Neues Hygiene- und Zugangskonzept

„Jugendliche leiden unter Corona“, heißt es aus dem Herscheider Jugendzentrum

Das Jugendzentrum soll für die Jugendlichen offen bleiben.
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„Open“ (geöffnet) steht auf dem Schild, das Silke Obier zeigt. Sie und ihr Kollege Andreas Wehberg wollen solange wie möglich das Jugendzentrum während der Pandemie für die Jugendlichen offen halten.

Herscheid – Die Corona-Pandemie belastet die Jugendlichen. Sie müssen nicht nur in der Schule oder am Arbeitsplatz Einschränkungen akzeptieren, sondern auch in ihrer Freizeit. Wie sie damit umgehen, darüber sprach unser Mitarbeiter Dirk Grein mit Silke Obier und Andreas Wehberg vom Herscheider Jugendzentrum.

Welche Auswirkungen hat der Shutdown auf das Jugendzentrum?

Silke Obier und Andreas Wehberg: Wir haben uns entschlossen, das Haus weiterhin zu öffnen. Das ist ein Zeichen an die Jugendlichen, dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten für sie da sind, wenn auch unter anderen Bedingungen. Wir haben ein Hygienekonzept geschrieben, das strengstens beachtet werden muss. Das funktioniert aber alles recht gut, wir konnten das ja schon in der letzten Zeit ausgiebig üben.

Stand die Öffnung des Hauses denn auf der Kippe?

Wir haben die neuen Vorschriften des Märkischen Kreises erhalten und das sind durchaus harte Auflagen. Da war es schon in der Diskussion, ob man unter diesen Voraussetzungen noch sinnvolle Jugendarbeit leisten kann. Wir sind der Meinung, dass wir das können. Es ist natürlich anders als unter normalen Umständen. Aber besser so, als gar keine Jugendarbeit. Für die Jugendlichen ist es wichtig, einen Anlaufpunkt zu haben, an dem sie sich treffen können und dass wir den Kontakt halten können. Beim Lockdown im Frühjahr, als das Jugendzentrum geschlossen war, haben wir die Erfahrung gemacht, dass man nur eine kleine Gruppe über digitale Angebote erreicht. Der persönliche Kontakt ist wesentlich wertvoller.

Das klingt überraschend...

Es ist so: Die Jugendlichen halten zwar ihre Freundschaftskontakte per Handy oder Internet. Aber der Bedarf, sich mit Leuten Auge in Auge zu treffen, ist wirklich groß. Dafür nehmen sie auch die Einschränkungen bei uns im Haus in Kauf: Kein Gerangel unter Mädels und Jungs, keine Partys, kein Toben im Toberaum. Unsere Besucher zeigen großes Verständnis und sind dankbar, dass wir öffnen können.

Was ist denn neu an dem November-Konzept?

Vorgabe ist es nun, nur noch feste Gruppenangebote zu machen und dass sich die Besuchergruppen nicht untereinander mischen. Das geht bei uns nicht, unter anderem weil wir nur auf einer Ebene Toilettenräume haben. Deswegen richten wir drei Besuchsblöcke ein, um möglichst vielen Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, das Haus zu besuchen. Pro Block können acht Kinder oder Jugendliche kommen. Nach jeder Besuchszeit müssen wir dann gründlich desinfizieren. Insgesamt sind 24 Besucher pro Tag möglich.

Wie ist denn die Besuchersituation im Moment?

Nach den Lockerungen hatten wir wieder richtig guten Zuspruch und einen festen Kreis an Stammbesuchern. Durch den Shutdown hat sich die Situation wieder geändert. Unter den neuen Bedingungen sind wir zwar ausgelastet. Wir bitten aber alle Leute, die nur für ein paar Minuten im Jugendzentrum vorbeischauen wollen, nicht zu uns zu kommen. Denn dann würden sie denjenigen Jugendlichen einen Platz wegnehmen, die länger hierbleiben wollen. Was wir machen können: Wer mit uns sprechen möchte, der kann an die Scheibe klopfen und dann kommen wir für ein Gespräch raus.

Wie geht ihr als Verantwortliche mit der Situation und den neuen Regeln um?

Der Lockdown ist mir viel schwerer gefallen, da mussten wir das Haus ja komplett schließen und über andere Wege kommunizieren. Da habe ich gemerkt: Jugendarbeit ohne Jugend ist total sinnfrei. Mittlerweile akzeptieren wir die Situation, wie sie ist. Es macht keinen Sinn zu jammern, wir wollen versuchen unser Bestes zu geben. Für uns ist es ein Übergang zu dem, was wir alles eigentlich für dieses Jahr geplant hatten, aber bald nachholen wollen, sobald es wieder möglich ist. Was wir versprechen können: Solange wir hier Jugendarbeit unter Hygienevorschriften leisten können, solange es erlaubt bleibt, das Haus zu öffnen, werden wir das auch machen. Natürlich immer im Einvernehmen mit der Gemeinde Herscheid.

Und wie bewerten die Jugendlichen die Corona-Regeln?

Für sie ist das wirklich hart. Hier bei uns im Haus klappt das gut, die Regeln werden beachtet. Sie sagen zwar „Scheiß Corona“, verstehen aber die Notwendigkeit der Verhaltensregeln. Und wir stellen fest, dass das Bedürfnis nach direkten Kontakten größer geworden ist als nach dem Lockdown im Frühjahr. Dass sie sich jetzt nicht mehr in größeren Gruppen treffen können, das finden sie nicht mehr lustig, darunter leiden sie. Umso wichtiger ist es ja, dass wir mit ihnen über ihre Ängste und Sorgen reden können. Das machen die Eltern sicherlich auch, aber es ist immer etwas anderes, wenn es jemand Außenstehendes macht.

Angesichts der sich nähernden Weihnachtszeit: Habt ihr einen Wunsch für eure weitere Arbeit?

Ich wünsche mir, dass die Allgemeinheit sieht, dass die meisten Jugendlichen sehr gut mit der Krise umgehen, sehr einsichtig sind und an einer Mitarbeit interessiert sind. Es gibt vielleicht Jugendliche, die sich draußen treffen und sich nicht an die Regeln halten. Aber der Großteil der Jugendlichen hat Verständnis für die Regeln und ist bereit, zu gucken, dass wir gemeinsam durch die Krise kommen. Dankbar sind wir übrigens für die Rückendeckung durch die Gemeinde, die uns beim Erstellen des Hygienekonzeptes geholfen hat – das war und ist eine sehr gute Sache. 

Drei Zeitblöcke für Besucher des Jugendzentrums

Das neue Hygienekonzept des Jugendzentrums sieht folgende Änderung vor: Das Haus darf nur in festen Gruppen von maximal acht Personen gleichzeitig besucht werden. Erst wenn diese Gruppe das Haus verlassen hat, darf die nächste Gruppe (wieder maximal acht Personen) das Haus betreten. Es gibt folgende feste Zeitblöcke für den Besuch des Jugendzentrums: Gruppe 1 von 15 bis 17 Uhr, Gruppe 2 von 17.30 bis 19 Uhr und Gruppe 3 von 19.30 bis 21 Uhr. In Gruppe 2 und 3 werden jeweils Besucher bevorzugt, die das Haus an diesem Tag noch nicht besucht haben. Darüber hinaus gelten unverändert die zuvor getroffenen Hygieneregeln wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in sämtlichen Räumen sowie auf dem Außengelände, Abstand zueinander halten, Desinfizieren der Hände, Registrierung in Besucherlisten. Die Zubereitung und Ausgabe von Essen ist untersagt; Getränke werden nur in verschlossenen Flaschen angeboten. Körperkontakt ist zu vermeiden; dies gilt insbesondere für Begrüßungsrituale wie Handschlag, Umarmungen oder Wangenkuss. 

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