Die Trockenheit und der Borkenkäfer setzen den heimischen Wäldern weiter zu

Eine verlockende Falle für den Borkenkäfer

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Tödliche Verlockung: Die Tri-Net-Falle lockt Borkenkäfer an ein Netz, das mit Gift ausgestattet ist.

Die sonnenreiche Frühlingswärme stößt derzeit nicht überall auf Sommervorfreude: „Bis vor vier Wochen sah es noch nach Entspannung aus, doch seitdem gab es so gut wie keinen Regen mehr. Für die Wasserversorgung der Bäume ist das schwierig“, blickt der heimische Förster Markus Ingenohl mit Sorge auf die Situation in den ohnehin schon seit langem angeschlagenen Wäldern.

Dort treibt in diesen Tagen nun auch wieder ein kaum zu sehendes, aber speziell für Fichten höchst tückisches Tier sein Unwesen: „Die Borkenkäfer sind in vollem Schwärmflug. Die erste Welle des Jahres ist unterwegs“, verweist Ingenohl auf die momentan optimalen Bedingungen für die winzig kleinen Schädlinge. Neue Baumschäden in den viel zu trockenen und geschwächten Waldgebieten sind damit vorprogrammiert.

Nur wenige Borkenkäfer sind im Winter abgestorben. Rund zehn Prozent der Gesamtpopulation im Revier Ebbetal hat beispielsweise durch Verpilzung nicht überlebt, der große Rest ist dagegen erneut aktiv.

Das Forstamt reagiert gleich mit mehreren Maßnahmen, darunter befindet sich auch ein völlig neues Mittel: Die sogenannten Tri-Net-Fallen. Diese sind mit einem für Borkenkäfer unwiderstehlichen Lockstoff ausgestattet. Wenn sich die Tiere der Versuchung nähern, folgt der Aufprall gegen ein darüber hängendes Netz samt Giftstoff und die Käfer verenden. „Wir hoffen, damit einige abfangen zu können“, betont Ingenohl, der in seinem Revier insgesamt 160 solcher Fallen etwa auf der Nordhelle aufgestellt hat.

Insektizide

Doch er weiß ebenso, dass damit lediglich ein Teil der Borkenkäfer eingefangen werden kann. Auch aus diesem Grund haben sich private und kommunale Waldbesitzer sowie der Landesbetrieb Wald und Holz dazu entschieden, in ausgewählten Revieren Insektizide einzusetzen. Dies geschieht im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und ökologischen Bedingungen. Auch im Forstrevier Ebbetal ist Holz mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt. Das Insektizid verhindert, dass Borkenkäfer unter der Rinde die Stämme verlassen und neue Bäume befallen.

Von dem gestapelten Holz, das mit dem Mittel besprüht wurde, geht für Spaziergänger keine Gefahr aus. Hautkontakt sollte jedoch vermieden werden. Wer die Holzstämme versehentlich berührt, sollte die betroffenen Körperstellen mit viel Wasser abwaschen. Darüber informiert das Regionalforstamt auch auf Hinweisschildern, die an den behandelten Baumstapeln angebracht sind.

„Wir kümmern uns natürlich darum, befallenes Holz aus dem Wald zu holen und loszuwerden“, sagt Markus Ingenohl, der zugleich das dazugehörige Problem bestens kennt: „Der Holzverkauf ist sehr schwierig. Es herrscht ein großes Überangebot.“

Holzexporte

Das Coronavirus trage ebenfalls dazu bei, dass sich der Markt keinesfalls entspanne. Zumal der Export von Holz nach China bereits zu Beginn des Jahres zum Erliegen kam. Bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft im Februar äußerten die Waldbesitzer noch die Hoffnung, dass ab Mitte April neue Lieferungen in Richtung Fernost möglich sein sollten. 

Damals ahnte sicherlich keiner, wie dramatisch das Virus bald das Leben im eigenen Land lahmlegen würde. Immerhin scheint sich die Prognose bezüglich China zu bewahrheiten: „Da gibt es einen kleinen Lichtblick. Das China-Geschäft soll noch in diesem Monat langsam wieder anlaufen“, erwartet Förster Ingenohl.

Waldbrände

„Die Waldbrandgefahr ist gerade ganz extrem. Es hat sich seit längerer Zeit angebahnt“, nennt Förster Ingenohl angesichts von starker Trockenheit und sommerähnlichen Temperaturen ein weiteres Problem für die heimischen Wälder. Ein scharfer, trockener Ostwind sorge zusammen mit altem Laub und den zahlreichen gefällten Bäumen für „jede Menge leicht entzündbare Brennmaterialien“. Für den Forstexperten ist klar: „Es kann jederzeit anfangen zu brennen.“

Dass es Gebiete in seinem Revier Ebbetal dieses Jahr noch nicht getroffen hat, sei reiner Zufall. Daher bittet er alle Waldbesucher, genau aufzupassen: „Schon wenn jemand eine Zigarette wegschmeißt, kann ein Brand entstehen. Grillen geht natürlich gar nicht.“ Durch die Corona-Krise ziehe es aktuell viele Menschen in den Forst. Umso wichtiger sei es, sich dort auch richtig zu verhalten.

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