Erst Müllhalde, dann Bordell?

Immobilie in Weiße Ahe wird im Internet auch als Freudenhaus angepriesen

+
Der Mülltourismus soll ein Ende haben: Nachdem zuletzt immer wieder neue Abfallsäcke auf dem ohnehin mit Unrat übersäten Platz vor dem Gebäude in Weiße Ahe hinzugekommen waren, hat der Bauhof dort aufgeräumt.

Herscheid – Auf den ersten Blick scheint das Problem in Weiße Ahe gelöst: Der Müll vor dem Wohngebäude an der Landstraße 561 ist verschwunden. Doch die Anwohner sind weiter besorgt – nicht nur wegen des unverändert verwahrlosten Zustandes des Grundstücks.

Insbesondere eine Anzeige im Internetportal immobilienscout24 verunsichert die Nachbarn. Dort wird das Gebäude (zu erkennen an der markanten blauen Teilfassade) als „Mehrparteienhaus für Handwerker als Kapitalanlage“ beworben. In der Objektbeschreibung werden Nutzungsmöglichkeiten als Wohngebäude oder Steuerbüro ins Spiel gebracht. 

Eine andere pikante Variante bringt die Maklerin aus Siegen abschließend ins Spiel; sie schreibt fast schon verschämt: „Ich weiß gar nicht, ob ich es erwähnen sollte: Aber auch die Nutzung als Bordell wäre möglich. Der Standort an der Bundesstraße wäre perfekt. Das Separieren des Geländes ist umsetzbar. Die Vielzahl der Räume und Bäder rundet es ab.“ 

Dorn im Auge der Nachbarn

Alles andere als rosige Aussichten für die Nachbarn, denen das Grundstück ohnehin ein Dorn im Auge ist: Bis Dienstag war die Fläche vor den Gebäuden mit Scherben, Unrat und ausrangierten Elektrogeräten übersät. Zudem setzte eine Art Mülltourismus ein: Über Nacht vermehrte sich die Ansammlung durch unbekannte Besucher und deren Hinterlassenschaften. Ein Zustand, der Wochen andauerte, doch der den (unbekannten) Besitzer nicht zu stören schien. 

Im Auftrag des Märkischen Kreises (zuständige Behörde für derartige Fälle) und in Abstimmung mit dem gemeindlichen Ordnungsamt hat der Bauhof den Müll daher zusammengetragen und neben einer Garage hinter dem Haus zwischengelagert. Ein Abtransport sei aufgrund des laufenden Verfahrens nicht möglich, erklärt die zuständige Kreis-Mitarbeiterin auf Nachfrage. 

Der Verwaltung seien die Hände gebunden; das demokratische System gebe vor, dass allen Eigentümern Fristen eingeräumt werden. Bedeutet: Nach der bereits erlassenen Ordnungsverfügung hat der Besitzer der Immobilie die Möglichkeit, sich zu äußern und sich gegebenenfalls auch juristisch gegen die Aufforderung, den Müll zu beseitigen, zu wehren. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, dazu gibt es keine Auskunft. 

Anwohner müssen sich in Geduld üben

Die Anwohner müssen sich daher weiter in Geduld üben, doch das fällt ihnen schwer. „Wir leben direkt neben diesem Müllhaufen“, kritisiert Stefanie Sölzer. Sie berichtet von fauligem Geruch aus den Garagen sowie von Ratten und Ungeziefer, die durch den Müll angelockt werden. 

Weil es sich um ein Privatgrundstück handelt, dürfen die Nachbarn nicht selbst Hand anlegen und den Abfall beseitigen. Zumal für die Entsorgung – nach Schätzung von Stefanie Sölzer wären dafür zwei Müllcontainer notwendig – die Allgemeinheit aufkommen müsste. 

Das Säubern der Fläche vor dem Wohnhaus bewertet die Anwohnerin zwar positiv. Sie hofft allerdings, dass damit die Angelegenheit aus Sicht der Behörden nicht ad acta gelegt wird: „Ich befürchte, dass in ein paar Tagen niemand mehr über die Müllhalde in Weiße Ahe spricht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare