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Kahle Berge gab es auf der Nordhelle schon vor 150 Jahren

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Von: Stefanie Vieregge

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Ein Bewusstsein für die Natur und deren Schutz zu schaffen, das ist das Anliegen des Naturparks, der erstmals zu einem Naturparktag auf der Nordhelle eingeladen hatte.
Ein Bewusstsein für die Natur und deren Schutz zu schaffen, das ist das Anliegen des Naturparks, der erstmals zu einem Naturparktag auf der Nordhelle eingeladen hatte. © Stefanie Vieregge

Aufmerksamkeit für den Natur- und Landschaftsschutz schaffen – das war das Ziel des ersten Naturparktages auf der Nordhelle. 

Herscheid - Persönliche Erfahrungen spielen dabei eine große Rolle als Kontrast zur starken Digitalisierung unserer Zeit: Wind in den Haaren, Blätterrascheln, über Waldboden laufen, Tiere beobachten. Es gilt, vor allem der nächsten Generation dies nahezubringen. „Denn nur, was ich kenne, kann ich schätzen, lieben und auch schützen“, sagt Barbara Dienstel-Kümper, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Naturpark Sauerland-Rothaargebirge.

Derzeit prägen leere Hänge und viele Holztransporter das Bild in den Wäldern. „Doch kahle Berge gab es auf der Nordhelle schon vor 150 Jahren“, erklärt Detlef Krüger, Geschäftsführer des Kreisheimatbundes. Damals wurden großflächig Bäume gerodet, um Holzkohle herzustellen, die zur Gewinnung von Eisenerz benötigt wurde.

Zur Aufforstung wurde dann von der damals preußischen Regierung in Berlin die Fichte empfohlen, da schnell wachsend und als gutes Bauholz bekannt. Daher der Beiname „Preußenbaum“ und unterstützender Start für die Monokultur. Heute werde das Ziel verfolgt, die Dominanz der Fichte zu brechen und den Mischwald wieder zu fördern, um Anfälligkeiten wie durch den Borkenkäfer entgegenzutreten.

Greifbare Geschichte gibt es ebenfalls auf der Nordhelle: Alte Betonfundamente zeugen von einer Funk- und Radarstation, die im Zweiten Weltkrieg von Gebirgsjägern der Wehrmacht betrieben wurde. Sie sollte fremde Flugzeuge aufspüren und die eigenen nach England führen. Es ist offen, ob der Turm durch die Alliierten oder durch die Wehrmacht selbst gesprengt wurde. Die Natur hat sich diese Stelle schon lange zurückerobert, befindet sich aber in steter Veränderung.

Was mit den Wäldern gerade passiere, sei schlimm, sagt Detlef Krüger, aber es gehöre zum Wandel dazu. Für uns „Kurzlebige“ halt schlecht überschaubar, weil eine Fichte erst nach 60 bis 80 Jahren geerntet werden kann.

Sechs erstaunliche Fakten zur Nordhelle und ihrer Umgebung: Wussten Sie eigentlich, dass....

- der Name Ebbegebirge sich von den trocken gefallenen Mooren im Gebiet ableitet, in denen dann Ebbe herrschte?

- die Germanen hier die Römer besiegten, weil sie sich hinter den Mooren versteckten und die Römer mit ihren schweren Rüstungen darin versanken?

- von der Nordhelle aus ab dem Jahr 1810 das Land vermessen wurde? Der erste Punkt zur Triangulation befindet sich etwa 50 Meter vom Robert-Kolb-Turm entfernt, der übrigens nach dem Hauptwegewart des Sauerländer Gebirgsvereins (SGV) benannt ist.

- in Richtung Westen die nächste vergleichbare Erhebung (663 Meter) erst wieder in Nordamerika zu finden ist, und Richtung Norden erst wieder in Norwegen?

- der Naturpark fast 4 000 Quadratkilometer groß ist, was 580 000 Fußballfeldern entspricht oder dem eineinhalbfachen Saarland?

- die Benennung der Wanderwege wie zum Beispiel A1 die ausgeschriebene Variante Autorundwanderweg bedeutet? Weil man irgendwann immer wieder bei seinem Auto ankommt.

Es gibt viel Spannendes zu entdecken und zu erfahren, und das direkt vor der Haustür. Herscheids Bürgermeister Uwe Schmalenbach freute sich auf weitere Erlebnistage an wechselnden Orten im weitläufigen Naturpark Sauerland-Rothaargebirge – und ebenso über den Erfolg der Premiere auf der Nordhelle.

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