns nehmen die Kinder ihre Mahlzeiten in den Gruppenräumen (nicht gemeinsam im Frühstücksraum) ein und spielen auf dem Außengelände in abgetrennten Bereichen. Dies erfordere einen höhere Personaleinsatz und Einschränkungen in der pädagogischen Arbeit, erzählt die Einrichtungsleiterin. Für Eltern gelte ab sofort wieder eine Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände; zudem werde auf Präsenzelternarbeit (mit Ausnahme von Entwicklungs- und Beratungsgesprächen verzichtet). Von größeren Veranstaltungen wie etwa einem Laternenfest im November wird aus Gründen der Vorsicht abgesehen. Unverändert bleibt das Hygienekonzept: Regelmäßiges Desinfizieren, Händewaschen und das halbstündliche Lüften der Gruppenräume bleibt bestehen. Für die Hygienerunden wurde vor einigen Wochen eine Kraft einstellt, die unter anderem mehrmals am Tag die Wasch- und Sanitärräume desinfiziert; hinzu kommt eine Reinigung dieser Räume durch eine Fachkraft zum Ende eines jeden Arbeitstages im Familienzentrum.

So reagiert die Kita

Die zwischenzeitliche Situation im Familienzentrum wirkt gespenstisch: Lediglich fünf Kinder besuchten in dieser Woche die Einrichtung. Insgesamt hätten 22 Mädchen und Jungen kommen können, die Anfang September keinen Kontakt zu der erkrankten Erzieherin hatten. Doch viele Eltern seien vorsichtig und betreuen ihre Kinder freiwillig daheim, erzählt Einrichtungsleiterin Christiane Krüger.

Sie und ihre Kollegin hätten dennoch viel zu tun: Die Erzieherinnen widmen sich neben den wenigern Kindern auch den notwendigen Dokumentationen oder vorbereitenden Arbeiten. Die Einrichtungsleiterin selbst tauscht sich regelmäßig mit dem Gesundheitsamt aus und beantwortet die Fragen der Eltern, die ihre Sorgen äußern, aber auch Frust abladen. Auch zu der erkrankten Kollegin halte sie Kontakt, diese befinde sich glücklicherweise auf dem Weg der Besserung, erzählt Christiane Krüger.

Zudem hat sie in Abstimmung mit den übrigen Erzieherinnen der Einrichtung entschieden, nach der Quarantäne (die in über 18 Monaten Pandemie übrigens die erste für das Familienzentrum ist) den Regelbetrieb konzeptionell einzuschränken – entgegen die Vorgaben des Landes NRW. „Wir wollen damit die Gefahr eines weiteren Falls minimieren“, begründet Krüger.

Lesen Sie mehr über den Corona-Fall im Familienzentrum.

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