Tamer Toka über die Corona-Besonderheiten während des Fastenmonats

Bedeutung des Ramadan: „Fasten für die Seele“ 

Während des Fastenmonats wird erst nach dem Sonnenuntergang gegessen. Die Herscheider Familie Toka (von links: Vater Sener, Sohn Tamer und Mutter Hanife) musste in diesem Jahr wegen Corona darauf verzichten, Freunde und Verwandte zu diesem täglichen Fastenbrechen einzuladen.
+
Während des Fastenmonats wird erst nach dem Sonnenuntergang gegessen. Die Herscheider Familie Toka (von links: Vater Sener, Sohn Tamer und Mutter Hanife) musste in diesem Jahr wegen Corona darauf verzichten, Freunde und Verwandte zu diesem täglichen Fastenbrechen einzuladen.

Ein Monat des bewussten Verzichts endet am Mittwoch für alle gläubigen Muslime. Doch der Fastenmonat Ramadan war anders – er stand im Zeichen der CoronaPandemie. Insbesondere die Gemeinschaft blieb durch die Schutzverordnungen auf der Strecke. „Im noch kleineren Kreis geht es nicht“, erzählt Tamer Toka. Der Herscheider bedauert, dass die Zusammenkünfte mit Familie, Freunden und Bekannten nicht stattfinden konnten.

Herscheid - Der 37-Jährige kann zwar aufgrund einer chronischen Krankheit selbst nicht fasten. Doch durch das Zusammenleben mit seinen Eltern in der gemeinsamen Wohnung weiß er genau, wie besonders der Ramadan in diesem Jahr war. Darüber und über die Vorfreude auf das Ramadanfest hat er mit Dirk Grein gesprochen.

Was bedeutet der Fastenmonatfür einengläubigen Muslim?
Tamer Toka: Der Stellenwert ist sehr hoch. Für uns bedeutet es, dass wir zusammenkommen mit Nachbarn und Freunden. Ich selbst kann seit vielen Jahren nicht fasten. Von früher kenne ich diese Erfahrung allerdings noch, als ich mit 16 oder 17 Jahren mitgemacht habe. Das ist ein ganz anderes Gefühl: Man wartet auf das Essen, das Beisammensein. Das Teilen spielt eine große Rolle, weil man das Essen mit anderen Personen teilt. Denn zu Ramadan gehört es dazu, beispielsweise mit ärmeren Menschen zu teilen.

Wie schwierig ist die Umstellung?
Toka: Besonders in den ersten Tagen des Fastenmonats bemerke ich bei den Menschen eine gewisse Müdigkeit. Aber das legt sich meistens nach dem zweiten oder dritten Tag, dann haben sie sich bereits daran gewöhnt.

Thema Corona: Wie sehr hat die Pandemie den Ramadan beeinflusst?
Toka: Leider sehr. Denn nach dem Fastenbrechen, also dem Essen am Abend, bleibt man normalerweise zusammen und spricht miteinander. Diese gegenseitigen Besuche fehlen uns allen doch sehr. Ohne Corona würden wir auch in die Moschee gehen, darauf haben wir in diesem Jahr allerdings verzichtet.

Wie sieht das Ende des Fastenmonats aus?
Toka: Am Mittwochabend findet noch ein letztes Mal ein ganz normales Fastenbrechen statt. Normalerweise würden parallel die Vorbereitungen auf das Ramadanfest beginnen, das bedeutet die Wohnung wird aufgeräumt und Süßigkeiten eingekauft, um diese an Nachbarn und Kinder verteilen zu können. Wie wir es in diesem Jahr machen, das wissen wir aber noch nicht genau.

Fladenbrot und Datteln sind im Hause Toka feste Bestandteile des abendlichen Fastenbrechens.

Warum ist dieser Fastenmonat Ihrer Meinung nach wichtig?
Toka: Es ist nicht nur ein Fasten des Magens, sondern auch für die Seele. Man kommt zur Ruhe und reflektiert das ganze Jahr: Was habe ich an guten Taten vollbracht? Wem kann ich helfen? Man geht in sich, beschäftigt sich intensiver als sonst mit der Religion und dem Glauben, befasst sich mit Suren, also Kapiteln aus dem Koran.

Freut man sich auf das Ende des Fastens?
Toka: Das kann ich nicht genau sagen. Es handelt sich ja um einen Zyklus, der jedes Jahr kommt. Man freut sich in erster Linie auf das Ramadanfest zum Abschluss. Viele nennen dieses auch Zuckerfest, aber richtig heißt es Ramadanfest. Dabei gibt es viel Süßes zu essen. Bei uns gehört ein gemeinsames Familienfrühstück zu diesem Fest – und darauf freuen wir uns sehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare