Interview mit Laura Brüggemann

In Herscheid wird einiges geboten

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Die Ideen gehen Laura Brüggemann anscheinend nicht aus: Auf einem Whiteboard in ihrem Rathaus-Büro plant sie kommende Veranstaltungen, hängt Plakate und Einladungskarten auf und macht sich Notizen zu möglichen Kooperationspartnern.

HERSCHEID - Sie kümmert sich darum, dass den Bürgern in Herscheid das Älterwerden so angenehm wie möglich gemacht wird. Laura Brüggemann ist vor Ort für die Altengerechte Quartiersentwicklung zuständig.

Im Juli 2015 begann das Modellprojekt des Landes NRW, seither hat die heute 31-Jährige vieles auf den Weg gebracht. Über ihre Arbeit und zukünftige Ideen sprach Laura Brüggemann im Interview mit Redakteur Dirk Grein.

Als Sie vor drei Jahren begann ihre Mission „Altengerechte Quartiersentwicklung“ begannen, konnten vermutlich nur wenige Herscheider etwas mit diesem Begriff anfangen oder? 

Laura Brüggemann: Das ist heute noch schwierig. Meistens stelle ich mich direkt mit meiner Tätigkeit vor, also dass ich mich darum kümmere, dass man gut älter werden kann. Es ist wichtig, dass man ein Quartier – also ein Dorf oder die Gemeinde – nur sicher aufstellen kann für das Leben im Alter, wenn man sich nicht nur auf alte Menschen konzentriert, sondern alle Menschen mitnimmt. 

Wie verliefen die Anfänge Ihres Projektes? 

Brüggemann: Zunächst musste ich den Ort und die Menschen hier kennenlernen und gucken, welche Angebote bereits bestehen. Es geht mir ja nicht darum, immer neue Sachen zu entwickeln, sondern darum, die Dinge, die gut funktionieren, zu berücksichtigen und zu stärken. 

Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand in Herscheid? 

Brüggemann: Es ist schon eine Menge, die hier geboten wird. Trotzdem höre ich immer wieder von Leuten Kritik zu Dingen, die nicht funktionieren oder ihrer Meinung nach fehlen. Oftmals wissen sie aber gar nicht, dass das erwünschte Angebot bereits in Herscheid existiert. 

Sie nehmen die Menschen also an die Hand und zeigen Ihnen die Möglichkeiten: Wie wurde das angenommen? 

Brüggemann: Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden. Ich habe viele Einladungen erhalten und wurde gefragt, ob ich meine Ideen vorstellen kann, das hat wirklich gut geklappt. Schwierig wurde es immer dann, wenn es Probleme gibt, die nicht schnell gelöst werden können, wo es vielleicht auch ein bisschen unbequem wird, weil die Leute ihren Teil zum guten Leben im Alter dazutun müssen. Die Frage „Wie wohne ich im Alter“ treibt die Leute sehr um. Dann ist Fingerspitzengefühl gefragt, um klar zu machen, wie die tatsächliche Ausgangslage ist. 

Sie kümmern sich nicht nur um Einzelberatung, sondern auch um Projekte für die Allgemeinheit. Welche? 

Brüggemann: Es gibt Dinge, die gut funktionieren, die ich teilweise gar nicht selbst umsetze, die aber durch Netzwerkarbeit mit Akteuren entstanden sind. Zum Beispiel die Diakoniestation, die die Betreuungsgruppe im Martin-Luther-Haus anbietet. Ich finde es auch total schön, dass wir vier Mal im Jahr sonntags im Seniorenzentrum frühstücken. Die Arbeit mit den Ehrenamtlichen ist natürlich sehr wichtig, weil da Leute sind, die sich engagieren möchten und die auch bereit sind, sich anzupassen. 

Es gab aber auch Projekte, die auf geringes Interesse gestoßen sind. 

Brüggemann: Ja natürlich. Man kann immer nur ausprobieren, ob etwas ankommt oder nicht. Da sollte man dann auch nicht traurig sein, wenn mal etwas nicht klappt, dann macht man damit halt nicht weiter. Bei Informations-Veranstaltung ist das etwas anderes: Es gibt Themen, mit denen sich niemand wirklich gern auseinandersetzt, beispielsweise Demenz. Die Hemmschwelle ist dabei sehr hoch. Deswegen ist es wichtig, dass man die Angebote immer wieder macht und am Ball bleibt. 

Sie sind durch ein Modellprojekt des Landes nach Herscheid gekommen, das jetzt nach drei Jahren ausläuft. Wie geht es für Sie weiter? 

Brüggemann: Ursprünglich war die Laufzeit nur bis Februar, aber man konnte um ein halbes Jahr verlängern, was wir auch getan haben. Danach geht die Arbeit aber für mich im Herscheider Rathaus weiter, vielleicht mit etwas anderen Schwerpunkten. Ich bleibe als Ansprechpartnerin für alle Dinge rund um das Leben im Alter erhalten. Auch die Arbeit im Gesundheits- und Pflege-Netzwerk sowie im Demenz-Netzwerk, die einen Großteil meiner Arbeit ausmacht, wird fortgesetzt. Der einzige Unterschied: Die Arbeit wird nicht mehr vom Land gefördert, sondern von der Kommune bezahlt. 

Welche Ideen haben Sie für Ihre zukünftige Arbeit? 

Brüggemann: Ideen habe ich einige, aber viele Dinge muss man langsam angehen. Wenn man etwas zu schnell macht, dann verpufft es. Ziel soll es sein, Dinge zu organisieren, die sich selbst tragen. Dann schaue ich immer erst, mit welchen Akteuren ich zusammenarbeiten kann. Und wenn das gegeben ist, dann werden die Dinge auch angepackt. So wie beim Waffelfest in den Dorfwiesen.

Zum Abschluss des Modellprojektes „Altengerechte Quartiersentwicklung“ lädt Laura Brüggemann im Namen der Gemeinde Herscheid am Sonntag, 17. Juni, zum ersten Waffelfest ein. Von 14.00 bis 17.00 Uhr wird die Dorfwiese zur Schlemmermeile. Herscheider Vereine, Institutionen und Gruppen haben ihre Hilfe zugesagt. Sie wollen Waffeln in verschiedenen Geschmacksvariationen (von süß bis herzhaft) und mit vielen Extras zubereiten. Die Stände und auch die Sitzgelegenheiten werden auf den asphaltierten Wegen aufgebaut; die Besucher sind aber auch herzlich dazu eingeladen, Picknickdecken mitzubringen, um sich einen bequemen Platz in den Dorfwiesen auszusuchen. Laura Brüggemann will diesen Nachmittag nutzen, um an Stellwänden die Ergebnisse ihrer Arbeit vor Ort vorzustellen.

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