Junger Herscheider gesteht vor Amtsgericht

Drogen im Internet bestellt

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Der Drogenhandel in dunklen Bahnhofsecken scheint nicht mehr aktuell zu sein, wie die Gerichtsverhandlung vor dem Altenaer Amtsgericht bewies. 

HERSCHEID - Drogen kaufen am Bahnhof, in Nobelkarossen, düsteren Hinterhöfen oder auf abgelegenen Flurstücken in Feld, Wald und Wiese? All das war gestern, wie ein Strafverfahren im Amtsgericht Altena deutlich machte.

Im Juli 2016 bestellte ein heute 20-jähriger Herscheider 50 Gramm Amphetamine bei einem Internet-Versandhandel. Das machte den zuständigen Briefträger ganz nebenbei zu einem Drogenlieferanten, was der natürlich nicht ahnen konnte. 

Für die verbotene Bestellung habe er nicht einmal das Darknet gebraucht, erklärte der Angeklagte im Amtsgericht Altena, wo er sich wegen Handels mit einer nicht geringfügigen Menge an Betäubungsmitteln verantworten musste. Denn der Wirkstoffgehalt in diesen verbotenen Aufputschmitteln ist relativ hoch – die Grenze zur nicht geringen Menge war um ein Mehrfaches überschritten. 

Die Strafandrohung im Erwachsenenstrafrecht für ein solches „Verbrechen“ ist mit einem Jahr Mindeststrafe relativ hoch. Doch so schlimm kam es nicht für den jungen Mann: Erst hatte seine Mutter ihn vor die Tür gesetzt, dann auch noch sein Vater, sodass er kurz vor dem Kauf als 18-Jähriger plötzlich auf eigenen Füßen und das hieß einsam in einer Herscheider Wohnung stand. 

Nun gibt es in einer immer noch in weiten Teilen sehr schönen und erkundenswerten Welt sicherlich bessere Möglichkeiten, aus persönlicher „Langeweile“ etwas Positives werden zu lassen. Dummerweise schaute der junge Mann aber nicht vor die Tür, sondern suchte im Internet nach Zerstreuung. Dort gebe es viel zu lesen, erklärte er. Und: „Da möchte man es doch mal ausprobieren.“ 

Im Kampf mit dem postalisch zugestellten Produkt bekam er allerdings einige Zeit später Probleme. Die Sache sei eskaliert, erklärte der 20-Jährige seinen plötzlichen Ausstieg aus dem Experiment. „Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben.“ Und so habe er sechs Monate nach Lieferung die Reste der verbotenen Pillen entsorgt. „Ich habe die Schnauze voll davon.“ 

Das Ergebnis gab dem jungen Mann recht: Erfolgreich bestand er kürzlich seine Prüfung zum Mechatroniker – derzeit ist er auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Auch ein Studium sei nicht ausgeschlossen. 

Bleibt noch die Frage zu beantworten, wie die Ermittler dem jungen Mann auf die Spur kamen. „Der Händler ist hochgenommen worden“, erklärte der Staatsanwalt den Gang der Ermittlungen. Auf einem Rechner fanden die Beamten Rechnungen für gelieferte Drogen mitsamt Datum und Adressen. Als Zeugen wären die Internet-Verkäufer eher schwierig zu greifen gewesen. „Sie sitzen entweder in der Psychiatrie oder in Haft“, erklärte Richter Dirk Reckschmidt. 

Das Jugendschöffengericht wollte dem Angeklagten Gelegenheit geben, noch mal über seinen „jugendlichen Blödsinn“ nachzudenken, und verurteilte ihn zu 40 Sozialstunden.

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