Interview zu Allerheiligen mit Pfarrer Patrick Schnell

„Das Dunkle im Leben gehört dazu“

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Pastor Albert Akohin segnete an Allerheiligen auch die Urnengräber auf dem Herscheider Friedhof.
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Herscheid – Allerheiligen an einem Freitag – das bedeutet für viele Menschen ein verlängertes Wochenende. Aber warum feiern wir Allerheiligen? Wie passt dieser stille Feiertag in unsere oftmals schrille Welt? 

Darüber und über weitere Aspekte sprach unser Mitarbeiter Dirk Grein mit Patrick Schnell, Pfarrer der Katholischen Pfarrei St. Laurentius Plettenberg-Herscheid.

Herr Schnell, wie bereiten Sie sich auf Allerheiligen vor?

Ich bereite mich wie auf jeden anderen Feiertag oder Sonntag auch vor. Das bedeutet, ich schaue nach, wie die Liturgie gefeiert wird. In diesem Fall bereite ich mich auf die Heilige Messe und die Gräbersegnung ganz besonders vor. 

Stichwort Gräbersegnung: Welches Ziel verfolgt dieser Brauch? 

Das Konzil hat einmal formuliert, die Kirche ist heilig und doch immer der Heiligung bedürftig. Das bedeutet: Wir sind heilig, weil wir den Heiligen Geist in Taufe und Firmung erhalten haben. Und doch wissen wir ja, dass das mit der Heiligkeit im konkreten Leben manchmal schwierig ist. Weil wir an Allerheiligen auch der himmlischen Kirche gedenken, liegt dann auch nahe, unserer Verstorbenen zu gedenken. Das machen wir an Allerheiligen durch die Segnung der Gräber. Dabei erbitten wir Gottes Segen für die Verstorbenen, ganz besonders für die, die im letzten Jahr verstorben sind und auf dem jeweiligen Friedhof begraben wurden. An Allerseelen feiern wir dann eine Heilige Messe für die Menschen, die im vergangenen Jahr insgesamt verstorben sind aus unserer Pfarrei. 

Passt ein stiller Feiertag noch in die heutige Zeit? 

Auf jeden Fall. Das Denken an die Verstorbenen verbindet uns alle, gerade jetzt im November. Dadurch, dass es ein staatlicher Feiertag ist, muss man in Kauf nehmen, dass manche Menschen sich ein langes Wochenende machen. Aber so ein stiller Feiertag, sofern man ihn still begeht, kann auch ein Punkt sein, an dem ich sage, ich habe ständig Lärm um die Ohren – sei es Fernsehen oder Musik im Hintergrund. Dann gibt es einen Tag, an dem ich es ruhiger angehen lasse. Ich gönne mir die Stille, um mich ein wenig zu erholen. Das kommt dann nicht vielleicht der traditionellen kirchlichen Intention entgegen, ist aber auch wichtig für die Menschen, die den Hintergrund nicht mehr haben. 

In letzter Zeit wächst der Unmut an stillen Feiertage – Stichwort Tanzverbot. 

Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Natürlich gibt es Leute, die sagen, wir haben einen freien Tag und möchten diesen beliebig gestalten. Die Konsequenz wäre ja, daraus keinen staatlichen Feiertag mehr zu machen oder eine Art Mischform. Das finde ich schwierig. Ich meine, da müssen wir die Fahne hochhalten für den stillen Feiertag. 

Ist Allerheiligen also ein Angebot der Kirche, aus dem geräuschvollen Alltag Tag auszusteigen? 

Ja. Und es ist eine Möglichkeit, sich bewusst zu werden, dass unser Leben endlich ist. Das wird sonst ja gerne mal vergessen, dass zumindest das irdische Leben irgendwann einmal aufhört. Wir als Christen haben aber die Hoffnung, dass Gott uns ein neues Leben schenkt – auch das steckt in Allerheiligen. 

Im November häufen sich die Gedenktage und bei vielen Menschen auch die trübe Stimmung. Warum hat der Monat trotzdem seine Berechtigung? 

Wir gedenken im November gerade deswegen, weil alles dunkler wird, weil sich die Natur auf den Winterschlaf vorbereitet, der auch als Todesschlaf bezeichnet wird. Im Frühling kommen die Feste, mit denen wir das Leben feiern. Das Dunkle im Leben gehört dazu. Weil wir ja auch immer wissen, am Ende ist Licht und es wird wieder heller. Jetzt haben wir die Phase des Dunklen vor uns, aber spätestens am 23. Dezember kehrt es sich ja wieder um und es wird heller. 

Kann man sich auf einen stillen Feiertag freuen? 

Also ich freue mich jedenfalls darauf. 

Warum? 

Ich mache mir an Allerheiligen klar, dass ich nicht allein bin. Wir feiern zwar das Totengedenken, aber wir feiern auch das Leben. Das ist etwas, worauf ich mich freue.

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