INTERVIEW Christina Rommel über ihre Vorliebe für kleine Orte und Publikumsnähe

Schokoladenfieber-infiziert

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Beste Erinnerungen hat Christina Rommel an ihren ersten Auftritt in Herscheid, im Juni 2008: Nach ihrem Auftritt im Lokschuppen erhielt die Sängerin von Kulturamtsleiter Frank Holthaus (links) und im Beisein von MME-Schaffner Martin Stahlschmidt (rechts) einen Plüsch-Spiekus. 

HERSCHEID - Sie lebt Musik und nascht gern Schokolade. Was liegt näher, als beides miteinander zu kombinieren? Genau das macht Pop-Sängerin Christina Rommel bei ihren Schokoladen-Konzerten. Vor ihrem Auftritt am Samstag im Bürgersaal sprach die Erfurterin mit Dirk Grein über ihre Motivation, auf der Bühne glücklich zu sein, und über ihre Erinnerungen an Herscheid.

Vollmilch oder Zartbitter? 

Christina Rommel: Vollmilch. 

Milka oder Lindt? 

Rommel (lacht): Weder noch, es muss schon Chocolatier-Schokolade sein. 

Heißer oder kalter Kakao? 

Rommel: Heißer. 

Warum überhaupt Schokolade und nicht etwa Gummibärchen? 

Rommel: Das frage ich mich jetzt auch, warum sollen es die Gummibärchen nicht sein? Ich nasche überhaupt sehr gern und daher gehören Gummibärchen zum Alternativ-Programm natürlich mit dazu. Schokolade ist aber meine große Leidenschaft. 

Wann kamen sie auf die Idee zu ihren Schoko-Konzerten? 

Rommel: Es fing alles mit einem Song über Schokolade an, den ich vor zehn Jahren aufgenommen habe. Damals haben wir uns einfach so getraut, unseren Fans während der Auftritte Schokolade zu reichen. Das kam super an. Und am Ende war die CD mit dem Schokoladen-Song die meistverkaufte CD. Das Thema Schokolade scheint also nicht nur für mich magisch zu sein, sondern für viele andere auch. Wir haben recherchiert, geschrieben und komponiert – entstanden ist ein ganzer Abend rund um die Schokolade. 

Sie waren 2011 bereits mit Ihrem Schokoladen-Konzert in Herscheid. Hat sich das Konzept seither geändert? 

Rommel: Jedes Jahr gibt es ein neues Schokoladen-Programm, seit acht Jahren mittlerweile. Neue Schokoladen, neue Songs und neue Geschichten, die wir erzählen – das macht es aufregend für alle Seiten. Wenn man so ein Konzert 100 Tage im Jahr spielt, dann muss man selbst auch immer für neue Momente sorgen, damit es am Ende nicht Routine wird. 

Inwiefern unterscheidet sich ein solches Schokoladen-Konzert von einem „normalen“ Rommel-Auftritt? 

Rommel: Wir kommen ursprünglich aus dem deutschen Rock-Pop-Bereich. Normalerweise ist ein Christina Rommel-Konzert wesentlich lauter, rockiger, wilder. Wir genießen an dem Abend: Es wird auch rockig sein, aber es gibt eben auch mal – wenn unser Chocolatier uns ärgern möchte – eine swingige, freche Antwort auf seine Frage. Schokolade ist Abenteuer pur, Musik aber natürlich auch. Ich habe Musiker an meiner Seite, die alle Genres beherrschen. Daher wird es auch mal swingig oder jazzig sein, es kann auch mal ein Chanson dabei sein. 

Neben der Vorliebe für Schokolade mögen Sie Auftritte an ungewöhnlichen Orten. Weshalb? 

Rommel: Ich möchte mich einfach wohlfühlen und glücklich sein mit dem, was ich tue. Deswegen haben wir uns überlegt: Bei welchen Konzerten waren wir bisher am glücklichsten? Man hat ja als Band, gerade wenn man jung ist, manchmal auch Aufgaben, bei denen man verheizt wird. Da spielt man dann in einem Autohaus oder in irgendwelchen Einkaufszentren. Das sind aber nicht unbedingt für den Künstler die schönsten Konzerte, sondern nur Kompromisse, die man eingeht. Wir haben festgestellt, dass die Konzerte immer am schönsten waren, wenn wir an besondere Orte gekommen sind. 

Können Sie ein Beispiel nennen? 

Rommel: Ich weiß noch genau, als wir in Hüinghausen waren. Der Auftritt im Lokschuppen war unser Einstieg in Herscheid. Das war eins der schönsten und lustigsten Konzerte, die ich in meinem ganzen Leben gespielt habe. Zu solchen Orten kommen einfach auch besondere Menschen. Ich werde das nie vergessen: Wir sind mit der Bahn zum Lokschuppen gefahren, das war einfach cool. 

Sie leben von der Musik und doch scheint für Sie die Größe eines Publikums nicht entscheidend zu sein. Wie passt das zusammen? 

Rommel: Ich brauche als Musikerin nicht tausende von Menschen vor mir. Natürlich sind wir glücklich, dass die Konzertorte immer größer geworden sind. Wenn Sie mich aber als Musikerin fragen, was mir für Konzerte am liebsten sind, dann sind es eben die Auftritte, bei denen man dem Publikum ganz nah sein kann. Dann kann man aus den Augen ablesen, ob das ein Song war, der den Menschen vor mir angesprochen hat oder nicht. An solchen Orten kann man auch ein bisschen experimentieren. Wenn man ein bisschen die Stimmung, die Vibration aus dem Publikum an sich heranlässt und darauf reagiert, dann sind das meistens die Konzerte, die man so schnell nicht vergisst. Dann fließt eine ganz besondere Energie zwischen Publikum und Musikern, die man in großen Hallen nicht hat. Die kleinen Orte haben einen ganz besonderen Charme und machen mich als Musikern immer besonders glücklich. 

Warum sollte man am Samstagabend den Herscheider Bürgersaal besuchen? 

Rommel: Wenn man handgemachte Musik erleben möchte und ganz nah dran sein will, dann gibt es nicht mehr viele Orte auf unserer Tour, an denen das überhaupt möglich ist. Musikfans und Schokoladenfans sind gleichermaßen eingeladen vorbeizukommen. Weil der Ort so kuschelig und gemütlich ist, wird es von allem sicherlich mehr als genug geben. Wahrscheinlich sogar mehr Schokolade als sonst, mehr Musik und Musikerlebnis als in größeren Hallen möglich. Wer das noch zu schätzen weiß, der ist in Herscheid genau richtig. 

Dürfen denn auch Leute kommen, die keine Schokolade mögen? 

Rommel: Natürlich. Obwohl, das ist schon eine blöde Frage. Wer keine Schokolade mag, der würde sich an so einem Abend vermutlich gar nicht angesprochen fühlen. Aber der Ehemann, der mitmuss, der wird sicher nicht unglücklich nach Hause gehen. Aber so ein kleines bisschen schokoladenfieber-infiziert muss man glaube ich schon sein . . .

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