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Immer weniger Hufschmiede: Experten wollen Pferdewissen bewahren

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Von: Nina Scholle

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Pferdewirtin Jessica Petter (sitzend, links) und Schmiedin Tanja Weiland (stehend, 4. von rechts) lobten die Teilnehmer.
Pferdewirtin Jessica Petter (sitzend, links) und Schmiedin Tanja Weiland (stehend, 4. von rechts) lobten die Teilnehmer. © NINA SCHOLLE

„Ohne Huf kein Pferd“, sagte die staatlich geprüfte Hufbeschlagsschmiedin Tanja Weiland aus Lüdenscheid im Rahmen des Workshops zum Thema „Grundlagen der Hufbearbeitung“, der am Samstag auf dem Pferdehof Danklin stattfand.

Herscheid - Auch einem Nichtreiter wird nach kurzer Überlegung schnell einleuchten, wie wichtig der Huf für ein Pferd ist: Er muss nicht nur das Gewicht des Tieres tragen, sondern auch die Stoßwirkung eines jeden Schritts abfedern. Überträgt man die Anatomie des Pferdes auf den Menschen, wäre es ungefähr so, als würde dieser nur auf den Fingern oder Zehen laufen. Ein gesunder Huf ist von existenzieller Bedeutung.

Dennoch sei der Huf „oft nicht im Fokus“, wie Weiland zu berichten wusste. Dabei kann es von großem Nutzen sein, wenn der Pferdebesitzer weiß, worauf es zu achten gilt und gegebenenfalls kleine Korrekturen selbst vornehmen kann.

Für die elf Teilnehmer war es ein lehrreicher Workshop, der am Morgen mit Theorie in der Reiterstube begann und nach dem Mittagessen in die Praxis überging. Hufaufbau, Stresspunkte, die unterschiedlichen Formen und Hornbeschaffenheiten: All dies wurde besprochen.

Dabei ist der Huf eines jeden Pferdes individuell; Schon rassebedingt gebe es Unterschiede, erklärte Pferdewirtin Jessica Petter, Besitzerin des Pferdehofs Danklin. Es sei eine „hohe Kunst, das einzuschätzen“. Nicht umsonst dauere die Ausbildung zum Hufschmied mehrere Jahre und die tägliche Arbeit biete immer wieder neue Herausforderungen.

Darum war das Ziel des Workshops in erster Linie, „den Blick zu schulen: Was ist ein gesunder Huf?“ und „selber einfach mal genauer hinzugucken“, so Weiland. Viel Pferdewissen sei in den letzten 100 Jahren verloren gegangen; zudem gebe es immer weniger Hufschmiede.

Der Unterschied ist unübersehbar: links ein unbearbeiteter Huf, rechts ein fertig bearbeiteter.
Der Unterschied ist unübersehbar: links ein unbearbeiteter Huf, rechts ein fertig bearbeiteter. © NINA SCHOLLE

Bevor die Hufe bearbeitet werden konnten, mussten aber „erst mal die Werkzeuge startklar gemacht“ werden, erzählte Petter. So schärften die Pferdebesitzer ihre Hufmesser, um sie dem eigenen Griff und der individuellen Arbeitstechnik anzupassen.

Drei Pferde wurden zu Beginn des Praxisteils über den Hof geführt. Als „Blickschulung“ bezeichnete Petter dieses Vorgehen, denn: „Da sieht man schon ganz viel“, wie die Hufe zu bearbeiten seien.

Am ‚lebenden Objekt’ wurde jedoch nicht geübt, sondern an eigens für den Workshop organisierten Tothufen. So könne man „alles Gelernte umsetzen, ohne dem lebenden Wesen zu schaden“, erklärte Petter. Dabei kostete es den ein oder anderen Teilnehmer zunächst Überwindung, nur an einem Stück Bein zu arbeiten; zum Teil war es nicht so einfach, „das Ding zu händeln“, denn ein Pferd unterstütze das eigentlich besser, so Petter.

Zum Üben waren die Tothufe aber die beste Wahl. So konnten die Teilnehmer ein Gefühl dafür bekommen, „wie viel man wegnehmen darf“, erklärte Petter. Denn nehme man zuviel weg, schadet es dem Pferd mehr als dass es ihm nutzt. „Da ist ja Leben drin“, gab Petter zu bedenken und ergänzte: „Man kann die sehr schnell platt schärfen.“ Ganz ohne Hufkorrektur gehe es jedoch nicht, so die Pferdewirtin, selbst wenn man dem Pferd die besten (Untergrund-)Möglichkeiten biete.

Wie sich ein Pferd „beim Schiefstehen“ fühlt, erfuhren die Teilnehmer am eigenen Leib in einem kleinen Experiment: In einem Besenkarree stehend, bildeten vier Personen die Beine eines Pferdes. Wenn eine nicht gleich zu den anderen stand, war es für alle deutlich erschwert, sich gemeinsam fortzubewegen. Einmal mehr lernten die Pferdefreunde, wie wichtig die Hufe für ihre Vierbeiner sind.

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