Interview mit der Autorin Clara Gabriel

Dem Virus Postkarte verfallen

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Lesung und Historienforschung vereint: Clara Gabriel wird im Bürgersaal per Beamer Einblicke in ihr Postkartenalbum gewähren, welches der Anstoß für ihr Buch war.

HERSCHEID - Die heimische Autorin Clara Gabriel stellt am Donnerstag, 12. April, ihr Buch „Postkarten an Dora“ im Herscheider Bürgersaal vor. Im Interview mit Redakteur Dirk Grein spricht sie über die Entstehungsgeschichte ihres Romans, eine mögliche Fortsetzung und ihren „Postkarten-Virus“.

Die Hauptfigur Ihres Romans heißt Dora Neumann. Wurde dieser Name zufällig gewählt oder gibt es dazu eine Geschichte? Clara Gabriel: Der Name ist nicht zufällig gewählt, denn so hieß die Empfängerin der historischen Postkarten, die mich zu meinem Roman inspiriert haben. 

Die Geschichte ist also nicht in Gänze ausgedacht?Gabriel: Nein, wie gesagt, mir ist eine alte Postkartensammlung in die Hände gefallen. Die Karten datieren auf einen Zeitraum von 1905 bis 1913 und bei der Durchsicht fiel mir auf, dass fast alle an die gleiche Person adressiert sind. Eben jene Dora Neumann, wohnhaft zunächst an verschiedenen Adressen in London, dann in der Reconquista 322 in Buenos Aires. 

Von den Postkarten zum Debütroman - wie kam es dazu? Gabriel: Eine Deutsche in Südamerika, das hat mich einfach fasziniert. Wie kam sie dahin und was hat sie da gemacht? Ich wollte wissen, wer diese Dora Neumann war. Also begann ich zu recherchieren und fand wenig bis Nichts. Langer Rede kurzer Sinn: Die Geschichte „meiner“ Dora ist komplett erfunden und doch birgt sie einen wahren Kern. 

Bietet Dora ausreichend Lesestoff für eine Fortsetzung?Gabriel (lacht): In Doras Sammlung befanden sich insgesamt 192 Postkarten, so schnell geht mir der Stoff nicht aus. Und ohne das Ende des ersten Buchs verraten zu wollen: Irgendwie sind die Karten ja auch zurück nach Deutschland gelangt, sonst hätte ich sie 100 Jahre später nicht finden können. Also schlummert allein darin schon eine Fortsetzung. Außerdem wurden nicht alle Handlungsstränge jeder Nebenfiguren aufgelöst, deshalb schreiben mir Leserinnen und fragen, was aus denen geworden sei. 

Sie haben Ihr Erstlingswerk auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt präsentiert, aber auch im Rahmen von Lesungen in Ihrer Heimatstadt Plettenberg sowie der Partnerstadt Schleusingen. Was war intensiver? Gabriel: Das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Messen sind dazu da, um sich zu zeigen und das Buch zu präsentieren, während es bei einer Lesung vor allem darum geht, das Publikum gut zu unterhalten. Eine Lesung ist schon durch den kleineren Rahmen intensiver, man ist viel näher dran am Zuschauer und „erlebt“ etwas gemeinsam. 

Worauf dürfen sich die Besucher der Lesung in Herscheid freuen?Gabriel: Auf eine spannende Zeitreise zur Grenze zwischen Realität und Fiktion. Denn ich habe nicht nur Doras Geschichte, sondern auch eine Präsentation über ihre Postkarten im Gepäck, die die gelesenen Szenen untermalen. Die Zuschauer können sich selbst ein Bild davon machen, was mich daran so fasziniert hat oder welche Karte die Inspiration zu einer Szene war. Und ich merke bei den Lesungen immer, wie dann der Funke überspringt. Am Ende des Abends sind die Zuschauer dann selbst dem „Postkarten-Virus“ verfallen, das ist nämlich ansteckend. Zu Hause werden dann alte Briefe und Fotos rausgekramt oder die Familiengeschichte recherchiert – hatten wir nicht einen Großonkel in Australien? Ich nenne diesen Zustand auch „Dora-fiziert“. 

Warum sollte man am nächsten Donnerstag unbedingt in den Bürgersaal kommen?Gabriel (lacht): Hm, vielleicht hätte ich das mit dem Postkarten-Virus nicht erwähnen sollen? Ich freue mich schon sehr auf die Lesung in Herscheid und kann versprechen: Es wird unterhaltsam und lustig, denn Dora war ein echter Feger und wir werden zusammen einen schönen Abend verbringen.

Die Lesung von und mit der heimischen Autorin Clara Gabriel am Donnerstag, 12. April, beginnt um 20.00 Uhr. Einlass in den Bürgersaal des Rathauses ist ab 19.30 Uhr (freie Platzwahl). Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf zum Preis von fünf Euro an den folgenden Stellen: Bürgerbüro des Rathauses, Lotto Panne, Dorfladen Hüinghausen, Buchhandlung Plettendorff (Plettenberg) sowie im Musikhaus Auth (Lüdenscheid). Auch an der Abendkasse wird der Eintritt fünf Euro kosten.

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