In den Kitas herrscht bald wieder Vollbetrieb, denn: „Die Kinder brauchen uns“

Um das Infektionsrisiko zu verringern, verlagern die Erzieherinnen – hier ein Bild aus der DRK-Kindertagesstätte am Nelkenweg – wenn es das Wetter
 zulässt, viele Aktionen nach draußen.
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Um das Infektionsrisiko zu verringern, verlagern die Erzieherinnen – hier ein Bild aus der DRK-Kindertagesstätte am Nelkenweg – wenn es das Wetter zulässt, viele Aktionen nach draußen.

Ab dem 22. Februar können alle Kinder wieder in die Kindertagesstätten kommen. Der NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) hat seinen Appell, die Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu betreuen, aufgehoben. Stattdessen kündigt er einen landesweit eingeschränkten Regelbetrieb an.

Herscheid - Wie bereits in großen Teilen des Vorjahres bleibt es zunächst bei einem pauschal um zehn Wochenstunden gekürzten Betreuungsangebot und bei festen Gruppen. Was halten die Beschäftigen von diesen Regeln? Welcher organisatorische Aufwand bedeutet die Umstellung? Wir haben uns in den drei Herscheider Kindertagesstätten umgehört.

Evangelisches Familienzentrum Unterm Regenbogen

nahezu alle Kinder wieder in unsere Einrichtung kommen werden“, sagt Christiane Krüger. Die Leiterin des Familienzentrums Unterm Regenbogen hat über eine Kita-App den Bedarf der Eltern und konkrete Buchungszeiten abgefragt. Vorläufiges Ergebnis: Nahezu alle der 89 angemeldeten Kinder werden ab Montag wieder erwartet. „Wir sind vermutlich an einem Punkt angekommen, an dem die Familien daheim an ihre Grenzen stoßen“, vermutet Christiane Krüger.

Die Freude, bald alle Kinder wiederzusehen, wird bei den Erzieherinnen durch Sorgen und Unsicherheiten getrübt. In welchem Zustand kommen die Kinder zurück? Benötigen vielleicht die Jüngsten, die erst seit dem Sommer das Familienzentrum besuchen, eine erneute Eingewöhnung nach der langen Pause? Und welche Anforderungen brauchen die Großen, für die in wenigen Monaten der Wechsel zur Grundschule bevorsteht?

Die gesundheitliche Situation bleibt ein Kernthema: Zwar gibt es weiter ein striktes Schutzkonzept im Familienzentrum. Doch im Kontakt mit den Kindern tragen die Erzieherinnen keine Masken. Christiane Krüger hofft, dass die Politik den Wunsch der Erzieherinnen nach einer raschen Impfmöglichkeit nachkommt. Vom Familienminister werde ein konsequentes Durchgreifen gewünscht: Kinder mit Erkältungs- oder anderen Krankheitssymptomen sollen daheim bleiben. In den ab Montag volleren Gruppenräumen sei die Gefahr einer Ansteckung – für Kinder und Erzieherinnen – zu groß, betont Christiane Krüger.

Im ersten Schritt wird ab Montag versucht, so viele Aktivitäten wie möglich nach draußen zu verlagern. Auf diese Weise tragen die Erzieherinnen dazu bei, das Infektionsrisiko zusätzlich zu minimieren. Personelle Ausfälle könne sich die Einrichtung nicht erlauben, betont Christiane Krüger. Im Sinne der Familien wünscht sie sich eine verlässliche Betreuung ohne ständige neue Vorgaben: „Hoffentlich geht es nicht schnell wieder rückwärts.“

DRK-Kindertagesstätte

Die turbulenten Wochen in der DRK-Kindertagesstätte dauern an: Erleichtert kann Leiterin Elke Haase berichten, dass die Installateure den Wasserschaden, der in der Vorwoche zu einer dreitägigen Schließung geführt hatte, inzwischen in den Griff bekommen haben. Räumliche Einschränkungen gebe es nicht mehr – genau zur richtigen Zeit, denn ab Montag herrscht am Nelkenweg wieder Hochbetrieb.

Die telefonische Abfrage bei den Eltern habe ergeben, dass mindestens 95 Prozent der insgesamt 89 Kinder wieder die Kita besuchen wollen. Bringzeit um 7 oder 8 Uhr, Abholzeit um 12 oder 13 Uhr – oder wird eine längere Betreuungszeit benötigt? Es gilt viele Fragen zu klären, um die Settings (also Gruppen) und das Personal ab Montag zusammenzustellen.

Auf die Einrichtungsleitung wartet also Puzzlearbeit. Aufgrund der vielen Umstellungen in den letzten Monaten macht sich Elke Haase davor aber nicht bange. Bis Montag bleibe genügend Zeit, um die Planungen abzurunden und mit dem Hygienekonzept abzugleichen.

Generell sei die Stimmung im Mitarbeiter-Team gut. Dass wieder alle Kinder kommen dürfen, sei „ein Stück Normalität“, meint Elke Haase. Die Umstände seien jedoch alles andere als normal: Die Erzieherinnen wollen und können bei ihrer Arbeit nicht auf Abstand zu den Kindern gehen. Welche Rolle Kinder bei der Virus-Übertragung spielen, sei jedoch weiter nicht eindeutig geklärt. Diese bangen Gedanken trüben auch in der DRK-Kita die Vorfreude auf das große Wiedersehen ab Montag. 

Evangelische Kindertagesstätte Arche Noah Hüinghausen

Die Garderobe ist bereits umgeräumt: In der Kindertagesstätte Arche Noah in Hüinghausen gibt es somit zwei Flure – einen für kleinere Kinder, den zweiten für die Großen. „Die räumlichen Strukturen haben wir bereits angepasst“, sagt Einrichtungsleiterin Sabine Neumann. Das beinhaltet auch die Aufteilung des Außengeländes und die Einrichtung von zwei Speiseräumen (oben und unten im Gebäude).

Für die Kinder – 41 sind in Hüinghausen angemeldet – sei es toll, dass sie endlich wieder in die Arche Noah kommen können, um mit ihren Freunden zu spielen und zu lachen. Die anfängliche Stundenreduzierung sei jedoch notwendig, verweist Sabine Neumann auf den unverändert großen Reinigungsbedarf, den die Umsetzung des Hygienekonzeptes erfordert.

Auch die Eltern seien glücklich, das hat Sabine Neumann in vielen Gesprächen erfahren. „Die Kinder brauchen uns“, weiß sie. Die Situation der Erzieherinnen sei jedoch unsicher. Die Einrichtungsleiterin hofft, dass der von den Einrichtungen des Evangelischen Kirchenkreise Lüdenscheid-Plettenberg und Iserlohn unterzeichnete Brief an den NRWFamilienminister Wirkung zeigt, und die Erzieherinnen in der Impf-Reihenfolge schleunigst bedacht werden.

Immerhin gibt es für Sabine Neumann und ihr Team bereits erfreuliche Ansätze: Die Möglichkeit von regelmäßigen Corona-Schnelltests für die Erzieherinnen sei bereits zugesagt. Und ab März seien eventuell Selbsttests vor Ort möglich. Aussichten, die zumindest für Hoffnung in der Hüinghauser Einrichtung sorgen. Zumal Sabine Neumann eines ohnehin nicht verbergen kann: „Wir freuen uns darauf, dass bald endlich wieder alle Kinder kommen dürfen.“ 

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