Interview mit dem Bürgermeister: Ein arbeitsreicher Sommer

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Bürgermeister Uwe Schmalenbach im Interview mit dem Süderländer Tageblatt

Herscheid - Die Sommerpause im Rathaus Herscheid fällt in diesem Jahr aktiver denn je aus. Warum das so ist und welche Projekte vorbereitet werden, darüber sprach Bürgermeister Uwe Schmalenbach im Interview mit unserem Redakteur Dirk Grein.

Wie wirkt sich die Urlaubszeit in den Sommerferien auf den Bürgermeister aus? Haben Sie Langeweile? Uwe Schmalenbach: „Nein, ich habe keine Langeweile. Man kommt jetzt mal dazu, ein paar Dinge aufzuarbeiten, die man sonst nicht schafft.“

Welche Dinge sind das? Schmalenbach: „Natürlich viele Themen, mit denen man sich jetzt näher beschäftigen kann und in Ruhe anschauen kann, was in letzter Zeit vielleicht ein bisschen kurz gekommen ist. Aber man fragt sich auch: Wo stehen wir jetzt, wo geht es hin? Natürlich schaue ich mir den Fahrplan für die nächste Zeit an.“

Angesichts von einigermaßen stabilen Finanzen und Förderungsbewilligungen für Bauprojekte – fällt einem die Arbeit als Bürgermeister in letzter Zeit leichter? Schmalenbach: „Was die Finanzsituation angeht ist die Arbeit natürlich ein bisschen beruhigender. Andererseits: Leichter ist es schon allein deswegen nicht, weil wir an unheimlich vielen Themen arbeiten, die sehr zeitintensiv sind. Zum Beispiel bereiten wir im Moment die Ausschreibung für das Bildungszentrum vor – das ist eine Ausschreibungsmaßnahme in einem Umfang, wie wir sie noch nicht gehabt haben. Wir schreiben zum ersten Mal in der Geschichte dieser Gemeinde etwas europaweit aus, was einen ganz anderen Aufwand und andere Pflichten bedeutet,“

Die Rahlenbergschule im Sommer 2017: Seit dem Ende der Hauptschule vor drei Jahren werden nur noch vereinzelte Räume von der VHS und für ehrenamtlichen Sprachunterricht für Flüchtlinge genutzt. Die Beschmierungen der Fassade haben zugenommen.

Warum erfolgt die Ausschreibung europaweit? Schmalenbach: „Weil wir für das gesamte Projekt über den finanziellen Rahmen kommen. Wir haben ja im Moment eine Baumaßnahme von 2,7 Millionen Euro, das allein würde keine europaweite Ausschreibung bedeuten. Da wir aber insgesamt deutlich über fünf Millionen Euro kommen und der Fördermittelgeber es als eine große Maßnahme ansieht, auch wenn sie über mindestens drei, vier Jahre läuft, wird europaweit ausgeschrieben. Allerdings wird mit einzelnen Gewerken ausgeschrieben, sodass wir, so hoffe ich doch, hier auf heimische Unternehmen zurückgreifen können. Aber das Verfahren ist schon etwas anders und sehr anspruchsvoll.“

Bildungszentrum, Neubaugebiet Rahlenberg, Freibad, Neugestaltung der Ortsmitte – für das Bauamt wird es bestimmt keine ruhige Ferienzeit. Schmalenbach: „Nein, im Bauamt läuft alles weiter. Ich bin auch froh, dass Frau Schwartpaul zum 10. August zumindest stundenweise aus der Elternzeit zurückkommt, weil das Bauamt die Vielzahl der Projekte gar nicht abwickeln kann. Der Großteil der großen Projekte, die aktuell vor uns liegen, spielt sich genau in diesem Bereich ab.“

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Maßnahmen zeitlich eng beieinander liegen... Schmalenbach: „Ja. Die Ausschreibungsvorbereitung für die Hochwasserschutzmaßnahme im Freibad beispielsweise läuft im Moment, weil wir versuchen wollen, diese nach Möglichkeit noch im Herbst umzusetzen. Wir übernehmen aber auch die Landstraßenplanung, obwohl der Ausbau der Landstraße ja gar nicht so unser Thema ist. Auch da müssen wir gucken, dass das läuft, weil die Vergabe möglichst direkt nach dem Sommer erfolgen soll.“

Das Bauamt erhält also personelle Verstärkung; wie sieht es im Bürgerbüro aus, wo zuletzt an einzelnen Tagen die Öffnungszeiten verkürzt werden mussten? Schmalenbach: „Eine Kollegin ist vorzeitig in Elternzeit gegangen, dann wird es schwierig, wenn die Auszubildenden auch noch im Blockunterricht sind. Aber inzwischen sind die beiden wieder da und eine neue Kollegin konnte anfangen, insofern hat sich da die Situation wieder ein bisschen stabilisiert.“

Nochmal zurück zum Thema Schule: Ist die Schockstarre nach dem Ende der Rahlenbergschule inzwischen der Vorfreude auf das neue Bildungszentrum gewichen? Schmalenbach: „Ich hoffe es. Ich habe bei beiden Schulen den Eindruck, dass sie das als positives Projekt annehmen und als Chance sehen, dass sich für die Grundschule vieles verbessert in puncto Einrichtungssituation, Sanitäranlagen oder technische Ausstattung. Wenn wir diese Chance nutzen, uns nach über 50 Jahren Schulbau neu aufzustellen, dann wird es insgesamt ein gutes Projekt. Zumal es ja nicht nur die Schule betrifft, sondern auch die Volkshochschule und Kulturangebote. Zusammen mit der Zertifizierung als Naturparkschule sind wir dann, für die Möglichkeiten die wir als kleine Gemeinde haben, gut aufgestellt.“

Aus ehemals drei Schulen in Herscheid bleibt nach dem Ende der Hauptschule und der Verschmelzung der Grundschulen nur noch eine Schule übrig. Schmalenbach: „Eine weiterführende Schule war für Herscheid nicht mehr machbar, da haben wir alle Möglichkeiten geprüft und auch versucht, so lange es möglich war, an der Hauptschule festzuhalten, was dann irgendwann nicht mehr ging. Jetzt muss man die Geburtenzahlen weiterhin beobachten, denn die zeigen uns, wie in sechs Jahren die Schülerzahlen aussehen. Gegenüber früheren Jahren stellen wir natürlich einen Rückgang fest. Insofern ist es meiner Meinung nach gut und richtig, dass wir uns mit einer guten Schule vernünftig aufstellen. Die Lehrerversorgung richtet sich immer nach der Zahl der Schüler und das dann noch aufgeteilt auf zwei Standorte wird in den nächsten Jahren immens schwierig. Wenn das Bildungszentrum aber so wird, wie wir uns das in den aktuellen Plänen vorstellen, dann sind wir für die nächste Zeit gut aufgestellt.“

Im nächsten Teil unseres Sommerinteviews spricht Bürgermeister Uwe Schmalenbach über die Themen Industriegebiet Friedlin und schnelleres Internet.

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