Ursula Heinen-Esser sucht das Gespräch mit Forstexperten und Waldbesitzern

Kahlschläge schockieren: NRW-Ministerin will für den Wald kämpfen

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (Mitte) stellte eine vereinfachte Förderrichtlinie in Aussicht.
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NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (2. von links) stellte eine vereinfachte Förderrichtlinie in Aussicht.

 90 Minuten plus eine Viertelstunde Verlängerung reichten nicht aus: Das Thema Wald sorgte am Donnerstagmittag am Wanderparkplatz Piener Kopf für intensive Gespräche. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser trat dabei als Mittlerin, Kümmerin und aufmerksame Zuhörerin auf.

Herscheid - Aufforstung, Holzvermarktung, Fördermittel, Wegebau: In großer Runde tauschten sich Vertreter des Forstamtes, der Forstbetriebsgemeinschaften, der CDU und weitere Experten aus. Angesichts des Ausblicks auf kahle Flächen war die Stimmung bedrückt: „Hier hat man früher den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, jetzt reicht die Sicht fast bis nach Olpe“, stellte der Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Heider fest.

Warum das an vielen Stellen im Land so ist, fasste Umweltministerin Heinen-Esser in kurzen Zügen zusammen: Durch die in 2018 beginnenden dreijährige Trockenheit fehlte den Fichten der Schutz; der Borkenkäfer habe ungehindert Zugriff gehabt. Abgestorbene Flächen in riesigem Umfang sind die Folge.

Trostloser Ausblick vom Wanderparkplatz Piener Kopf: Auch hier hat der Borkenkäfer für einen Kahlschlag gesorgt.

Für Waldbesitzer und Forstämter sei die Belastung immens. Doch ihre Arbeit sei wichtig, um das Kalamitätsholz, das vom Schädling betroffen ist, rasch aus den Wäldern zu holen und die Wiederaufforstung zu stemmen. Der Wald in seiner Funktion als Kohlenstoffdioxid-Speicher sei „unser größtes Pfund“, um gegen den Klimawandel anzukommen, betonte die Ministerin.

Der Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland, Jörn Hevendehl, stimmte zu: „Wir müssen weiter kämpfen.“ Der nasse Sommer 2021 sei förderlich: Gebe es keinen „supergoldenen Oktober“, dann werde es in diesem Jahre keinen dritten Flug der Borkenkäfer geben – immerhin.

Forstamtsleiter Jörn Hevendehl (2. von rechts) rief zum Durchhalten auf: „Wir müssen weiter kämpfen.“

Doch die Verluste seien bereits jetzt immens: Über das Regionalforstamt werden bis zum Ende des Jahres geschätzte 18 Millionen Euro Fördergelder für die heimischen Waldbesitzer ausgezahlt. Entsprechend hoch sei der Aufwand für ihn und seine Kollegen: „Wir arbeiten am Anschlag.“

Bei aller Tristesse, die die Wälder auch in Herscheid widerspiegeln, wollte Hevendehl nicht gänzlich aufgeben: „Wir haben noch eine Chance.“ Der Bestand der Fichte sei zwar in Teilen des Sauerlandes kaum noch zu sichern. Dennoch setzte der Experte große Hoffnung in das Waldbaukonzept NRW, von dem es die Waldbesitzer zu überzeugen gelte.

Kritik gab es für den bürokratischen Aufwand hinsichtlich der Fördergelder. Die Ministerin stellte diesbezüglich eine Vereinfachung der Richtlinien in Aussicht. Auch für die Wiederaufforstung soll ein möglichst einfaches System entwickelt werden.

Weitere Stimmen aus der Diskussion

Dorothea Zeppke-Sors hat sich mit weiteren elf Waldbesitzern aus Werdohl und Umgebung zusammengetan. Sie berichtete von mehr als 200 aufgestellten Fallen, in die über 30 Millionen Borkenkäfer flogen. Sie riet: „Wir müssen um jede einzelne Fichte kämpfen.“ Eberhard Kaufmann, Waldbesitzer aus Herscheid, sprach den kritischen Zustand der Waldwege an: „Wir wissen mit der Feuerwehr nicht in den Wald zu kommen.“ Die Waldbrandgefahr werde angesichts der großen Mengen an Schlagabraum zum Problem. Rolf Brühne kritisierte die von oben vorgegebene Professionalisierung der Forstbetriebsgemeinschaften (FBG). Die Herscheider FBG habe eine hauptamtliche Geschäftsführerin einstellen müssen, um den wachsenden rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Die Ministerin und der Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Heider im Gespräch mit Waldbesitzern.

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