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Traditionelle Veranstaltung abgesagt: Keine Bläser an Heiligabend

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Von: Dirk Grein

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Ob bei Regen oder Schnee – ganz gleich bei welchem Wetter: Wenn der Herscheider Musikzug an Heiligabend die bekannten Weihnachtslieder spielte, dann kamen die Zuhörer und standen dicht beisammen. Genau das ist in diesem Jahr nicht möglich.
Ob bei Regen oder Schnee – ganz gleich bei welchem Wetter: Wenn der Herscheider Musikzug an Heiligabend die bekannten Weihnachtslieder spielte, dann kamen die Zuhörer und standen dicht beisammen. Genau das ist in diesem Jahr nicht möglich. © Archivfoto: Damschen

Das Festtagsmahl ist vorbereitet, die Kerzen am Christbaum leuchten, die Geschenke sind verpackt: Zum harmonischen Weihnachtsfest in Herscheid fehlt somit nur noch eine unerlässliche Zutat: das Heiligabendblasen des Feuerwehr-Musikzuges. Doch genau darauf müssen die Bürger auch in diesem Jahr verzichten.

Herscheid - Nach der Absage in 2020 hatten die Musiker auf eine Besserung der Coronalage gehofft. Doch es kam ganz anders, bedauert Musikzugführer Thorsten Dreißigacker. Gestiegene Zahlen und neue Virusmutationen sorgen für eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Dies sei für den Musikzug der entscheidende Punkt gewesen, seine beliebte Weihnachtstradition ausfallen zu lassen – das zweite Jahr in Folge.

Gesungener Weihnachtsgruß

Zwar findet das Weihnachtsblasen an der freien Luft statt. Dennoch sorgt es dafür, dass sich an den verschiedenen Stationen (die in der Vergangenheit per Schildaushang als solche sichtbar gemacht wurden) zahlreiche Nachbarn und Bekannte zusammenfinden, um sich frohe Weihnachten zu wünschen. Genau dieses Zusammentreffen und das gemeinsame Singen der Weihnachtslieder mache den Reiz für die Zuhörer aus.

So schön diese Tradition auch ist: Der Musikzugführer musste sich mit quälenden Fragen auseinandersetzen. Wer ist beispielsweise dafür zuständig, dass die Mindestabstände an den Stationen eingehalten werden? Müssen 2G- oder 3G-Regeln kontrolliert werden und falls ja, von wem? Und wer müsste im schlimmsten Fall dafür geradestehen, falls sich Zuschauer untereinander anstecken?

Hinzu kamen weitere Faktoren: Nach dem Ende des Lockdowns habe der Musikzug im späten Frühjahr den Probenbetrieb wieder aufnehmen können. Sofern es die Witterung zuließ, wurde im Freien musiziert. Bei Regen zogen sich die Musiker in die Fahrzeughalle zurück, um dort bei geöffneten Toren ihre Lieder zu spielen.

Doch genau das sei in den Wintermonaten nicht mehr möglich, weil es dann zu kalt sei. Und in dem Schulungsraum im Gerätehaus an der Bahnhofstraße sei nicht ausreichend Platz, um auf Abstand zueinander zu musizieren. Daher musste der Probenbetrieb vor zwei Wochen erneut eingestellt werden.

Tradition seit vielen Jahrzehnten

Logistische Probleme erschwerten das Vorhaben: Die Feuerwehr Herscheid, der auch der Musikzug angehört, hat ihre Corona-Schutzmaßnahmen verschärft. Eine Auswirkung: In den Mannschaftswagen ist die Zahl der Mitfahrer begrenzt worden, um Abstände einhalten zu können. Diese Fahrzeuge wollte der Musikzug an Heiligabend nutzen, zum Transport von Musikern und Instrumenten. Doch unter den jetzigen Umständen wären dafür zusätzliche Fahrzeuge notwendig geworden.

Corona-Schutz: Das gilt bei der Feuerwehr

Um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren, hat die Herscheider Feuerwehr verschärfte Schutzmaßnahmen beschlossen. Großübungen gibt es vorerst nicht mehr, bei Übungen einzelner Löschgruppen gilt die 3G-Regel. Schulungsabende sollen nach Möglichkeit online und nicht in Präsenz stattfinden. Interne Weihnachtsfeiern wurden ausgesetzt, um Kontakte zu reduzieren. In den Gruppenfahrzeugen wurde die Zahl der Mitfahrer auf Staffelgröße – also sechs Personen – reduziert, damit Abstände eingehalten werden können. In den Fahrzeugen und an den Einsatzstellen müssen die Einsatzkräften FFP2-Masken tragen. Der Zutritt zu den Gerätehäusern ist feuerwehrfremden Personen vorerst nicht mehr gestattet. Diese Maßnahmen sollen zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft beitragen, begründet Wehrleiter Andre Zimmermann.

In der Summe seien die Argumente, die für eine Absage sprachen, erdrückend gewesen. Leicht gefallen sei ihm diese Entscheidung dennoch nicht, betont Thorsten Dreißigacker, der sich noch gut an seine Kindheit erinnern kann und daher nur zu gut weiß: Heiligabendblasen und Weihnachten gehören in Herscheid fest zusammen – und das bereits seit vielen Jahrzehnten. Krisen und Krankheiten habe es in dieser langen Zeit viele gegeben, doch der Musikzug habe sie alle gemeistert. Mit Corona „werden wir daher auch fertig werden“, gibt sich Dreißigacker optimistisch.

Zuversichtlich stimmt ihn der Mitgliederzuspruch: Während der Coronazeit habe der Musikzug nicht einen Austritt zu verzeichnen gehabt, stattdessen habe sich sogar ein neuer Schlagzeuger dem Ensemble angeschlossen. Sie alle sehnen die Wiederaufnahme des Probenbetriebs herbei – wann dies sein wird, ist allerdings nicht absehbar.

Wird der Zeitplan künftig gestrafft?

Zunächst steht jedoch Weihnachten vor der Tür – und das wird auch für die Musiker anders. Im Vorjahr habe der eine oder andere bereits erlebt, dass ein Heiligabend zuhause auch seine Vorzüge haben kann. Daher habe es bereits erste Überlegungen gegeben, Stationen zusammenzulegen, um den Zeitplan – der normalerweise Auftritte ab 11.15 Uhr und bis kurz vor 18 Uhr vorsah – zu straffen.

Eines steht für den Musikzugführer und seine Truppe trotz der erneuten Absage jedoch außer Frage: „Wir werden das Herscheider Heiligabendblasen auf keinen Fall in Gänze aufgeben.“

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