Wolfgang Heß vom Beckenrand

Herscheider Vorzeige-Schwimmmeister geht nach über 40 Jahren im Freibad in den Ruhestand

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Herscheid - Er war der Held der Kinder, die gute Seele am Beckenrand, der wachsame Beschützer, der beherzte Lebensretter, der lustige Spaßmacher, der liebevolle Tröster und so viel mehr: Wolfgang Heß verlässt heute nach 44 Jahren das Herscheider Freibad und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Er hinterlässt mit dem Freibad, dessen Entwicklung er maßgeblich begleitet und mitbestimmt hat, ein großes Erbe. Und: Er hinterlässt Spuren – nicht nur in den Herzen der Kinder, sondern in denen aller Badegäste. In seiner Zeit als Schwimmmeister hat Wolfgang Heß Generationen von Menschen das Schwimmen beigebracht und blickt im Gespräch auf seine Zeit am Beckenrand zurück.

Herr Heß, heute ist das Herscheider Freibad weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt. Wie hat vor 44 Jahren alles angefangen?

Ich bin früher viel mit der DLRG unterwegs gewesen und habe an vielen Badestätten, unter anderem auch auf der Nordseeinsel Ameland, Wachdienst gemacht. 1975 hat der damalige Schwimmmeister einen Gehilfen gesucht und sich deshalb in der DLRG umgehört. Da geriet ich gemeinsam mit einem Kumpel ins Visier und habe auch relativ schnell gewusst, dass das für mich das Richtige ist. Also habe ich zugesagt und meine Ausbildung angefangen. Seitdem bin ich hier.

Welche Höhepunkte haben Sie in Ihrer Zeit im Herscheider Freibad erlebt?

Besonders wichtig und schön war für mich immer, dass wir als Mitarbeiter alles im Team erlebt haben. Von der Gemeinde wurden wir in Planungen und wichtige Entscheidungen einbezogen. Viele unserer Ideen für den Umbau durften wir über die Jahre verwirklichen. So waren wir ein Teil der Weiterentwicklung und konnten das Freibad zu dem machen, was es heute ist. Dem ist es auch zu verdanken, dass wir über die Jahre die Besucherzahlen immer weiter verbessert haben und im vergangenen Jahr mit 65 000 sogar einen neuen Rekord aufstellen konnten. Darauf bin ich stolz und hoffe, dass das Freibad in Zukunft so wie wir es schätzen erhalten bleiben wird.

Was schätzen Sie an diesem Arbeitsplatz?

Ganz besonders schätze ich – und das ist es auch, was das Freibad ausmacht – das Miteinander unter den Badegästen und den Mitarbeitern. Wir sind hier wie eine richtige Familie und das ist für ein Schwimmbad einzigartig. Die Kinder kommen zu mir, sprechen mich an und erzählen mir Geschichten. Und auch die Erwachsenen. Man wird eingeladen, man unterhält sich. Man steht einfach in Kontakt mit den Menschen. Das war immer schon so und das wird auch hoffentlich immer so bleiben. Aber bei Reiner mache ich mir da keine Sorgen, er weiß worauf es im Umgang mit den Badegästen ankommt. Es ist einfach toll, wie gut wir uns aufeinander verlassen können.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

In den 44 Jahren, die ich hier im Freibad verbracht habe, bin ich im Sommer nie mit meiner Familie in den Urlaub gefahren – ich stand ja hier am Beckenrand. Diese Urlaube möchte ich nachholen. Außerdem wandere ich gerne. Nächstes Jahr möchte ich zu Fuß eine Alpenüberquerung machen. Und auch nach Norwegen möchte ich wieder reisen. Da bin ich erst einmal in meinem Leben gewesen und es war mit das schönste Land, das ich bisher gesehen habe. Auf jeden Fall werde ich in Aktion bleiben. Der Typ, der nur zu Hause sitzt, bin ich nämlich nicht.

Wie soll es Ihrer Meinung nach im Freibad weitergehen?

Ich wünsche mir, dass die Struktur erhalten bleibt. Dass die Leute bleiben wie sie sind, freundlich und nett. Dass die Sprungbretter erhalten bleiben. Dass die Kommune und der Rat weiterhin hinter dem Freibad stehen. Das ist mir wichtig, denn gerade heute, wo die Zahl der Badetoten wieder steigt, brauchen Menschen die Möglichkeit, in einer angenehmen Umgebung schwimmen und schwimmen üben zu können.

Was hat Sie über die vielen Jahre motiviert?

Das was ich von den Badegästen und von anderen Menschen zurückbekommen habe: Anerkennung. Reiner und ich sind vor einigen Jahren zu den beliebtesten Schwimmmeistern Nordrhein-Westfalens gewählt worden. Das hat uns schon stolz gemacht.

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