Großer logistischer Aufwand

Impfstart trotz Praxis-Urlaub: So lief die Impfung in Herscheider Hausarztpraxis

Auch in Herscheid beginnen Hausärzte mit den Impfungen.
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Auch in Herscheid beginnen Hausärzte mit den Impfungen.

In die Impfkampagne gegen das Coronavirus sind seit dieser Woche auch die Hausarztpraxen eingebunden. Auch in Herscheid bekamen die ersten Patienten in dieser Woche eine Spritze mit dem Vakzin von den Ärzten vor Ort. Eine Hausärztin berichtet von den logistischen Schwierigkeiten, insbesondere im Vorfeld der Impfungen.

Herscheid – „Wir haben in dieser Woche die erste Lieferung bekommen“, berichtet Kornelia Hauswald. In der Gemeinschaftspraxis von Kornelia und Michael Hauswald war in der Woche nach Ostern eigentlich Praxisurlaub, und trotzdem war eine Menge zu tun: Grund war die Lieferung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs, der rasch unter die Leute beziehungsweise in deren Oberarme gebracht werden sollte.

„Wir haben es bewusst auf den Urlaub gelegt, um zu schauen, wie wir es händeln können und organisiert bekommen“, erklärt die Medizinerin. Am Mittwoch erhielten 30 Personen in der Praxis den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Dieser ist nur eine begrenzte Zeit haltbar und muss, wenn er mit einer Kochsalzlösung zusammengemischt ist, in einem bestimmten Zeitfenster verimpft werden.

Impfangebot wird angenommen

„Die Patienten waren alle sehr angetan, sie hatten gar nicht damit gerechnet, dass wir sie in unserem Praxisurlaub kontaktieren“, berichtet Kornelia Hauswald. „Alle, die wir angerufen haben, sind auch gekommen“, freut sie sich über die Impfbereitschaft ihrer Patienten.

Doch eigentlich hätte die Praxis noch mehr Impfstoff erhalten sollen. Anstelle der ursprünglich in Aussicht gestellten 42 Dosen erhielt man dann nur 30, sodass zwölf Impftermine wieder abgesagt werden mussten. „Das sind noch Anlaufschwierigkeiten, die hoffentlich behoben werden“, so Hauswald.

Es waren nicht die einzigen Komplikationen, mit denen die Praxis im Vorfeld der Impfung am Mittwoch zu kämpfen hatte. „Am Dienstag haben wir erstmal die Patienten angerufen.“ Wer angerufen wird, dabei richtet sich die Praxis nach der Prioritätenliste. Das Praxissystem habe man nicht nach der – schließlich völlig neuen – Kategorie derer durchsuchen können, die eine hohe Impfpriorität haben, sondern etwa nur nach einzelnen Krankheitsbildern, die zur Impfung berechtigen. „Es gibt kein Schlüsselwort, um danach zu suchen, deswegen sucht man da schon lange“, sagt Hauswald zu der großen logistischen Herausforderung. „Das hat einen Wahnsinns-Rechercheaufwand gekostet.“

Auch die mehrseitigen Aufklärungsbögen und Einwilligungserklärungen müssen eingescannt und ins System eingepflegt werden. Zwar gebe es die Möglichkeit, einige Einträge schon auf der Praxis-Homepage zu machen. „Aber das kriegen auch nicht alle unsere Patienten hin.“

„Etwas unpraktisch gedacht“

Bei der Vorbereitung der Impfung erwies es sich ebenfalls als etwas ärgerlich, dass einige Kontaktierten aus der Gruppe bereits im Impfzentrum geimpft worden waren. Da das Impfzentrum unabhängig von den Arztpraxen agiere, seien die Infos nicht bei den Ärzten vor Ort angekommen, welche Personen schon geimpft seien. Auch die Betroffenen selber hätten die Praxis nicht informiert. Deswegen seien auch einige Anrufe am Dienstag umsonst gewesen, moniert Kornelia Hauswald. „Es ist alles etwas unpraktisch gedacht.“

Als etwas unpraktisch erwies sich auch die Erfassung der Impfung in den Impfpapieren. Denn im Gegensatz zu anderen Impfpräparaten waren auf den Ampullen mit dem Corona-Vakzin keine Aufkleber, die man einfach in den Impfpass kleben konnte. Das mag momentan dem Zeitdruck und der großen Produktionsmenge geschuldet sein, bedeutete aber für die Mitarbeiter in der Praxis, dass die Impfung per Hand eingetragen werden musste. Auch das kostet Zeit. Immerhin gibt es inzwischen separate Klebebögen, auf die die einzelnen Chargen des Impfstoffs gedruckt werden können, um diese dann in den Impfpass zu kleben, berichtet Hauswald.

Nach dem Probelauf in dieser Woche wird die Impfkampagne in den nächsten Wochen wohl Sonderschichten bedeuten, getrennt vom normalen Praxisalltag. „Wir werden die Impfungen in der Mittagspause organisieren, damit die Routinepatienten nicht auch noch gleichzeitig in der Praxis sind“, erklärt Kornelia Hauswald. „Anders ist es nicht zu händeln.“

Und letztlich bestünde auch die Platzfrage, denn nach der Impfung müssen die Patienten noch in einem getrennten Bereich warten, um mögliche Zwischenfälle durch Nebenwirkungen entdecken und abfangen zu können.

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