Zwei Herscheider Familien, ein gemeinsames Schicksal: Wenn Schule zur Last wird

Inklusion ist bloße Illusion: Ein Plädoyer für die Förderschule

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Das Thema Schule und Förderbedarf beschäftigt Zsolt (links) und Tanja Sebeny (Mitte) täglich. Unterstützung erhalten sie von ihrer Freundin Antje Rein (rechts). Die drei Herscheider bedauern die Schließung der Friedenschule Lüdenscheid und des Teil-Standortes in Plettenberg, weil dort wichtige Arbeit geleistet wird und der Bedarf an Förderschulplätzen steigen wird.

HERSCHEID - Verärgert blicken Tanja und Zsolt Sebeny auf den Bericht in der Heimatzeitung. Die beiden Herscheider können und wollen nicht verstehen, dass die Lüdenscheider Friedensschule geschlossen werden muss. Aus eigener Erfahrung wissen sie, wie wichtig die Arbeit der Förderschulen ist.

„Das ist politischer Blödsinn“, platzt es aus Zsolt Sebeny heraus. Er ist sich sicher, dass der ohnehin schon große Bedarf in Zukunft weiter wachsen wird. 

Denn es gebe viele Kinder, die eine gezielte Förderung benötigen; eine Förderung, die eine Regelschule – auch wenn es politisch so gewollt war – nicht leisten kann, ist sich die Familie Sebeny sicher. Ihr Sohn sei das beste Beispiel dafür. 

Der heute 13-Jährige besuchte zunächst die Grundschule Hüinghausen. Bereits damals wurde bei ihm der Förderschwerpunkt Lernen festgestellt. Aufgaben wie Lesen oder Schreiben fallen ihm schwer; diese, erfüllt er langsamer als seine Mitschüler. 

Die Förderkraft in Hüinghausen sei gezielt auf die Bedürfnisse des Jungen eingegangen. „Das hat super funktioniert“, so Tanja Sebeny. Nach der vierten Klasse erhielt ihr Sohn die Empfehlung, entweder zur Förderschule nach Plettenberg zu gehen oder zu einem Lüdenscheider Gymnasium. 

Die Entscheidung fiel den Eltern nicht leicht, aus persönlichen Gründen fiel die Wahl letztlich auf die Lüdenscheider Schule – ein Fehler, wie sich nun herausstellt. 

Jährlicher Wechsel des Förderlehrers, pro Woche nur zwei Stunden Förderung, schlechte Noten, kaum Freunde in der Klasse – die Situation für den jungen Herscheider ist belastend. Nicht nur er leidet, sondern die gesamte Familie. 

„Das macht keinen Sinn mehr an dieser Schule“, sagt Vater Zsolt. Die politische Idee der Inklusion an den Regelschulen sei nicht mehr als eine Illusion – die Realität sehe anders aus, sagt der Herscheider. 

Seine Entscheidung steht fest: Nur ein Wechsel zu einer Förderschule kann das Problem lösen und seinem Sohn helfen. Doch weder von Seiten der Behörden, noch von Seiten des Gymnasiums gebe es ausreichend Unterstützung, bemängelt Zsolt Sebeny. 

Umso glücklicher ist die Familie, mit Antje Rein nicht nur eine gute Freundin zu haben, sondern auch eine kompetente Ratgeberin. Auch der Sohn der Herscheiderin fühlte sich an der Regelschule (eine Realschule) unwohl, missverstanden, vernachlässigt. 

Die Situation drohte zu eskalieren, führte die Familie an ihre Grenze. „Ich habe meinen Sohn nicht mehr wiedererkannt“, berichtet die Mutter von Momenten der Trauer und der Wut. 

Seit ihr Sprössling, inzwischen 14 Jahre alt, die Mosaikschule in Meinerzhagen besucht, blüht er auf. „Er geht wieder gerne zur Schule, macht freiwillig seine Hausaufgaben, ist sozial gereift“, beschreibt Antje Rein den Wandel. Sie gesteht, dass ihr der Entschluss anfangs nicht leicht gefallen sei. Befürchtungen, ihr Sohn könnte „abgestempelt“ werden, weil er eine Förderschule besucht, haben sich aber nicht bewahrheitet. „Es war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten“, sagt Antje Rein. 

Eine ähnliche Entwicklung wünscht sich auch die Familie Sebeny. „Wir hoffen, dass unser Sohn so schnell wie möglich an die Mosaikschule wechseln kann“, sagt Mutter Tanja. Ihr Gatte Zsolt sieht letztlich nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft in der Pflicht: Niemand dürfe heutzutage aufgrund möglicher Einschränkungen oder Besonderheiten ausgegrenzt werden: „Wir Menschen sind alle unterschiedlich und das ist gut so.“

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