Jürgen Becker begeistert mit rheinischem Humor

Mysterium der Fortpflanzung

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Jürgen Becker gab in der Hüinghauser Rammberghalle Kölsch-Nachhilfeunterricht.

Herscheid – Er ist Gastgeber der „Mitternachtsspitzen“ und damit Moderator der am längsten laufenden Kabarettsendung im deutschen Fernsehen. Die Rede ist von Jürgen Becker, der mit seinem Bühnenprogramm „Volksbegehren – Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung“ in der Rammberghalle Station machte.

Dort hatte er mit seinem Kölner Dialekt das Publikum schnell im Griff, sodass es sich schon nach wenigen Minuten vor Lachen bog. Mit auf die Leinwand projizierten Gemälden unterstrich Becker seinen Vortrag, in dem er zusätzlich geschickt Studien- und Marktforschungsergebnisse zu den verschiedensten Themen einfließen ließ. 

Sehr zur Belustigung seiner Zuschauer deutet er diese mit reichlich Humor: „60 Prozent der Männer machen sich tagsüber Gedanken über ihr Sexualleben“, verkündete Becker und kam zu dem Fazit: „Dann denken ja nur 40 Prozent an Fußball.“ 

Alles was unterhalb der Gürtellinie ablaufe, sei das Begehren, von dem das Volk beherrscht werde, erklärte er den Titel seines Programms. „Sex ist unser Jungbrunnen, denn aus zwei verschiedenen Leben entsteht ein Neues“, stellte er klar und schob direkt hinterher: „Wenn wir uns selbst kopieren würden – und das will die Natur nicht – würden wir auch 10 000 Deppen, also 10 000 Mal Pegida, reproduzieren.“ 

Parallelen zur Politik wurden häufiger gezogen. Denn Erotik spiele mittlerweile auch dort eine große Rolle, wie Jürgen Becker anhand von Wahlplakaten beweisen konnte und dies gleich mit zahlreichen auf den Punkt gebrachten Witzen garnierte. 

Selbst Staatspräsidenten sind seinem Spott ausgesetzt. Er präsentierte Halb-Nackt-Fotos von Obama am Strand und Putin am Wasser. Sein Kommentar: „Wenn es schwierig wird, ziehen die sich auch aus. Hoffentlich erspart uns das Merkel.“ 

Auch seinem Lieblingsadressaten der Kirche konnte Becker beim Thema Lust und Sexualität mehrere Seitenhiebe verpassen. Kommentare wie „Dann trifft ein Jüngling auf 72 Jungfrauen im Himmel und er denkt: Was soll ich denn mit so vielen Haushälterinnen? Und was sagt mein Freund dazu?“ sorgten für Lachsalven unter den Zuschauern. 

Welche Folgen es hat, wenn man nachts um vier aufwacht und seiner Partnerin sagt, dass man sich jetzt ein Bier und einen Jägermeister wünscht, wurde zum Glück nicht weiter hinterfragt. 

Jürgen Becker präsentierte Humor und Gedanken in feine Geschichten gepackt. Er trat als Erzähler auf, der seinen Zuhörern nicht nur Grund zum Schmunzeln, sondern auch Anstöße zum Nachdenken gab. „Akuter Frauenmangel“ herrsche zum Beispiel in Aachen, wie der Kabarettist verriet. Denn dort befinde sich die berühmte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH), laut Becker ein reiner „Jesuitenorden“, weshalb einer seiner wichtigsten Merksätze dazu lautet „Tausend Männer, keine Frau – ich studier Maschinenbau“. 

Wortwitz und rheinischer Humor prägten den Abend und verliehen Beckers Ausführungen eine passende Leichtigkeit. Das Publikum erfuhr auch erstaunliche Fakten, wie zum Beispiel, dass eine Russin, die ausschließlich Zwillings- und Drillingsgeburten hatte, 69 Kinder zur Welt bringen konnte. 

Deutlich zu erkennen war bei diesem Kabarettabend schließlich auch die rheinische Frohnatur Jürgen Beckers sowie seine Liebe zur Stadt Köln. So klärte er das Publikum unter anderem über die kölsche Sprache unter der Überschrift „Spaß am Freud, dat ‚Mich‘, dat ‚Dat‘ und dat ‚Övver Mich‘“ auf. Und spätestens seit Silvester 2015 sei Köln „sowas wie Lothar Matthäus als Stadt“, beschrieb er seine Heimat mit einem Augenzwinkern. 

Gute zwei Stunden unterhielt der Kabarettist seine Zuhörer und entließ sie erheitert und vor Lachen durchgeschüttelt in die Nacht.

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