Truppmann-Ausbildung nach langer Corona-Pause fortgesetzt

Keine Angst vor der finalen Prüfung: Junge Feuerwehrfrau ist fast am Ziel

Wasserentnahme aus einem Gewässer: Was sich unspektakulär anhört, bedarf intensiven Trainings. Jeder Handgriff muss sitzen, erklärt Laura Linke, die auf unserem Bild – das bei einer Übung an der Lenne entstand – rechts zu sehen ist.
+
Wasserentnahme aus einem Gewässer: Was sich unspektakulär anhört, bedarf intensiven Trainings. Jeder Handgriff muss sitzen, erklärt Laura Linke, die auf unserem Bild – das bei einer Übung an der Lenne entstand – rechts zu sehen ist.

Ihr Ziel bleibt unverändert: Laura Linke möchte Feuerwehrfrau sein. Genau das gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht: Die Pandemie hat die Ausbildung monatelang unterbrochen; doch die Pause ist nun vorbei.

Herscheid - „Endlich geht es weiter“, sagt die junge Hüinghauserin, die hörbar erleichtert ist. Die sogenannte Truppmannausbildung, wie der mehrwöchige Grundlehrgang bei der Feuerwehr heißt, endete abrupt. Mehr als die Hälfte der insgesamt 160 Unterrichtsstunden hatten die Kursteilnehmer bereits absolviert, als die Coronazahlen im Herbst drastisch anstiegen. Immerhin: Die Zwischenprüfung nach den ersten beiden Modulen konnten die angehenden Truppmänner und Truppfrauen noch ablegen – doch Ende Oktober war vorerst Schluss; an Treffen für Schulungen war nicht mehr zu denken.

Die Gemeinschaft, der fachliche Austausch, aber auch das Scherzen und Lachen habe ihr am meisten gefehlt, erzählt die 26-Jährige. Eben jeneKameradschaft, die die Feuerwehr auszeichnet. Ursprünglich sollte die Grundausbildung im Dezember enden. Doch daraus wurde nichts. Daher befinden sich Laura Linke und die weiteren Kursteilnehmer in einem Übergangsstadium. Sie gehören zwar dazu, können aber bei Bränden, Unfällen oder anderen Notsituationen nicht mitwirken, weil ihnen der nötige Abschluss fehlt.

Immer dann, wenn eine Alarmierung einging, musste sie sich zurücknehmen. „Ich möchte bei Einsätzen endlich mehr Verantwortung übernehmen können“, sagt die junge Frau, die Mitglied der Löschgruppe Hüinghausen sein möchte – genau dort, nur wenige Meter vom Gerätehaus an der Habbeler Straße entfernt, wohnt sie auch.

Die erste Stufe hat sie erklommen, doch noch kann Laura Linke nicht in den aktiven Dienst der Feuerwehr einsteigen oder ein Einsatzfahrzeug steuern.

Wenn alles gut klappt und nichts Unvorhersehbares dazwischenkommt, dann muss sie sich jedoch nicht mehr lange gedulden. Die Truppmannausbildung wurde Anfang Juni reaktiviert. Seither kommen die Teilnehmer immer donnerstagabends sowie samstags zusammen. Der Wiedereinstieg sei nicht schwer gewesen, sagt die 26-Jährige. Einige Dinge aus dem Theorieblock habe sie sich wieder in Erinnerung rufen müssen. Aber ansonsten sei der vermittelte Wissensstoff noch sehr präsent. Basierend auf diesem erlernten Fachwissen bestehen das dritte und vierte Modul des Kurses vorwiegend aus Übungen. Und das kommt Laura Linke sehr entgegen: „Die Praxis liegt mir mehr als die Theorie“, weiß sie.

So wagt sie sich mit den anderen Teilnehmern Schritt für Schritt an den Aufbau eines Löschangriffs. Für diesen gibt es genaue Vorgaben, die bereits während der Anfahrt zu einem Einsatzort feststehen. „Jeder, der in einem Einsatzfahrzeug sitzt, hat eine eigene Aufgabe.“ Auch die Sitzvergabe sei daher geregelt.

Jeder Handgriff soll im Ernstfall sitzen, daher werden die einzelnen Vorgänge immer wieder geübt. Bei einer Simulation im Schulzentrum Böddinghausen stand beispielsweise die Wasserentnahme aus der Lenne auf dem Lehrplan. Was vergleichsweise simpel klingt, erweist sich bei der Durchführung als Herausforderung. Bei Bränden in abgelegenen Gebieten, in denen keine Hydranten zur Verfügung stehen, müssen diese jedoch reibungslos funktionieren, erklärt Laura Linke.

Ob das gemeinsame Erlernen von Erfolg gekrönt ist, erfahren die angehenden Feuerwehrleute bereits in wenigen Tagen. Nach den letzten Kurseinheiten steht am 17. Juli die Abschlussprüfung an. Davor macht sich die Hüinghauserin nicht bange, im Gegenteil. Sie freut sich darauf, endlich das Erlernte anwenden zu können und damit ein vollwertiges Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Herscheid zu sein.

Hier lesen Sie mehr über die Feuerwehrausbildung.

Nachwuchs gesucht

Bereits der Start der gemeinsamen Truppmannausbildung der Feuerwehren aus Herscheid und Plettenberg musste wegen Corona von April auf Ende Juli 2020 verlegt werden. Nach der fast sechsmonatigen Unterbrechung ist der Herscheider Andreas Vyge, einer der Ausbildungsleiter, froh, dass dennoch alle 23 Teilnehmer bei der Stange geblieben sind und niemand abgesprungen ist. Er hofft, dass die Ausbildung mit der Prüfung Mitte Juli nach fast einem Jahr zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden kann und die beiden Nachbarfeuerwehren dann endlich auch die erhofften personellen Verstärkungen integrieren können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare