Jochen Malmsheimer sorgt für nahezu ausverkauftes Haus

Ein Meister der Wortkunst bringt sein Publikum regelrecht zum Kugeln

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Ein Mann mit vielen Gesichtern und mit der Liebe fürs Detail: Jochen Malmsheimer lud seine Zuhörer ein zu einem „Austopf mit Einlage“.

Herscheid - Der Mann hat’s drauf: Kabarettist Jochen Malmsheimer beeindruckte in Hüinghausen mit so ziemlich allem, was man mit Worten anstellen kann. Und das in einer sagenhaften Geschwindigkeit. Alltägliches schmückte er bis ins kleinste Detail aus. 

Es sollte mit der Frau in den Urlaub gehen, nach Venedig. Doch, wie dahin? „Ich kann nicht fliegen. Nicht aktiv. Nicht passiv“, machte er klar. Auch schwimmen und laufen schloss er kategorisch aus. 

Mit dem Fahren war er schließlich einverstanden. Dass das Ganze dann aber mit einer zwölfstündigen Busfahrt passieren soll, wie ihm seine Frau offenbarte, verstörte Malmsheimer sichtlich. Dafür sei er nicht weißbärtig, nicht sabbernd, nicht beige genug. Er fahre am liebsten selbst und das allein („Der Mensch ist im Plural über 120 Minuten hinaus unaushaltbar“). Von seinen Knieschmerzen ganz zu schweigen. 

Malmsheimer – in „betont dreidimensionaler Anmutung“ – ist ein wahrer Meister der Wortkunst. Daran beseitigte er jeden Zweifel. Allein das Einsteigen in den Bus beschrieb er fast schon so lächerlich genau, dass es bald schwer war, überhaupt noch mitzukommen („Nicht jedes Mal klatschen, wenn Sie einen Witz verstehen“). Sei es der bleistiftdünne Strahl Luft aus der Düse über seinem Sitz oder wenn er von den jugendlichen Mitreisenden, den Heranwichsenden, der „Generation-Glotz-auf-die-Hand“ sprach. 

Malmsheimer verstand es, sein Publikum nicht nur mit feingeschliffenen Sätzen, sondern auch mit seiner Stimmgewalt zu entzücken. Er hob die Stimme, schlüpfte in mehrere Rollen, machte komische Geräusche. In einer Art Traum, als seine Frau auf der Bustoilette weilte, fand sich Malmsheimer mit den Helden seiner Jugend wieder, darunter Robin Hood, Long John Silver und Martin Luther. Alle, gesprochen vom Kabarettisten selbst, führten eine lebhafte Diskussion. Sie regten sich über geistferne Zeiten auf, Rassismus, Gefühllosigkeit, Ignoranz. 

Kaum ein Platz blieb frei: Knapp 200 Besucher kamen in die Rammberghalle – und waren sichtlich zufrieden.

Letztlich richtete sich der 58-Jährige mit einem Appell ans Publikum, doch bitte wieder mehr zu lesen. Großer Applaus. 

Das freute auch die Organisatoren. „Wir sind sehr zufrieden“, resümierte Herscheids Kulturbeauftragter Frank Holthaus. „Der ist richtig gut“. Das bewiesen die Zahlen: Gut 200 Besucher waren da. Nur sehr vereinzelt blieb mal ein Platz frei. 

Am 6. Dezember gibt es im Bürgersaal das Adventskonzert mit Christina Rommel, die bereits zum dritten Mal in den Herscheider Bürgersaal kommt und noch dazu von Jochen Malmsheimer scherzhaft als absoluter „Schlüpferstürmer“ angekündigt wurde. 

Und dann? „Dann ist erstmal Schluss für dieses Jahr mit dem Kulturprogramm“, sagte Holthaus, der sich schon darauf freut, am 25. November das Programm 2020 im Schul- und Kulturausschuss vorzustellen.

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