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Zahnarzt setzt in seiner Praxis auf 1 G: Gesunder Menschenverstand

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Von: Dirk Grein

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Mit diesem Aushang an seiner Zahnarztpraxis reagiert Dr. Sven Bathe auf die neue Corona-Schutzverordnung und möchte Ungeimpften ein wenig Hoffnung machen.
Mit diesem Aushang an seiner Zahnarztpraxis reagiert Dr. Sven Bathe auf die neue Corona-Schutzverordnung und möchte Ungeimpften ein wenig Hoffnung machen. © Foto: Grein

Dass sein Aushang für derlei Wirbel sorgen würde, das hätte Dr. Sven Bathe nicht gedacht. An der Eingangstür zu seiner Zahnarztpraxis am Alten Schulplatz hat er einen Zettel angebracht, der rasch zum Gesprächsthema Nummer eins in Herscheid mutierte.

Herscheid - „Bei uns gilt 1 G: Gesunder Menschenverstand“, steht auf der besagten Nachricht, die an alle Patienten gerichtet ist, geschrieben. Insbesondere für den Zusatz wurden markante Worte gewählt: „Jeder Patient ist bei uns herzlich willkommen und wird behandelt! Wir beteiligen uns nicht an staatlich verordneter Hirnwäsche und Diskriminierung von Mitmenschen.“

Formuliert, ausgedruckt und aufgehängt hat Sven Bathe diesen Zettel kurz nach Bekanntwerden der jüngsten Veränderung des Infektionsschutzgesetzes vor einigen Tagen. Diese verschärfe seiner Meinung nach die Situation für ungeimpfte Personen, die nun unter anderem keinen Zutritt mehr zu Gastronomiebetrieben oder Einzelhandelsgeschäften haben. Eine politisch gewollte Entwicklung, die der Herscheider nicht nachvollziehen kann. „Die Ungeimpften werden ausgesperrt – das finde ich nicht richtig“, sagt Bathe.

In Absprache mit seinem Mitarbeiterteam habe er deshalb reagieren wollen – auch, um Personen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, ein Zeichen der Hoffnung zu senden. „Damit wollen wir ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind“, erklärt der Zahnarzt, der ausdrücklich betont, dass in seiner Praxis kein Patient ausgeschlossen werde. Eine Person, die möglicherweise große Schmerzen habe, wegen einer nicht erfolgten Impfung nicht zu behandeln, das wäre unterlassene Hilfeleistung, so Bathe.

Das sagt die Zahnärztekammer

Wie sehen die Vorgaben für Zahnärzte in Bezug auf die Behandlung von geimpften und nicht geimpften Patienten aus? Diese Frage stellten wir der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Dort hieß es von Seiten der telefonischen Corona-ServiceHotline: „Die 3 G-Regel tritt in den Praxen nicht in Kraft.“ Zahnärzte haben einen Versorgungsauftrag, der sich nicht an einem Impfstatus orientiere. Sven Bathe handele daher den Vorgaben entsprechend. In diesem Zusammenhang weist die Zahnärztekammer darauf hin, dass für die zahnärztliche Schmerzbehandlung von Patienten, die wegen eines Verdachts oder einer vorhandenen SARS CoV 2-Infektion unter häuslicher Quarantäne stehen, Behandlungszentren eingerichtet worden sind. Diese befinden sich in Münster, Bochum, Dortmund, Siegen, Borken, Löhne und Rheda-Wiedenbrück.

Gleichwohl betont er, dass in seinen Praxisräumen die bekannten Corona-Schutzvorgaben gelten und auch eingehalten werden. Bedeutet: Mitarbeiter und Patienten müssen (mit Ausnahme der eigentlichen Behandlung) Maskenpflicht und Abstandsregeln berücksichtigen; auf die Einhaltung von Hygienevorgaben werde in seiner Praxis ohnehin seit jeher großen Wert gelegt.

Ausgelöst durch die Corona-Pandemie beobachte Sven Bathe eine Spaltung der Gesellschaft, die ihm Sorge bereite. Dass er mit seinem Aushang eine Sichtweise auf die momentane Situation vertrete, die sich möglicherweise von den Meinungen vieler Bürger unterscheidet, sei ihm bewusst. Dennoch fühlt er sich durch die ihm bisher entgegengebrachten Reaktionen durchaus bestärkt. Wie der Herscheider berichtet, habe es in den letzten Tagen auch einige Terminabsagen gegeben. Andererseits hätten sich auch einige neue Patienten gemeldet, um nach Terminen zu fragen, oder auch Personen, die sich lobend zu dem Aushang äußerten.

In den sozialen Netzwerken löste die Nachricht eine intensiv geführte Diskussion aus. Insbesondere in der Facebook-Gruppe „Du bist Herscheider, wenn...“ ging es hoch her. Einige Mitglieder fühlten sich unfair behandelt, weil Kommentare zu Corona und zu dem Aushang des Zahnarztes gelöscht worden waren. Dem Gruppenleiter wurde Zensur vorgeworfen. Die Diskussion gipfelte darin, dass einige Personen die Herscheid-Gruppe – der mehr als 3 800 Mitglieder angehören – verließen und eine zweite Gruppe eröffneten.

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