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Zusammengezuckt in den Abendstunden: Was bedeuten die Sirenentöne?

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Von: Dirk Grein

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Zu dem nächtlichen Feuerwehr-Einsatz in Ober-Holte wurden die Einsatzkräfte auch per Sirene alarmiert.
Zu dem nächtlichen Feuerwehr-Einsatz in Ober-Holte wurden die Einsatzkräfte auch per Sirene alarmiert. © Birke, Maximilian

Der Sirenenalarm am Montagabend ließ einige Herscheider zusammenzucken: Angesichts des Krieges in der Ukraine befürchtete manch ein Mitglied in der Facebook-Gruppe „Du bist Herscheider wenn“ schon Schlimmstes. Doch die Entwarnung kam rasch: Denn es handelte es sich um einen Alarm für die Feuerwehr und dieser entpuppte sich auch noch umgehend als Fehlalarm. Wann und wie wird alarmiert – diesen Fragen sind wir nachgegangen.

Herscheid - Antworten erhielten wir bei der Feuerwehr-Kreisleitstelle: Disponent Jörg Borsberg erklärte uns, dass es grundsätzlich zwei Arten von Alarmtönen gibt. Bei den Feuerwehreinsätzen in Herscheid am Montag und in der Nacht auf Samstag (Brand in einem Gebäude in Ober-Holte) sei ein Ton zu hören gewesen, der zwei Mal unterbrochen wurde. „Ein solcher Dreifach-Ton einer Sirene deutet auf einen Einsatz der Feuerwehr hin“, so Borsberg.

Durch den Sirenenalarm soll eine möglichst große Anzahl an Einsatzkräften erreicht werden. Denn: Die funkbasierten Meldeempfänger funktionierten nicht in allen Ecken des Sauerlandes, zudem könnten sie von manchen Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehren nicht dauerhaft mitgeführt werden. Beispielhaft nannte Borsberg den Landwirt bei der Arbeit auf dem Feld; er könne durch die Sirenen auf die Einsatzalarmierung hingewiesen werden.

Soll die Bevölkerung hingegen vor Gefahren wie einem Hochwasser oder Schadstoffaustritten gewarnt werden, dann werde der Sirenenton nicht unterbrochen, sondern etwa eine Minute dauerhaft abgespielt. Der Heulton klinge dann auf- und abschwellend, beschreibt Borsberg.

Auf dem Dach des Herscheider Rathauses befindet sich eine elektronische Sirene.
Auf dem Dach des Herscheider Rathauses befindet sich eine elektronische Sirene. © Foto: Gemeinde Herscheid

In einem solchen Fall rät der Disponent den Bürgern, sich umgehend in ein Gebäude zurückzuziehen, Fenster und Türen zu schließen und sich rasch zu informieren – zum Beispiel über Radio, Fernsehen oder Nachrichtenportale im Internet.

Sobald die Gefahrenlage beendet ist, wird dies erneut mit einem Sirenenton deutlich gemacht: Dabei handele es sich um einen monotonen Dauerton, der im Vergleich zur Alarmierung nicht wellenförmig im Klang verläuft.

In diesem Zusammenhang empfiehlt Borsberg die Warn-App Nina, die kostenlos auf jedes Smartphone geladen werden kann. Über diese werden dringende Warnmeldungen kommuniziert. Außerdem, so ergänzt Borsberg, werde in Deutschland die Einführung von Cell Broadcast vorbereitet. Dahinter steckt ein System, über das Warnmeldungen an alle Handys versendet werden können, die sich in einem bestimmten Abschnitt des Mobilfunknetzes befinden. Insbesondere die Hochwasserproblematik des letzten Sommers habe verdeutlicht, wie wichtig diese Thematik sei.

„Das richtet sich ganz nach Szenario“

Nicht bei jedem Feuerwehreinsatz wird per Sirene alarmiert. „Das richtet sich ganz nach Szenario“, erklärt der stellvertretende Herscheider Wehrleiter Michael Geck. Bei dem Einsatzstichwort „Feuer im Gebäude“ (wie Samstag in Ober-Holte) sei von einem größeren Aufwand für die Wehr auszugehen, daher wurde per Sirene alarmiert. Dies hätte neben der Erreichbarkeit der Einsatzkräfte in der Fläche den Vorteil, dass auch die Bevölkerung auf eine drohende Gefahr hingewiesen werden. Geck nennt ein weiteres Beispiel: Bei einem kleineren Waldbrand sei keine Sirenen-Alarmierung notwendig. Stehe hingegen eine größere Fläche in Flammen, dann müssten Einsatzkräfte und Bürger gleichermaßen benachrichtigt werden.

Etwa bis Anfang der 1990er Jahre habe es ein flächendeckendes Sirenennetz des Bundes gegeben. Viele Menschen kannten die dazugehörigen Warntöne. Im Schulunterricht sei auf die Bedeutung der Töne hingewiesen worden, erinnert sich Jörg Borsberg. Doch nach dem Ende des Kalten Krieges gab der Bund das Sirenennetz auf.

Die Gemeinde Herscheid nutzte vor einigen Jahren Fördermittel, um die Sirenen vor Ort wieder in Betrieb zu nehmen und zum Teil zu erneuern. Diese befinden sich auf dem Rathausdach sowie auf den Dächern der Feuerwehr-Gerätehäuser Ober-Holte, Rärin und Hüinghausen. Außerdem wurde eine stationäre Sirene für den Bereich Friedlin auf dem Dach der Firma Gustav Alberts installiert.

An jedem zweiten Samstag eines Monats findet in der Gemeinde um 12 Uhr ein Probealarm statt, bei dem die Sirenen kurz anlaufen. Außerdem gibt es in regelmäßigen Abständen Warntage, um die Bürger zu sensibilisieren. Der nächste Warntag in Nordrhein-Westfalen ist für den 10. März vorgesehen.

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